Einsame Querdenker liebevoll unterstützen

Stuttgart, November 2011 – Direkter Blickkontakt ist für sie unerträglich, Berührungen unangenehm, Tischmanieren eine Herausforderung, ihre Aussagen über andere schonungslos: Kinder, mit Asperger-Syndrom, einer milderen Variante der Entwicklungsstörung Autismus, ecken oft an. Ihr Verhalten wirkt auf andere seltsam und ihre Reaktionen erscheinen unangemessen. Der Ratgeber „Kinder mit Asperger einfühlsam erziehen“ (TRIAS Verlag, Stuttgart. 2011) behandelt die Themen, die für Asperger-Kinder besonders problematisch sind. So finden Eltern und Kinder schnell die nötige Hilfe.

„Ich kann dir besser zuhören, wenn ich dich nicht anschaue“, so ein Asperger-Kind. Viele empfinden bei längerem Blickkontakt sogar körperliche Schmerzen. Schon für Schulkinder ist das ein Dilemma, denn sind ihre Augen nicht auf den Lehrer gerichtet, erscheinen sie unaufmerksam. Im späteren Berufsleben wird ihnen der Chef vermutlich Respektlosigkeit unterstellen.

„Für Aspie-Kids ist es deshalb wichtig zu lernen, wie sie Signale des Zuhörens zeigen können“, erklären Cynthia La Brie Norall und Beth Wagner Brust. So können sie zum Beispiel beim Spiel „Ich packe meinen Koffer“ üben, auf den Mund des Gegenübers zu schauen. Zum einen hilft es ihnen, sich auf das Gesagte zu konzentrieren. Zum anderen schauen sie ihrem Gegenüber wenigstens ins Gesicht. „Damit sieht es so aus, als beherrschten sie die Spielregeln der Kommunikation. Eine Strategie, die sie sozial erfolgreicher macht“, wissen die Autorinnen.

Von A bis Z behandeln die Autorinnen sehr praxisnah 85 Themen, bei denen es in einem Asperger-Leben zu Schwierigkeiten kommt. Das reicht vom Kapitel „Absichten erkennen“ über das Verhalten bei „Geburtstagspartys“ bis hin zu „Zwanghaftem Verhalten“. Durch ihre langjährige Arbeit mit Asperger-Kindern wissen sie um die Empfindungen, die hinter dem oft seltsamen Verhalten der Kinder stecken. Ihre Erklärungen helfen Eltern, sich die Gedankenwelt der kleinen „Querdenker“ zu erschließen. Zahlreiche Übungen zeigen Möglichkeiten auf, wie soziale Konflikte vermieden werden können.

Wissenswertes: Welche Anzeichen des Asperger-Syndroms gibt es?

Die Bandbreite und die Ausprägung der mit dem Asperger-Syndrom einhergehenden Merkmale variieren stark. Christoper Gillberg, ein schwedischer Arzt, beschrieb die folgenden sechs Diagnosekriterien: Soziale Beeinträchtigung, eingeengte Interessen, Wiederholungsroutinen, Rede- und Sprachprobleme, Probleme mit der nonverbalen Kommunikation sowie motorische Unbeholfenheit.

Die Autorinnen

Cynthia La Brie Norall ist Schulpsychologin und Verhaltenstherapeutin. Im Jahr 2000 gründete sie den „Friend's Club“ für Asperger-Kinder in Kalifornien. Hier treffen sich ausschließlich Kinder mit Asperger-Syndrom. Unter der Anleitung geschulter Gruppenleiter lernen sie Verhaltensweisen, die ihnen in sozialen Situationen helfen, angemessen zu reagieren.

Beth Wagner Brust ist preisgekrönte Kinderbuchautorin. Ihr Sohn, der das Asperger-Syndrom hat, besucht seit der vierten Klasse den „Friend's Club“.

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