Sport, Ernährung und Mistelpräparate verbessern Lebensqualität bei Bauchspeicheldrüsenkrebs

Stuttgart, Januar 2009 – Krebserkrankungen der Bauchspeicheldrüse können nur selten durch eine Operation geheilt werden. Sport, Ernährung und eine unterstützende naturheilkundliche Behandlung können jedoch die Lebensqualität der Krebspatienten verbessern, erläutern Experten in der Fachzeitschrift "Deutsche Zeitschrift für Onkologie" (Haug Verlag, Stuttgart 2008).

Seit einigen Jahren gibt es für Patienten mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom eine Chemotherapie. Das am häufigsten eingesetzte Medikament, Gemcitabin kann den Tumor häufig zurückdrängen. Eine lebensverlängernde Wirkung wird jedoch nicht erzielt. Viele Patienten wenden sich deshalb komplementärmedizinischen Behandlungen zu. Diese lassen sich nach den Erfahrungen von Dr. Harald Matthes vom Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe, einer anthroposophisch orientierten Klinik in Berlin, durchaus mit der naturwissenschaftlichen Medizin kombinieren. Zu den beliebtesten naturheilkundlichen Krebsmitteln zählen Mistelpräparate. Normalerweise werden sie den Patienten unter die Haut injiziert, wo sie die körpereigene Krebsabwehr aktivieren sollen. Mistelpräparate können aber auch direkt in den Tumor verabreicht werden. Dr. Matthes berichtet in der DZO über Erfahrungen an 14 Patienten, von denen 12 auch eine Chemotherapie mit Gemcitabin erhielten. Die Injektionen des Mistelpräparats erfolgten mit einer Nadel durch die Bauchdecke hindurch oder sie wurden während einer Endoskopie vom Magen aus vorgenommen. In beiden Fällen wird der Tumor mittels Ultraschall geortet, sodass die Mistelextrakte gezielt verabreicht werden können. Bei 13 der 14 Tumoren konnte das Krebswachstum vorübergehend gestoppt werden, berichtet Dr. Matthes. In einem dieser Fälle habe sich der Tumor vollständig zurückgebildet. Der Patient überlebte 18 Monate, was bei einem Krebs mit einer durchschnittlichen Überlebenszeit von wenigen Monaten ein Erfolg ist, auch wenn zu dem Zeitpunkt nicht von einer Heilung gesprochen werden kann. Die Lebensqualität der meisten Patienten konnte jedoch verbessert werden, versichert Dr. Matthes. Er weist darauf hin, dass die Mistelinjektionen keine zugelassene Therapie sind. Jeder Patient müsse der Therapie deshalb ausdrücklich zustimmen.

Nach einer Krebsoperation an der Bauchspeicheldrüse kommt es bei vielen Patienten zu einer Gewichtsabnahme, berichtet Dr. Jann Arends von der Universität Freiburg. Der Ernährungsspezialist rät den Patienten deshalb zu einer Umstellung der Ernährung. Sie sollten die Nahrung auf viele kleine Mahlzeiten verteilen und auf Ballaststoffe und Fette verzichten. Außerdem müssen die Patienten das Enzym Lipase, das die Bauchspeicheldrüse nicht mehr in ausreichender Menge bildet, als Medikament einnehmen. Das Ziel ist, die Verdauung der Patienten zu normalisieren. Begleitend empfiehlt Dr. Arends den Patienten, sich nach Möglichkeit sportlich zu betätigen. Davon verspricht sich der Experte eine Verbesserung des Zuckerstoffwechsels. Nach dem Sport benötigt der Körper weniger Insulin, was sich nach Einschätzung von Dr. Arends günstig auf den weiteren Verlauf des Krebsleidens auswirken könnte. Denn Insulin steuert nicht nur den Blutzuckerabbau, es wirkt auch als Wachstumsfaktor auf Tumorzellen. Andere Ernährungsexperten raten den Patienten zu einer "Antikrebsdiät" jedoch nicht. Dr. Arends warnt: Bei Patienten mit Pankreaskarzinom besteht immer die Gefahr, dass sie stark an Gewicht abnehmen. Eine zuckerarme Diät könne den Gewichtsverlust verstärken, wenn die Patienten nicht auf eine ausreichende Kalorienzufuhr achten.

H. Matthes et al.:
Integrative Therapiemöglichkeiten des inoperablen Pankreaskarzinoms – eine Übersicht
Deutsche Zeitschrift für Onkologie 2008; 40 (3): S. 106-110

J. Arends:
Ernährung bei Pankreaskarzinom
Deutsche Zeitschrift für Onkologie 2008; 40 (3): S. 128- 129

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