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    Rauchen, hoher Blutdruck und hohe Blutfettwerte erhöhen die Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gleichzeitig steigt das Risiko eine Demenz im Alter zu entwickeln. © Fotolia – Osterland

     

Gesund leben: Demenzerkrankungen vorbeugen

fzm, Stuttgart, September 2016 – Viele Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wirken sich im Alter auch negativ auf die Hirnleistung aus. Das heißt, wer im mittleren Alter körperlich fit bleibt, sich gesund ernährt, auf das Rauchen verzichtet sowie Bluthochdruck und hohe Blutfette behandeln lässt, kann auch die Gefahr für eine Demenzerkrankung reduzieren, so die Einschätzung eines Epidemiologen in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2016).

Gegen Demenzerkrankungen gibt es keine wirksamen Medikamente, man kann ihnen aber vielfach vorbeugen, erklärt Professor Karl-Heinz Ladwig. Der Leiter der Arbeitsgruppe „Mentale Gesundheit“ am Helmholtz Zentrum München führt zum Beleg zahlreiche Studien an. Danach haben Raucher im Vergleich zu Nichtrauchern ein mehr als doppelt so hohes Risiko, im Alter an einer Demenz zu erkranken. Und: Wer im Alter weiter raucht, riskiere innerhalb von einem Jahr messbar an Hirnleistung zu verlieren. Auch ein nicht behandelter hoher Bluthochdruck sowie hohe Cholesterinwerte im mittleren Lebensalter bergen laut dem Experten die Gefahr, später eine Hirnleistungsstörung oder Demenz zu entwickeln. Dabei sei beides im mittleren Alter mit entsprechenden Medikamenten gut zu behandeln. Im Alter hingegen erzielten die Präparate dann häufig nicht mehr die gewünschte Wirkung. Zum Teil dürften sie sogar nur mit Bedacht eingesetzt werden. Die Auswirkungen von Hochdruckmedikamenten seien nicht abschließend erforscht, erklärt Prof. Ladwig. Hier fehle es noch an Ergebnissen aus Langzeituntersuchungen. Medikamente gegen hohe Cholesterinwerte könnten im Alter Gedächtnisverluste oder Verwirrtheitszustände auslösen.

Besonders gefährdet sind zudem Menschen mit Altersdiabetes. Schätzungen zufolge sind bei Personen über 60 Jahre insgesamt sieben bis 13 Prozent der Demenzfälle auf Diabetes zurückzuführen, schreibt Professor Ladwig. Auch Depressionen und Angst im mittleren Alter oder eine Vereinsamung wirkten sich langfristig ungünstig auf die Gedächtnisfähigkeiten aus. Zudem entwickelten Menschen, denen es an sozialen Kontakten fehle, eher eine Demenz. Stress ist ebenfalls als möglicher Risikofaktor in der Diskussion, da er die Ausschüttung des körpereigenen Hormons, Cortisol, begünstigt und so langfristig die Entwicklung einer Demenz fördert.

Besonders demenzgefährdet sind Menschen, die bereits eine Herz-Kreislauf-Erkrankung entwickelt haben. Dazu gehört das Vorhofflimmern, das über einen Schlaganfall eine Demenz auslösen kann. Aber auch ohne Schlaganfall haben diese Patienten ein erhöhtes Risiko, Hirnleistung einzubüßen. Patienten mit verengten Herzkranzgefäßen oder mit einer Pumpschwäche des Herzmuskels leiden ebenfalls häufiger unter einer Demenz. Die Patienten vergessen dann häufig, ihre Medikamente vorschriftsmäßig einzunehmen, was das Voranschreiten der Erkrankung weiter begünstigt, so Professor Ladwig. Hausärzte sollten deshalb bei allen Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach Hirnleistungsstörungen suchen und die aktive Mitarbeit der Patienten sicherstellen, fordert er.

K.-H. Ladwig:
Kognitive Dysfunktionen bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2016; 141 (17); S. 1217–1221