An vielen Fronten gegen den Brustkrebs

Stuttgart, April 2009 – In Deutschland ist die Zahl der Brustkrebs-Todesfälle in den letzten 20 Jahren deutlich zurückgegangen. Diese erfreuliche Entwicklung wird allgemein als Erfolg eines multimodalen Therapiekonzepts gesehen, bei dem die operative und die medikamentöse Behandlung, sowie die Brustkrebsfrüherkennung zusammenwirken. Den wichtigsten Beitrag habe jedoch die Weiterentwicklung der ergänzenden Therapiemaßnahmen, die sogenannten adjuvanten Therapien, geleistet, wie Manfred Kaufmann, Direktor der Universitäts-Frauenklinik Frankfurt, in der Fachzeitschrift "Geburtshilfe und Frauenheilkunde" darlegt (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009).

Mit dem Rückgang der Brustkrebstoten macht Deutschland einen erfreulichen Trend mit, der auch in anderen Industrieländern zu beobachten ist. Während entsprechende Daten hierzulande erst seit 1990 erhoben werden, liegen aus den USA und Großbritannien bereits längerfristige Angaben zur Mortalitätsentwicklung vor. Sie belegen, dass die Sterberate bis 1990 noch angestiegen ist, seitdem aber steil zurückgeht. Diese Trendwende wird oft auf die Einführung von Früherkennungs-
untersuchungen zurückgeführt, bei denen in der Regel allen Frauen jenseits des fünfzigsten Lebensjahres eine regelmäßige Röntgenuntersuchung der Brust angeboten wird. In Deutschland habe der deutliche Rückgang jedoch bereits vor der Einführung flächendeckender Screeningprogramme begonnen, betont Manfred Kaufmann. Die Ursache für die positive Entwicklung sieht er hauptsächlich in einer effektiveren Chemotherapie, einer verbesserten antihormonellen Therapie und der Einführung zielgerichteter, tumorspezifisch wirksamer Substanzen. Diese drei Therapieverfahren werden unter dem Begriff der adjuvanten Therapie zusammengefasst.

Im Bereich der klassischen zytotoxischen Chemotherapie, die sich gegen schnell teilende Zellen richtet, senken wirksame Substanzen wie Anthrazykline, Taxane oder Substanzkombinationen das Sterberisiko der Betroffenen um ein Drittel bis die Hälfte. Manfred Kaufmann beleuchtet in seinem Beitrag zudem die jüngste Tendenz, mit der Chemotherapie nicht mehr bis nach der Operation zu warten, sondern bereits vorher damit zu beginnen. Etlichen Patientinnen erspart diese vorbereitende (neoadjuvante) Chemotherapie die vollständige Amputation der Brust; der unter dem Einfluss der Zellgifte geschrumpfte Tumor kann deutlich häufiger brusterhaltend entfernt werden. Ob die neoadjuvante Chemotherapie darüber hinaus auch einen Überlebensvorteil bietet, muss sich erst noch in umfangreicheren Studien erweisen.

Patientinnen, deren Tumorzellen Rezeptoren für das Hormon Östrogen tragen, profitieren zudem von einer antihormonellen Therapie. "Das ist bei rund zwei Dritteln aller Brustkrebspatientinnen der Fall", sagt Manfred Kaufmann und verweist auf Studien, nach denen Substanzen wie Tamoxifen oder Aromataseinhibitoren das Risiko dieser Patientinnen, an ihrem Krebs zu sterben, deutlich verringern.

Eine weitere Möglichkeit der Tumorcharakterisierung bietet ein als Her-2 bezeichneter Oberflächenmarker, welcher in rund einem Viertel der Fälle auftritt. Tragen die Krebszellen besonders viele dieser Moleküle auf ihrer Oberfläche, dann sprechen sie meist auch auf den Einsatz des Antikörpers Trastuzumab an. "In der Risikogruppe der Her-2-überexprimierenden Tumoren konnte das Gesamtüberleben durch Trastuzumab in zahlreichen großen Studien deutlich verbessert werden", fasst Manfred Kaufmann den aktuellen Forschungsstand zusammen.

Um die positive Entwicklung auch in Zukunft weiterzuführen oder sogar noch zu beschleunigen, ist es nach Kaufmanns Ansicht entscheidend, dass nicht an der Forschung und an der Umsetzung der Erkenntnisse in die Praxis gespart wird. "Die Gesellschaft muss sich der Tatsache bewusst sein, dass weiterer Fortschritt zwangsläufig mit Kosten verbunden sein wird", so der Frankfurter Klinikchef. Die Investition in die Gesundheit der vielen tausend Frauen, die in Deutschland jedes Jahr an Brustkrebs erkranken, werde sich jedoch lohnen – davon ist Manfred Kaufmann überzeugt. Es sei zu erwarten, dass die Screeningprogramme, die seit einigen Jahren eingeführt werden, und die Einrichtung spezialisierter Brustzentren die Brustkrebsmortalität weiter senken. Eine weitere wichtige Grundlage für künftige Therapieerfolge sieht Kaufmann in der Entwicklung prädiktiver und diagnostischer Marker. Nur durch solche molekularen Indikatoren, mit deren Hilfe sich der einzelne Tumor genauer charakterisieren und auf seine biologischen Eigenschaften hin untersuchen lasse, könne der Erfolg eines neuen Wirkstoffs vorhergesagt und so die optimale Therapie für die jeweilige Patientin geplant werden.

M. Kaufmann, A. Rody:
Brustkrebs: Mortalitätsreduktion durch Früherkennung und adjuvante Therapie.
Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2009; 69 (3): S. 218-232

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