Clostridium difficile: Lebensgefährlicher Krankenhauskeim auf dem Vormarsch

fzm – Eine neue Variante des Krankenhauskeims Clostridium difficile, die vor allem bei älteren Menschen lebensgefährliche Darminfektionen auslöst, hat von Nordamerika kommend Deutschland erreicht. Eine Studie in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2010) zeigt exemplarisch für das Bundesland Hessen, wie sich der neue Erreger in den letzten beiden Jahren ausgebreitet hat.

Clostridium difficile ist einer der häufigsten Krankenhauskeime. Er hat sich infolge des häufigen Antibiotikaeinsatzes in den letzten Jahren stark ausgebreitet. Schwere Clostridium-difficile-Infektionen sind ein zunehmendes medizinisches Problem in der industrialisierten Welt, berichtet Privatdozentin Mardjan Arvand vom Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamt im Gesundheitswesen in Dillenburg. Die Gefahr geht von Giften aus, die die Bakterien freisetzen. Diese greifen die Darmschleimhaut an. Bislang bildeten die Clostridium-difficile-Bakterien zwei Gifte. Eine weitere Variante, Ribotyp 027, der zunächst in Nordamerika entdeckt wurde, bildet ein drittes Toxin. Darüber hinaus verfügt der Keim über ein Gen, dass ihn unempfindlich gegen Fluorochinolone macht, eine im Krankenhaus häufig eingesetzte Gruppe von Antibiotika.

Seit Dezember 2007 sind schwere Clostridium-difficile-Infektionen und der Ribotyp 027 in Deutschland meldepflichtig. In den meisten Bundesländern sind seither Erkrankungen bekannt geworden. In Hessen war der Ribotyp 027 in den Jahren 2008 und 2009 für 31 von 50 schweren Clostridium-difficile-Infektionen verantwortlich, in denen die kostspielige Erregertypisierung durchgeführt wurde. Insgesamt waren 88 Fälle gemeldet worden. Dr. Arvand schätzt, dass die tatsächliche Zahl weitaus höher ist.

An einer Clostridium-difficile-Infektionen erkrankten vor allem ältere Menschen. Dr. Arvan: Bis auf einen waren alle Patienten über 50 Jahre, neun von zehn waren 65 Jahre oder älter. Alle waren an einem schweren Durchfall erkrankt. Diese sogenannte Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhö endet trotz aller Behandlungsbemühungen der Ärzte häufig tödlich. In Hessen starb jeder vierte Patient in zeitlichem Zusammenhang mit der Infektion. In den meisten Fällen betrachteten die Ärzte den Tod als direkte Folge der Darminfektion.

Neben dem Ribotyp 027 wurde noch der ältere Ribotyp 001 gefunden. Der Ribotyp 001 ist laut Dr. Arvand über das gesamte Bundesland gleichmäßig verbreitet. Er ist in Hessen endemisch geworden. Der neue Ribotyp 027 hat dagegen noch nicht überall Fuß gefasst. Er trat laut Dr. Arvand 2008 bevorzugt in einigen Landkreisen auf. Im ersten Halbjahr 2009 wurde dagegen in ganz Hessen keine Erkrankung verzeichnet. Später wurden wieder Fälle gemeldet.

Die Behandlung besteht nach Auskunft von Dr. Arvand im Absetzen der bisherigen Antibiotika, sofern dies aus klinischer Sicht vertretbar sei. Dann erhalten die Patienten eines der wenigen Antibiotika, die bei dem Problemkeim noch wirksam sind. Um eine Ausbreitung in der Klinik zu vermeiden, werden die Patienten in einem Einzelzimmer isoliert, bis die Beschwerden seit mindestens zwei Tagen abgeklungen sind. Dr. Arvand empfiehlt zusätzlich die häufige Reinigung und Desinfektion der Umgebung mit speziellen Desinfektionsmitteln. Wichtiger Bestandteil der Abwehrmaßnahmen sei auch das Händewaschen von Personal und Besucher und eine anschließende hygienische Händedesinfektion.

M. Arvand et al.:
Schwer verlaufende Clostridium-difficile-Infektionen in Hessen 2008–2009.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2010; 135 (40): S. 1963–1967

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