Vogelgrippe in China: Notfallmedikation für Reisende nicht notwendig

Düsseldorf, April 2013 – Seit Ende März melden chinesische Behörden das Auftreten einer neuen Form der Vogelgrippe: Neue aviäre Influenza A (H7N9). Bis zum 23. April 2013 sind in China und Taiwan 108 Menschen erkrankt, 22 Betroffene sind verstorben. Reisende in China sollten engen Kontakt zu Vögeln meiden, also beispielsweise keine Vogelmärkte besuchen. Es besteht derzeit kein Grund, auf Reisen in die betroffenen Gebiete zu verzichten. Das CRM Centrum für Reisemedizin erklärt, dass die vorsorgliche Mitnahme und notfallmäßige Einnahme antiviraler Medikamente, sogenannter Neuraminidasehemmer, nicht notwendig ist.

Die meisten Erkrankungen traten bislang im Osten Chinas, in den Provinzen Schanghai, Jiangsu, Anhui, Zhejiang und Shandong auf. Nach aktuellen Erkenntnissen hat sich der Großteil der Erkrankten durch engen Kontakt zu Vögeln und Geflügel angesteckt. In einzelnen Fällen kann eine Übertragung von Mensch-zu-Mensch nicht ausgeschlossen werden. Laut Weltgesundheitsorganisation gibt es jedoch keinen Beleg für eine anhaltende Mensch-zu-Mensch-Übertragung.

„Derzeit besteht kein Grund, wegen des Auftretens der Influenza A (H7N9) von einer Reise nach China abzusehen. Das Infektionsrisiko für Reisende kann als sehr gering eingeschätzt werden, sofern diese keinen engen Kontakt zu Geflügel oder zu erkrankten Menschen haben“, sagt Privatdozent Dr. med. Tomas Jelinek, wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. „Auch die Mitnahme sogenannter Neuraminidasehemmer zur notfallmäßigen Einnahme empfehlen wir Reisenden derzeit nicht.“ Neuraminidasehemmer, also antivirale Medikamente, die zur Bekämpfung verschiedener Formen der Influenza eingesetzt werden, können Influenzaviren zwar wirksam bekämpfen. Für eine wirkungsvolle Therapie muss die Einnahme des Medikaments aber zu einem möglichst frühen Erkran-kungsstadium beginnen, sobald die ersten unspezifischen Symptome, etwa Kopfschmerzen, auftreten. „Diese Anwendungsvorgaben würden sicherlich dazu führen, dass die Arznei vielfach eingenommen wird, ohne dass tatsächlich eine Infektion vorliegt – das Risiko von Nebenwirkungen durch die unnötige Einnahme des Medikaments ist dabei höher zu bewerten als das tatsächliche Infektionsrisiko für China-Reisende“, so Jelinek. Stattdessen sollten Reisende bei Auftreten grippeähnlicher Symptomen, wie Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit oder Fieber, einen Arzt aufsuchen. Adressen qualitativ hochwertiger Kliniken im Ausland führt das CRM Centrum für Reisemedizin unter http://www.crm.de/kliniken/. Eine Impfung gegen Influenza A (H7N1) ist derzeit nicht verfügbar.

Das Risiko einer Verbreitung der neuen Infektion nach Europa schätzt das Europäische Zentrum für Krankheitsprävention und Kontrolle (ECDC) aktuell als gering ein. Die Möglichkeit der Einschleppung einzelner Fälle besteht jedoch.