• E-Zigarette und zerbrochene Zigarette © Frank Eckgold/ Fotolia.com

    Gesund ist auch die E-Zigarette nicht. Ob sie allerdings den Weg zum Nikotinkonsum ebnet oder beim Rauchausstieg hilft, ist umstritten. © Frank Eckgold/ Fotolia.com

     

Experten diskutieren Chancen und Risiken von E-Zigaretten

fzm, Stuttgart, September 2017 – Weil Langzeiterfahrungen noch fehlen, ist eine medizinische Bewertung des Konsums von E-Zigaretten bislang schwierig. In einem Positionspapier hat die Deutsche Suchtgesellschaft – Dachverband der Suchtfachgesellschaften (DSG) den aktuellen Wissensstand hierzu zusammengefasst und daraus erste Empfehlungen abgeleitet. Der Beitrag ist in der Fachzeitschrift „Suchttherapie“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2017) erschienen.

„Als per se unschädlich kann die E-Zigarette sicher nicht eingeschätzt werden“, sagt Dr. med. Tobias Rüther, Oberarzt für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum München und Erstautor des Beitrags. So enthält das Aerosol, der eingeatmete Dampf, neben Nikotin auch krebserzeugende und giftige Substanzen wie Formaldehyd oder Acetaldehyd. Nichtraucher – vor allem Jugendliche – sollten daher keinesfalls ermuntert werden, über E-Zigaretten mit dem Nikotinkonsum zu beginnen. Alle Regelungen zum Jugend- und Nichtraucherschutz für herkömmliche Tabakprodukte müssten daher auch uneingeschränkt für E-Zigaretten gelten. Das schließe auch Werbeverbote, das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und mögliche Preissteigerungen mit ein.

Auf der anderen Seite ist das Inhalat aus E-Zigaretten deutlich weniger schädlich als Tabakrauch: Unterschiedliche Schätzungen verschiedener Experten schreiben dem Aerosol eine neun- bis 450-mal geringere Toxizität zu als dem Rauch aus herkömmlichen Zigaretten. „Wer bisher konventionell geraucht hat, kann daher vom Umstieg auf die E-Zigarette profitieren“, so Rüther. Studien hätten ergeben, dass Raucher, die komplett auf das Dampfen umsteigen, nach einem Jahr deutlich bessere Blutdruck- und Atemfunktionswerte aufwiesen. Auch die Lungenfunktion von Asthmatikern bessert sich ersten Untersuchungen zufolge durch den Umstieg. Bislang fehlen jedoch noch Daten zu den längerfristigen Gesundheitseffekten.

Wie die Experten der DSG betonen, bleibe das eigentliche und in allen Leitlinien formulierte Ziel aber nicht der Umstieg aufs „Dampfen“, sondern der völlige Rauchverzicht. In Studien geben rund zwei Drittel der Raucher an, mit dem Rauchen aufhören zu wollen und dies auch schon mindestens einmal ernsthaft versucht zu haben. Gleichzeitig ist jedoch nur jeder zehnte zu einem Rauchstopp bereit. Dazu trägt sicher bei, dass viele Raucher sich durch die etablierten Entwöhnungshilfen wie Nikotinersatzpräparate oder eine Verhaltenstherapie nicht angesprochen fühlen. In diesen Fällen könne die E-Zigarette eine Brücke zum Rauchausstieg bauen. Denn manche Studien sprechen dafür, dass das Dampfen den Übergang in die Abstinenz erleichtern kann. Weil andere Studien dem widersprechen, wird das Thema derzeit sehr kontrovers diskutiert.

„Die aktuelle Datenlage erlaubt es noch nicht, eine abschließende Entscheidung für oder gegen die E-Zigarette zu treffen“, schreiben Rüther und seine Kollegen. Vorerst gelte es, die Chancen, die die E-Zigarette für die Tabakentwöhnung biete, nicht durch eine zu starke Regulierung zunichte zu machen. Zugleich müsse aber verhindert werden, dass die E-Zigarette das Rauchen wieder salonfähig macht.

T. Rüther et al.:
Positionspapier: Suchtmedizinische und gesundheitspolitische Chancen und Risiken durch den Gebrauch von E-Zigaretten
Suchttherapie 2017; 18 (3); S. 120–123