• Lehrfilm © Thieme

    Operationsfilme bereiten Ärzte in der Aus- und Weiterbildung auf die Arbeit im OP vor.

     

Edgar-Ungeheuer-Preis 2016 für herausragendes medizinisches Lehrvideo

Stuttgart, April 2016 – Im Rahmen der Eröffnung des 133. Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) in Berlin haben Privatdozent Dr. Andreas Kirschniak und sein Team den diesjährigen Edgar-Ungeheuer-Preis erhalten. Das prämierte Operationsvideo des Chirurgischen Trainingszentrums Tübingen zeigt schrittweise das minimal invasive Vorgehen zur Behandlung eines Rektumprolaps. Es ist in der Mediathek der DGCH abrufbar. Das entsprechende Videopaper wurde 2015 im „Zentralblatt für Chirurgie“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart) veröffentlicht.

Bei einem sogenannten Rektumprolaps tritt der Mastdarm teilweise oder ganz aus dem After aus. Dazu kann es kommen, wenn Beckenboden und Schließmuskel geschwächt sind. Frauen sind davon häufiger betroffen als Männer, da unter anderem das Gebären von Kindern einen Prolaps begünstigt. Durch die Verschiebung des Darms leiden die Patienten häufig unter einer Stuhlinkontinenz und Schleimhautreizungen. Im schlimmsten Fall können versorgende Gefäße des Mastdarmbereichs abgeklemmt werden. Spätestens dann ist eine Operation notwendig.

Das Lehrvideo von PD Dr. med. Andreas Kirschniak zeigt die sogenannte „laparoskopische Resektionsrektopexie“ wie sie am Chirurgischen Trainingszentrum Tübingen gelehrt wird: Durch kleine Schnitte in die Bauchdecke werden eine Videokamera sowie die notwendigen Operationsgeräte eingeführt. In insgesamt elf Operationsschritten zeigt der Film, wie der Operateur den „heruntergesackten“ Darmbereich schiebt, strafft und fixiert. „Die Aufteilung des Eingriffs in kleinere Teilschritte, sogenannte Knotenpunkte, vereinfacht das Erlernen des Verfahrens. Der Film zeigt, wie sich der nächste Schritt immer erst nach korrektem Abschluss des vorangegangenen ergibt“, erklärt Dr. Kirschniak. „Das verhindert Komplikationen und schafft Sicherheit für den Operateur und den Patienten“, so der Preisträger weiter.

Damit überzeugten die Tübinger Wissenschaftler auch die Chirurgische Arbeitsgemeinschaft Medien (CAM) der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). Diese kürt jedes Jahr den besten neuen Film in der Mediathek der DGCH. „Mit der Auszeichnung würdigen wir die exzellente chirurgische Technik, die videotechnische Umsetzung und die didaktische Qualität des Beitrags“, erklärt der CAM-Vorsitzende Professor Dr. med. Stephan Kersting, Freiburg.

Die DGCH bietet ihren Mitgliedern inzwischen eine umfangreiche Sammlung qualitätsgeprüfter Filme zu OP-Techniken und chirurgischen Themen in ihrer Mediathek. Gleichzeitig erscheinen zu herausragenden Filmen seit Mitte 2012 in der Fachzeitschrift „Zentralblatt für Chirurgie“ Artikel, die die gezeigten Operationen kurz zusammenfassen und eine Übersicht über Indikation und Diagnostik geben. Auch zu dem nun ausgezeichneten Film erschien 2015 in der Fachzeitschrift des Georg Thieme Verlags ein Beitrag. Dadurch wird aus dem Video eine bei internationalen Datenbanken wie Medline oder Journal Citation Reports gelistete und damit zitierbare Publikation. „Durch die Veröffentlichung im ‚Zentralblatt für Chirurgie‘ erreichen ausgewählte Beiträge der Mediathek zum einen ein großes Publikum, zum anderen erhalten die Produzenten, die wissenschaftliche Anerkennung, die ihren Lehrfilmen gebührt“, fasst Kersting die Bedeutung der Kooperation zusammen.

Mit dem Edgar-Ungeheuer-Preis zeichnet die CAM neu aufgenommene Beiträge des vorangegangenen Jahres aus, die wissenschaftlich und didaktisch in besonderem Maße überzeugen. Die mit 3000 Euro dotierte Auszeichnung wird von der Aesculap Akademie GmbH gestiftet. Der Preis wird zu jedem Jahreskongress der DGCH vergeben.

S. Axt, C. Falch, S. Müller, A. Kirschniak, J. Glatzle:
Die laparoskopische Resektionsrektopexie zur Behandlung der externen Rektumsprolapses
Zentralblatt für Chirurgie 2015; 140 (3); S.255–258