Atemnot bei Tumorpatienten lässt sich durch Opioide vermindern

Stuttgart, März 2008 – Opioide können bei Tumorpatienten die Atmung verbessern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die heute mit dem DMW Walter Siegenthaler Preis ausgezeichnet wird. Die DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift (Georg Thieme Verlag, Stuttgart) verleiht den mit 5000 Euro dotierten Preis 2008 an Dr. med. Katri Elina Clemens und Professor Dr. med. Eberhard Klaschik vom Malteser Krankenhaus Bonn/Rhein-Sieg. Die Jury würdigt damit die Arbeit des Autorenteams zum Thema „Symptomatische Therapie der Dyspnoe bei Patienten in der Palliativmedizin: Sauerstoff-Insufflation versus Opioidapplikation“, die im September 2007 in der DMW erschienen ist.

An 25 Tumorpatienten im Alter zwischen 40 und 90 Jahren mit unterschiedlich ausgeprägter Atemnot – einer Dyspnoe – untersuchten Clemens und Klaschik den therapeutischen Effekt von Opioiden auf die Atmung. Sie erforschten auch, ob Sauerstoffzugabe durch die Nase vor der Opioid-Einnahme zu einer verbesserten Atmung führt. Die Mediziner verglichen folgende Daten: Intensität der Atmung bei der stationären Aufnahme, Intensität der Atmung 30 Minuten nach Sauerstoff- und Opioidgabe. Des Weiteren wurde die Atemintensität 30, 60, 90 und 120 Minuten nach ausschließlich Opioidgabe bestimmt.

Dyspnoe beschreibt einen Zustand subjektiv erlebter Atemnot, der nicht selten als lebensbedrohlich empfunden wird. 80 Prozent aller Tumorpatienten leiden darunter. Therapeutische Maßnahmen haben das Ziel, die erhöhte Atemfrequenz zu verringern und die pro Atemzug aufgenommene Luftmenge zu steigern sowie die unangenehme und ängstigende Wahrnehmung der Atemnot positiv zu beeinflussen.

Die Untersuchungen von Clemens und Klaschik haben gezeigt, dass sich Opioide positiv auf die Atmung auswirken. Bereits nach 30 Minuten war eine Besserung zu verzeichnen. Die Anzahl der Atemzüge pro Minute und das in einer Minute ein- und ausgeatmete Luftvolumen haben abgenommen. Gestiegen ist die eingeatmete Luftmenge pro Atemzug. So kann sich die Atmung wieder normalisieren. Opioide dämpfen zusätzlich die emotionalen Reaktionen. Nach etwa 90 Minuten hatte sich dann auch die subjektiv empfundene Intensität der Dyspnoe verbessert. Die Studie zeigt außerdem, dass Sauerstoff in Verbindung mit Opioiden die Atmung nicht weiter verbessert.

Die unabhängige Fachjury des DMW Walter Siegenthaler Preises prämiert diese Arbeit unter anderem wegen des großen Interesses am Thema. „Die Erfahrungen zum Einsatz von Opioiden bei Atemnot sind noch wenig verbreitet, doch zeigen die Ergebnisse der Studie eine Möglichkeit auf, diese Symptome effizient zu lindern“, erklärt Professor Martin Middeke, Vorsitzender der Jury.

Die DMW vergibt den nach dem Schweizer Internisten Walter Siegenthaler benannten Preis in diesem Jahr zum neunten Mal. Der mit 5000 Euro dotierte Preis zeichnet Autoren aus, deren in der DMW erschienene Forschungsarbeit einen prägenden Einfluss auf Medizin und Gesundheit genommen hat. Die DMW möchte damit deutschsprachige Wissenschaftler anregen, ihre Forschungsergebnisse in einer deutschsprachigen Fachzeitschrift zu publizieren.