Wenn der Blutdruck trotz Medikamenten zu hoch ist

Stuttgart, April 2009 – Bei jedem zehnten Hochdruckkranken bleibt der Blutdruck zu hoch, obwohl der Arzt mehrere Medikamente verordnet hat. Neben einer unregelmäßigen Tabletteneinnahme und der Wahl der falschen Wirkstoffe gibt es nach Auskunft von Experten in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009) noch andere Erklärungen für eine vermeintliche "Therapieresistenz". Worauf Ärzte bei der Behandlung von Bluthochdruck achten sollten, ist auch Thema auf dem 115. Internistenkongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin, der vom 18. bis 22. April 2009 in Wiesbaden stattfindet.

Bluthochdruckpatienten müssen nicht nur regelmäßig Medikamente einnehmen und dies für den Rest ihres Lebens, sie sind auch gehalten, ihren Lebensstil auf Dauer zu ändern. Beides gelingt vielen Patienten nicht. Die mangelnde Therapietreue, Mediziner sprechen von "Non-Compliance", ist nach Erfahrung von Professor Joachim Hoyer, Leiter der Abteilung für Nephrologie am Universitätsklinikum Marburg und Kollegen, die häufigste Ursache für einen trotz Therapie zu hohen Blutdruck. Diese Patienten – häufig sind es ältere Menschen mit einem deutlich erhöhten oberen Blutdruckwert – sind wie andere Hochdruckpatienten gefährdet, an Herzversagen, Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen zu erkranken, vor allem wenn zusätzlich eine Zuckerkrankheit vorliegt oder die Blutfette erhöht sind: Pro 20 mm Hg im oberen Wert und 10 mm Hg im unteren Wert verdoppelt sich das Erkrankungsrisiko, warnen die Autoren.

Obwohl es eine große Anzahl von Medikamenten gibt, fällt es den Ärzten nicht immer leicht die geeigneten Mittel für die Patienten zu finden. Die meisten benötigen mehrere Wirkstoffe. Bei Patienten mit schwer einstellbarem Hochdruck können es sogar vier bis sechs Wirkstoffe werden, berichtet Professor Hoyer. Da mit der Zahl der Tabletten die Compliance nachlässt, sollten es so wenige Tabletten wie möglich sein. Es komme nicht nur darauf an, die Wirkstoffe auszuwählen, welche bei den Patienten den Blutdruck am besten senken, sondern auch jene wegzulassen, welche nicht wirken oder nicht vertragen werden. Die Intensivierung der Therapie erfordere manchmal viel Augenmaß und Geduld, schreiben die Ärzte für Nierenerkrankungen. Viele Experten raten zu einer "Rotation" der Wirkstoffe, um die für den Patienten geeignete Kombination zu finden. Manchmal kann es nach Erfahrung der Autoren sogar notwendig werden, dass schrittweise alle Mittel abgesetzt werden, um durch einen Neuaufbau der Therapie unter engmaschiger Kontrolle die "Resistenz" zu durchbrechen. Einige Patienten müssen dazu sogar in der Klinik betreut werden.

Gelegentlich sind Medikamente, die der Patient wegen anderer Erkrankungen einnimmt, an der Entstehung des Bluthochdrucks beteiligt. Dies können laut Professor Hoyer antientzündliche Mittel sein, die zum Beispiel die Wirkstoffe Diclofenac oder Ibuprofen enthalten. Diese werden vielfach von älteren Menschen wegen schmerzhafter Gelenkbeschwerden eingenommen. Aber auch Kortison oder Hormone, Mittel gegen Depressionen, ja selbst abschwellende Nasentropfen können den Blutdruck ansteigen lassen. Das gleiche gilt für Lakritze, Kautabak und einige Drogen.

In manchen Fällen ist die Ursache für ein Versagen der Therapie auf eine ungesunde Lebensweise zurückzuführen. Dies kann zu viel Alkohol sein oder ein zu hoher Salzkonsum. Professor Hoyer: Patienten mit Bluthochdruck sollten pro Tag nicht mehr als 30 g Alkohol trinken und nicht mehr als 6 g Salz zu sich nehmen. Auch Sport kann helfen, den Blutdruck zu senken: Mehrmals wöchentliche Spaziergänge von 30 bis 45 Minuten Dauer gehören ebenso zu den Ratschlägen der Ärzte wie ein Verzicht auf Zigaretten und das Vermeiden von Übergewicht.

Rauchen sollten die Patienten insbesondere nicht vor der Blutdruckkontrolle beim Arzt. Professor Hoyer: Der obere Wert kann während des Rauchens und in den 15 bis 30 Minuten danach um bis zu 20 mm Hg ansteigen. Dies kann dann leicht zu falschen Therapieempfehlungen führen. Weniger gefährlich ist eine Tasse Kaffee. Sie steigere den Blutdruck vorübergehend um 1 bis 2 mm Hg.

T. Lenz et al.:
Diagnostik und Therapie bei schwer einstellbarer Hypertonie.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (16): S. 813-817

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