Doppeltransplantation: Wenn ein Patient neben der Leber noch eine neue Niere erhält

fzm – Bei einigen Menschen, die eine neue Leber benötigen, sind auch die Nieren schwer geschädigt. Eine Doppeltransplantation, die heute ohne große Gefahren für den Patienten möglich ist, kann beide Probleme in einer Operation lösen. Manchmal ist jedoch eine Verteilung auf zwei Transplantationstermine sinnvoller, schreiben Experten in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2010).

Die erste Transplantation von Leber und Niere wurde 1983 von einem österreichischen Chirurgenteam durchgeführt. Inzwischen ist die Zahl weltweit auf mehr als 2000 solcher Doppeltransplantationen gestiegen, berichtet Dr. med. Jörg Seckinger von der Universitätsklinik Heidelberg. In den meisten Fällen werden beide Organe gleichzeitig transplantiert. Diese simultane Doppeltransplantation ist sicher. In Heidelberg ist seit 2001, als die Operationstechnik verbessert wurde, kein Patient mehr an den Folgen der Operation gestorben. Und die 5- und 10-Jahresüberlebensraten liegen mittlerweile bei fast 90 Prozent. Die Langzeitergebnisse sind damit, wie Dr. Seckinger ausführt, nicht schlechter als nach einer Einzelorgantransplantation.

Es gebe aber auch Patienten, bei denen sich die Nierenfunktion nach einer Lebertransplantation bessert, berichtet der Nierenexperte Dr. Seckinger. Eine Schutzwirkung des Lebertransplantates auf die Niere könne hierfür verantwortlich sein. Es werde deshalb diskutiert, ob eine sequentielle Transplantation sinnvoller ist, bei der die Patienten zunächst nur eine neue Leber erhalten. Dr. Seckinger hält es für möglich, dass einige Patienten am Ende gar keine Niere mehr benötigen. Dies sei auch angesichts allgemeiner Organknappheit zu begrüßen. Aber auch die simultane Transplantation hat Vorteile. Dr. Seckinger: Die neue Leber senkt das Risiko einer Abstoßung der Niere.

Auch mit der sequentiellen Transplantation haben die Operationszentren in den letzten Jahren Erfahrungen gesammelt. Darunter waren leider auch einige Patienten, bei denen das Nierenversagen ausgerechnet durch Medikamente verursacht wurde, die die Patienten nach der Lebertransplantation zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen erhielten. Einige dieser Medikamente, die sogenannten Kalzineurininhibitoren schädigen auf Dauer die Nieren. Dr. Seckinger: Es wurde befürchtet, dass jeder zehnte Patient 12 bis 14 Jahren nach der Lebertransplantation eine neue Niere braucht. In Heidelberg liegt die Rate nur bei drei Prozent. Dr. Seckinger hofft, dass die Zahl weiter sinkt, da die Ärzte die Kalzineurininhibitoren gegen andere Medikamente ausgetauscht oder die Dosis gesenkt haben.

Zu den Erkrankungen, die eine Doppeltransplantation notwenig machen gehört die angeborenen Hyperoxalurie vom Typ I. Dabei führt der Defekt eines Enzyms in der Leber zu einem Anstieg der Oxalsäure im Blut. Sie lagert sich in vielen Organen, darunter der Niere ab und schädigt sie. Bei der Hälfte der Erkrankungen kommt es bereits in der Kindheit zum Nierenversagen. Eine weitere angeborene Störung sind Zysten in Leber und Nieren. Sie entwickeln sich langsam, weshalb die Organfunktion erst im Erwachsenenalter erheblich gestört ist. Eine Doppeltransplantation kann auch notwendig werden, wenn Leber und Niere aus unterschiedlichen Gründen geschädigt sind. Ein Beispiel ist eine Virushepatitis und eine diabetische Nierenerkrankung.

J. Seckingerm et al.:
Die kombinierte und sequentielle Leber-Nieren-Transplantation Indikationen und Zentrumserfahrungen aus Sicht des Nephrologen.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2010; 135 (40): S. 1973–1978

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