Immer mehr Frauen durch Rauchen chronisch lungenkrank

Stuttgart, Januar 2009 – Bei fast sechs Millionen Deutschen über 40 Jahren sind die Atemwege dauerhaft verengt. Dies ergab eine Studie in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2008). Die Störung der Lungenfunktion, die als chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) bezeichnet wird, ist zumeist Folge eines langjährigen Tabakkonsums und verschlimmert sich mit zunehmendem Alter. Aufgrund des demografischen Wandels rechnen Experten in den nächsten Jahren mit einer deutlichen Zunahme, auch weil der Anteil der Frauen unter den Rauchern angestiegen ist.

Die Studie war Teil eines internationalen Projekts. In über 20 Ländern war zeitgleich in einer zufällig ausgewählten Stichprobe von über 40-Jährigen die Lungenfunktion bestimmt worden. Für Deutschland hatte die Region Hannover teilgenommen. Wie Dr. Henning Geldmacher von der Medizinischen Hochschule Hannover und Kollegen berichten, wurde bei 13,1 Prozent eine COPD diagnostiziert. Bei den meisten Teilnehmern befand sich die Störung in den Anfangsstadien I oder II. Hier leiden nur wenige an den typischen Symptomen wie Raucherhusten, Auswurf oder Atemgeräuschen. Beschwerden stellen sich oft erst bei einem Stadium III oder IV ein, das nur bei 0,8 Prozent der Teilnehmer festgestellt wurde.

Der Anteil von 13,1 Prozent der über 40-Jährigen bedeutet, dass in Deutschland 5,9 Millionen Menschen mit dauerhaft verengten Atemwegen leben. Im europäischen Vergleich ist das ein relativ günstiges Ergebnis. In Österreich wurde die COPD mit 26,1 Prozent doppelt so häufig diagnostiziert und auch in Polen, der Türkei und Island haben deutlich mehr Menschen eine gestörte Lungenfunktion als hierzulande. Allein durch den Vergleich des Zigarettenkonsums sind diese Unterschiede nicht zu erklären, meint Erstautor Dr. Geldmacher. Er vermutet, dass die in Deutschland bessere Luftqualität am Arbeitsplatz eine Rolle spielt. Schätzungsweise 20 Prozent aller Fälle von COPD seien durch Luftschadstoffe am Arbeitsplatz zumindest mitbedingt, schreibt der Experte. Die meisten anderen Fälle sind Folge des Rauchens. Auch die Ergebnisse aus Hannover zeigen: Die Häufigkeit steigt mit der Zahl der Packungsjahre. Ein Packungsjahr entspricht einer Packung Zigaretten täglich über ein Jahr geraucht.

Die Häufigkeit der COPD steigt mit dem Alter an. In der Altersgruppe der über 70-Jährigen hatten fast 30 Prozent der Männer eine COPD. Mit zunehmendem Alter verschlechtert sich die Lungenfunktion. Schon heute ist die COPD nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation die fünfthäufigste Todesursache, berichten die Autoren. Bis 2020 wird sie auf die dritte Position steigen. Ein Grund ist die zunehmende Lebenserwartung.

In Deutschland kommt eine steigende Zahl von weiblichen Rauchern hinzu. Unter den 40- bis 49-Jährigen der Studie rauchten mehr Frauen als Männer. Dies war auch die einzige Altersgruppe, in der der Anteil der COPD bei Frauen höher war als bei Männern. Frauen sind besonders gefährdet, weil ihre Atemwege empfindlicher auf Zigarettenrauch reagieren, erläutern Dr. Geldmacher und Co-Autoren. Schon jetzt, dies ist ein weiteres Ergebnis der Untersuchung, sind in den meisten Altersgruppen mehr Frauen als Männer wegen einer COPD in ärztlicher Behandlung.

Die COPD ist eine häufige Erkrankung, die in der Öffentlichkeit unterschätzt wird, sagt Dr. Geldmacher. Notwendig sei deshalb eine umfassende Aufklärung über die Erkrankung, die am besten durch den Verzicht auf Zigaretten, aber auch durch eine strikte Kontrolle der Luftqualität am Arbeitsplatz vorgebeugt werden könne.

H. Geldmacher et al.:
Die Prävalenz der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) in Deutschland.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2008; 133 (50): S. 2609-2614

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