Meine Welt – deine Welt

Stuttgart, November 2011 – Menschen mit einer manisch-depressiven Erkrankung erfahren radikale, unberechenbare Stimmungsum-schwünge, die für Familie und Freunde meist nur schwer nachvoll-ziehbar sind. In Deutschland leiden nach Angaben der Gesellschaft für bipolare Störungen e.V. etwa zwei Millionen Menschen an dieser neurobiologischen Störung des Gehirns. Donna Reynolds ist selbst von einer bipolaren Erkrankung betroffen. Sie beschreibt in „Der bipolare Spagat“ (TRIAS Verlag, Stuttgart 2011) die Gefühle, die ein manisch-depressiver Mensch durchlebt und die Herausforderungen, die die Krankheit auch für das persönliche Umfeld der Betroffenen bedeutet.

„Der Schmerz der bipolaren Depression ist so intensiv, dass ich oft lieber tot wäre. Die bipolare Manie geht weit über ein gelegentliches Aufgedrehtsein hinaus und äußert sich durch absolut unangemessenes Verhalten“, beschreibt Donna Reynolds die teils monatelangen Episoden, die eine bipolare Störung ausmachen. Egal ob manisch oder depressiv, in beiden Episoden erfahren die Betroffenen durch eine veränderte Wahr-nehmung einen Widerspruch zwischen äußerer Realität und der eigenen inneren Welt. „Schließlich bin ich dabei, den bipolaren Spagat zu machen, aufgespannt zwischen zwei Realitäten mit nichts als dünner Luft unter mir“, so Reynolds.

In ihrem Ratgeber richtet sie sich in erster Linie an Angehörige und macht Vorschläge zum behutsamen Umgang miteinander. Besonders bei der achtsamen Unterstützung in den krankhaften Phasen ist Fingerspitzen-gefühl gefragt und Reynolds zeigt welche Hilfestellungen ankommen. Kleine Rituale etwa helfen dem Betroffenen, selbst an die Einnahme der Medikamente zu denken. Erinnerungen durch den Partner werden dagegen eher als belastend empfunden. In einem Stimmungstagebuch können Verhaltensänderungen gemeinsam festgehalten werden, um Anzeichen der krankhaften Stimmungen frühzeitig zu erkennen und in ruhigen Phasen Strategien für die Zukunft zu entwickeln. Ziel ist es dabei, so Reynolds, „die Lücke zwischen innerer und äußerer Realität zu überbrücken, sodass wir wieder in einer gemeinsamen Welt leben können, harmonisch und im Gleichgewicht.“

Wissenswertes: Die Symptome erkennen

„Ich kann auch ganz normal glücklich oder traurig über Ereignisse in meinem Leben sein, genau wie jeder andere auch. Die Frage ist immer, ob meine Stimmung den aktuellen Ereignissen angemessen ist. Während einer Episode kann ich depressiv sein, wenn alles in Ordnung ist, oder euphorisch trotz tragischer Vorfälle. Wenn meine Gefühle unpassend und extrem zu sein scheinen, sage mir, was du wahrnimmst. Bitte mich um Prüfung meiner Gefühle und hilf mir dabei zu bestimmen, ob sie Anzeichen einer Episode sind oder nicht“, beschreibt Reynolds die Schwierigkeit, Stimmungsumschwünge genau zu erkennen.

Die Autorin

Donna Reynolds schreibt über die Verwüstungen, die diese heimtückische Krankheit in jedem Lebensbereich anrichtet, aus lebenslanger eigener Erfahrung. Schon mit neun Jahren war sie depressiv, als junge Erwachsene offensichtlich manisch und mit 25 schließlich selbstmordgefährdet. Sie erhielt erst mit 45 die richtige Diagnose. Wie bei den meisten bipolar Betroffenen verlief ihr Leben sehr wechselhaft. Sie suchte ihr Glück in Ortswechseln, anderen Religionen oder weiteren Berufen. Betroffene können durch Donna Reynolds Beispiel Hoffnung schöpfen. Obwohl nicht vollkommen schubfrei, leidet sie nur noch selten unter Manien, und die Depressionen und Mischzustände treten weniger häufig auf, sind weniger schwer und halten nicht so lange an. Sie ist Amerikanerin und lebt seit 1980 in Deutschland.

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