Raucheinstieg, Rauchausstieg: Bildung macht den Unterschied

fzm, Stuttgart, November 2014 – Junge Erwachsene mit niedrigem Bildungsgrad rauchen häufiger und hören im Schnitt seltener damit auf als Gleichaltrige mit höherer Schulbildung. In der Fachzeitschrift „Das Gesundheitswesen“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2014) stellt Benjamin Kuntz, Gesundheitswissenschaftler am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin, eine Studie vor, für die er gemeinsam mit Kollegen das Rauchverhalten junger Erwachsener untersucht hat.

Besonderes Augenmerk legten die Berliner Wissenschaftler auf die Frage, wie sich der Bildungsgrad der Probanden auf den Tabakkonsum auswirkt. Aus einer Vielzahl von Studien war bereits zuvor bekannt, dass Personen mit niedriger Bildung häufiger und stärker rauchen als höher Gebildete. Benjamin Kuntz und seine Kollegen wollten nun herausfinden, woran das liegt: An einer größeren Bereitschaft, mit dem Rauchen zu beginnen, oder an einer mangelnden Bereitschaft oder geringerem Erfolg, damit wieder aufzuhören.

Für ihre Untersuchung werteten die RKI-Forscher die Angaben von mehr als 7600 jungen Männern und Frauen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren aus, die an einer telefonischen Befragung im Rahmen der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA) 2009 und 2010 teilgenommen hatten. Dabei wurden Häufigkeit und Intensität der Tabakkonsums in mehreren Einzelfragen erfasst, sowie der höchste Schulabschluss erfragt.

Wie die Auswertung ergab, rauchen knapp 43 Prozent der Männer und rund 37 Prozent der Frauen in diesem Alter. Dabei war der Anteil der Raucher unter den Teilnehmern ohne Schulabschluss oder mit Hauptschulabschluss rund doppelt so hoch wie bei Teilnehmern mit Abitur oder Fachhochschulreife. Außerdem schafften männliche Raucher mit niedrigem Bildungsgrad lediglich halb so oft den Ausstieg aus ihrem Laster wie höher gebildete Raucher. Bei den Frauen war die Erfolgsquote unter den weniger gebildeten Teilnehmerinnen ebenfalls deutlich niedriger als unter den Teilnehmerinnen mit höherem Schulabschluss.

Die insgesamt höhere Raucherprävalenz in den niedrigeren Bildungsschichten sehen Kuntz und seine Kollegen demnach durch beide Faktoren bedingt: durch häufigeren Einstieg und selteneren Ausstieg. Die Wissenschaftler sehen das junge Erwachsenenalter neben dem Jugendalter als prägende Phase in der Entscheidung für oder gegen das Rauchen, denn in dieser Zeit findet eine starke Vertiefung von Lebensgewohnheiten statt. Wer bis zu seinem 25. Lebensjahr nicht angefangen hat zu rauchen, tut es wahrscheinlich danach auch nicht mehr. Umgekehrt fällt mit zunehmendem Alter die Abkehr von der liebgewordenen Zigarette immer schwerer. Vor diesem Hintergrund sollten Angebote zur Tabakprävention und Raucherentwöhnung auch auf junge Erwachsene ausgerichtet und so gestaltet sein, dass sie dabei die besonders gefährdeten niedrigen Bildungsschichten ansprechen und erreichen.


B. Kuntz et al.:
Bildungsunterschiede im Tabakkonsum und Rauchausstieg junger Erwachsener. Ergebnisse der Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA) 2009 und 2010
Das Gesundheitswesen 2014; 76 (10); S. 647-654