Die Mayr-Top-Five

nach Dr. med. Harald Stossier, ärztlicher Leiter von VIVA – das Zentrum für Moderne Mayr-Medizin am Wörthersee in Österreich

1. Essen Sie langsam und kauen Sie gut, bis die Nahrung in Ihrem Mund ganz flüssig ist. Schlucken Sie erst dann.

Die Bedeutung des Kauens ist unbestritten. Das Kauen ist absolut notwendig, um die Speisen mechanisch so vorzubereiten, dass sie im weiteren Verdauungsapparat chemisch entsprechend abgebaut werden können. Erfolgt dies unzulänglich, bleiben sie länger als notwendig im Verdauungsapparat liegen und werden dann von der Darmflora entsprechend abgebaut. Dadurch entstehen aber Fehlverdauungsprozesse wie Gärung oder Fäulnis (Gärung aus zuckerhaltigen Lebensmitteln, Fäulnis aus eiweißhaltigen Lebensmitteln). Auch ist das gute Kauen für die Information wichtig. Der Körper muss wissen, welche Lebensmittel ihm zugeführt werden und daher erfolgt auch im Mund eine rasche Informationsweitergabe an das Nervensystem, welches dann die entsprechenden Verdauungsprozesse steuern kann. Das heißt, die Enzymproduktion wird entsprechend dem zugeführten Lebensmittel auch unterschiedlich ausfallen. Hastiges Essen, unvollständiges Kauen und das Hinunterschlucken von großen Bissen sind daher als Kardinalfehler in der Ernährung zu werten.

2. Nehmen Sie sich reichlich Zeit zum essen. Und geben Sie auch Ihrer Verdauung die Zeit, die sie braucht.

Wenn Speisen zugeführt wurden, braucht der Körper auch entsprechend Zeit, um diese zu verarbeiten. Ein großes Missverständnis in der Ernährung ist immer wieder die Empfehlung, sechs kleine Mahlzeiten pro Tag zu sich zu nehmen. Jeder hört die Anzahl sechs aber nicht mehr klein, sodass in Summe gesehen die Menschen zu viel zu sich nehmen. Außerdem widerspricht es dem natürlichen Rhythmus. Wir brauchen auch Zeit, die aufgenommenen Speisen zu verarbeiten. Und daher sollten mindestens drei bis vier Stunden zwischen den Mahlzeiten zur Verfügung stehen, um die Speisen zu verarbeiten. Erfolgt dies nicht, werden dem Verdauungsprozess neue Speisen hinzugefügt, bevor die vorherigen verarbeitet sind. Das führt zu einer Schwächung des Verdauungssystems, was wiederum zur Fehlverdauung in Form von Fäulnis und Gärung führt.

3. Beherzigen Sie, was schon der Volksmund sagt: „Frühstücke wie ein Kaiser, esse zu Mittag wie ein Bürger, abends wie ein Bettler.“

Der Rhythmus ist ein wesentlicher Bestandteil eines gesunden Lebens. Für die Ernährung ist es wichtig, den Rhythmus des Verdauungsapparates zu berücksichtigen. Am Morgen steht mehr Verdauungsleistung zur Verfügung. Diese nimmt gegen Abend hin ab. Leider sind unsere gesellschaftlichen Verpflichtungen, unsere familiären Abendessen, unsere Geschäftsessen etc. häufig mit spätem Essen am Abend verbunden. Dies belastet den Organismus mehr als unbedingt notwendig und führt wiederum zur Fehlverdauung. Besser ist es, ein leicht bekömmliches Abendessen – ohne Rohkost – möglichst früh zu sich zu nehmen. Wenn das auch nicht immer möglich ist, sollte es doch so oft wie möglich so eingerichtet werden. Dadurch bleibt der Verdauungsapparat langfristig leistungsfähig und in der Lage, die aufgenommenen Speisen entsprechend zu verarbeiten.

4. Trinken Sie zwischen den Mahlzeiten reichlich, nicht jedoch unmittelbar zum Essen.

Flüssigkeit ist wohl eines der wesentlichsten Lebensmitteln, die wir benötigen. Unser Körper besteht zu 60 – 70 Prozent aus Wasser, das heißt Wasser ist essenziell und muss dem Körper auch zugeführt werden. Ohne entsprechende Flüssigkeit kann kein Stoffwechselprozess wirklich ablaufen. Wichtig ist aber auch zu betonen, dass die Flüssigkeitszufuhr zwischen den Mahlzeiten erfolgen soll. Wenn zum Essen getrunken wird, so werden durch die Flüssigkeit die Verdauungssäfte derart verdünnt, dass es zu Beeinträchtigung der Verdauungsleistung und damit wiederum zur Ausbildung von Fehlverdauungsprozessen kommt. Wichtig ist auch, dass wir hier nur frei verwertbare Flüssigkeiten einrechnen dürfen, wie Wasser, Mineralwasser ohne Kohlensäure, Gemüsebrühe und kurz gebrühte Kräutertees. Nicht als Flüssigkeit zählen Fruchtsäfte, Milch, Alkohol und andere „flüssige Lebensmittel“. Diese müssen allesamt im Stoffwechsel verarbeitet werden und zählen daher nicht zu den freien Flüssigkeiten.

5. Achten Sie auf einen ausgeglichenen Säure-Basen-Haushalt

Der Ausgleich im Säure-Basen-Haushalt durch die Ernährung ist deshalb wichtig, weil jeder Stoffwechselvorgang auf diesem Ausgleich im Säure-Basen-Vorgang beruht. Wir sollten daher tendenziell eine basenbetonte Ernährung wählen. Wir können dies günstig beeinflussen, indem wir Fleisch, Fisch, Käse als Hauptträger von tierischem Eiweiß und damit sauren Lebensmittel deutlich reduzieren und dafür Gemüse und vor allem kalt gepresste Pflanzenöle deutlich mehr zu uns nehmen. Dadurch gelingt langfristig ein Ausgleich im Säure-Basen-Haushalt, der unserem Stoffwechsel insgesamt gut tut.

Es gilt das gesprochene Wort.

München, Januar 2012

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