Unbesiegte Geißeln der Menschheit

Stuttgart, Februar 2009 – Als Mediziner Anfang des letzten Jahrhunderts die ersten Antibiotika entdeckten, schien die Gefahr bakterieller Infektionen für immer gebannt zu sein. Doch noch immer fordern Krankheiten wie Pest, Lepra oder Tuberkulose zahlreiche Todesopfer. Warum diese gefürchteten Geißeln der Menschheit auch heutzutage ihr Unwesen treiben, erklären Experten in der neuen Ausgabe von "Via medici - Fachzeitschrift und Online-Portal für junge Mediziner" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009).

Noch Mitte des 17. Jahrhunderts wütete die Pest in Deutschland so stark, dass sie manche Landstriche menschenleer hinterließ. Der Erreger dieser auch als "schwarzer Tod" bezeichneten Seuche wurde jedoch erst 1894 entdeckt: Ein Bakterium, das nach seinem Entdecker Alexandre Yersin Yersinia pestis genannt wurde und durch Rattenflöhe auf den Menschen übertragen wird. Obwohl sich die Krankheit mittlerweile gut mit Antibiotika behandeln lässt, zählt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) noch immer jährlich etwa 2500 Pestfälle mit 200 Toten. "Nagetiere sind verhältnismäßig resistent gegen den Erreger und so kann sich ein kontinuierlicher Ratte-Floh-Infektionszyklus aufrecht erhalten", erklärt Dr. rer. nat. Alexander Rakin vom Max Pettenkofer Institut der Ludwig-Maximilians Universität in München in der aktuellen "Via medici". "Dadurch besitzt das Pestbakterium überall auf der Welt Reservoire und kann immer wieder auf den Menschen übergreifen."

Der Kampf gegen die Lepra scheint auf den ersten Blick aussichtsreicher zu sein. Inzwischen ist diese Krankheit, die durch das Mycobacterium leprae ausgelöst wird, in fast allen Ländern auf dem Rückzug. Problematisch ist jedoch weiterhin, dass viele Menschen den Erreger in sich tragen und nicht daran erkranken. Zudem kann es bis zu 40 Jahre dauern, bis die ersten Symptome der Lepra auftreten. "Wir sehen also wie bei einem Eisberg nur den verschwindend kleinen Teil der Infizierten, die tatsächlich erkranken", so Dr. med. Adolf Diefenhardt, medizinischer Leiter und stellvertretender Geschäftsführer der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe. "Die vielen stummen Überträger können wir nicht erfassen."

Anlass zur Sorge gibt weiterhin die Entwicklung der Tuberkulose. Diese bakterielle Krankheit ist zwar in Deutschland auf dem Rückzug, doch weltweit entstehen zunehmend Erreger-Stämme, die gegen fast alle gängigen Antibiotika resistent sind. Mittlerweile erkranken jährlich mehr als acht Millionen Menschen neu an Tuberkulose, zwei Millionen sterben an den Folgen.

S. Schwencke:
Vergessene Seuchen: Lepra, Pest und Tuberkulose – Alte Schrecken mit neuen Komplizen.
Via medici 2009; 14 (1): 44-46

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