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    Mittels Robotersystemen können auch sehr komplexe Eingriffe minimal-invasiv durchgeführt werden. © Vladim/stock.adobe.com

     

Lehrvideo zur Entfernung von Bauchspeicheldrüsentumoren mittels Robotik

Stuttgart, April 2021 – Im Rahmen des 138. Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) haben Professor Dr. med. Tobias Keck und sein Team den diesjährigen Edgar-Ungeheuer-Preis erhalten. Ihr prämiertes Operationsvideo ist an der Chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein am Campus Lübeck entstanden. Es zeigt das schrittweise Vorgehen beim roboterassistierten Entfernen eines Bauchspeicheldrüsentumors, der mit einem Hauptgefäß im Bauchraum verwachsen ist. Der knapp 20-minütige Film ist in der Mediathek der DGCH abrufbar und richtet sich an Chirurgen in der Weiterbildung. Das entsprechende Videopaper wurde kürzlich im „Zentralblatt für Chirurgie“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart) veröffentlicht.

Die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs wird häufig erst in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium gestellt. Oft gilt der Tumor dann als nicht operabel, sei es aufgrund seiner Größe oder durch Verwachsungen in umliegendes Gewebe. Mittels Chemo- und Bestrahlungstherapie ist es jedoch inzwischen möglich, die Tumoren in ihrem Wachstum zu hemmen oder gar zu verkleinern. Die Problematik der Verwachsung, vor allem in wichtige Blutgefäße des Bauchraums, bleibt jedoch bestehen. Entfernen Chirurgen den Tumor, müssen auch Gefäße ersetzt werden, um die Blutversorgung der Bauchspeicheldrüse selbst, aber auch die der Milz, des Magens und der Leber zu gewährleisten. „Der Einsatz von Fremdmaterial beim Gefäßersatz geht aber gerade im Bauchraum mit einem erhöhten Infektionsrisiko einher. Daher sollte versucht werden, die Versorgung über körpereigene Gefäße zu gewährleisten“, erklärt Professor Tobias Keck, Direktor der Klinik für Chirurgie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck.

Auch sei ein minimal-invasives Vorgehen einer offenen Operation vorzuziehen, um die körperliche Belastung für die Patientinnen und Patienten möglichst gering zu halten, erklärt der Mediziner. Die Möglichkeit laparoskopischer Eingriffe mittels starrer Endoskope sei jedoch begrenzt – gerade bei der Entnahme und Wiederherstellung von Gefäßen oder der Gefäßnaht. Mittels Robotersystemen könnten jedoch auch solche komplexen Eingriffe durchgeführt werden. Sie ermöglichten, nicht nur eine bessere räumliche Wahrnehmung des Bauchinnraums, sondern auch eine beweglichere (angulierbare) und ruhigere Führung der Operationsinstrumente. Das veranschaulicht das jetzt prämierte Lehrvideo eindrücklich.

Der Filmbeitrag des Teams um Professor Keck zeigt einen roboterassistierten Eingriff bei einer Patientin, der ein zentralliegender Tumor der Bauchspeicheldrüse sowie der Truncus coeliacus, einer der Äste der Bauchaorta, entfernt wird. Die Blutversorgung stellen die Operateure durch Umgehungskreisläufe anderer körpereigene Gefäße sicher. Schritt für Schritt zeigt der Film, wie zunächst verschiedene Hauptgefäße im Bauchraum freigelegt werden. Mittels einer Blutflussmessung wird überprüft, ob eine ausreichende Blutversorgung der umliegenden Organe durch die alternativen Gefäße sichergestellt werden kann. Erst danach erfolgt die Entfernung des Tumors und des vom Tumor umschlossenen Gefäßes bis auf die Hauptschlagader (Aorta). Im letzten Schritt wird die Schnittfläche an der Bauchspeicheldrüse verschlossen und die Blutversorgung nochmals überprüft.

Bester Videobeitrag des vergangenen Jahres in der Mediathek der DGCH

Mit ihrem Lehrvideo überzeugten die Lübecker Wissenschaftler jetzt die Chirurgische Arbeitsgemeinschaft Medien (CAM) der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) im Wettbewerb um den Edgar-Ungeheuer-Preis. Die CAM setzt sich aus Vertretern unterschiedlicher Fachdisziplinen zusammen. Vorsitzender des Gremiums ist seit 2010 PD Dr. med. Stephan Kersting. Die Auszeichnung würdigt den besten Film, der im vorangegangenen Jahr in der Mediathek der DGCH veröffentlicht wurde. Bewertet werden die chirurgische Technik, die videotechnische Umsetzung und die didaktische Qualität der Beiträge. Die von der Aesculap Akademie GmbH gestiftet Auszeichnung ist mit 3000 Euro dotiert und wird im Rahmen des Jahreskongresses der DGCH vergeben.

Videopaper zu ausgezeichnetem Lehrfilm im "Zentralblatt für Chirurgie" veröffentlicht

Die DGCH bietet seinen Mitgliedern inzwischen eine umfangreiche Sammlung qualitätsgeprüfter Filme zu OP-Techniken und chirurgischen Themen in ihrer Mediathek. Gleichzeitig erscheinen zu herausragenden Filmen seit Mitte 2012 in der Fachzeitschrift „Zentralblatt für Chirurgie“ Artikel, die die gezeigten Operationen kurz zusammenfassen und eine Übersicht über Indikation und Diagnostik geben. Auch zu dem nun ausgezeichneten Film erschien Anfang Februar 2021 in der Fachzeitschrift des Georg Thieme Verlags ein Videopaper. Dadurch wird aus dem Video eine bei internationalen Datenbanken wie MEDLINE oder Journal Citation Reports (JCR) gelistete und damit zitierbare Publikation.

Videopaper

M. Thomaschewski, M. Zimmermann, K. Honselmann; C.F. Müller-Debus, F. Jacob, U.F. Wellner, T. Keck, D. Bausch:
Robotisch-assistierte Resektion eines zentralen neoadjuvant behandelten Pankreaskarzinoms mit En-bloc-Resektion des Truncus coaliacus (modifizierte Appleby-Operation)
Zentralblatt für Chirurgie 2021; 146; online erschienen 3.2.2021

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