• Bild der Preisverleihung © Thieme/Alex Schmitt

    erlagsleiter Medizin, Dr. Siegfried Steindl (l.), und der Herausgeber der „Aktuellen Ernährungsmedizin“, Professor Dr. Stephan Bischoff (r.), zeichnen Maria Hermanky und Dr. Dr. Barbara Strasser (v.l.n.r.) aus. © Thieme/Alex Schmitt

     

Wissenschaftspreis der „Aktuellen Ernährungsmedizin“ in Kassel vergeben: Bessere Eiweißversorgung und moderates Krafttraining unterstützt Genesung älterer Patienten mit Hüftfraktur

Kassel/ Stuttgart, Juni – Im Alter nehmen Muskelmasse und -kraft ab. Ein Grund für die sogenannte Sarkopenie ist ein erhöhter Proteinbedarf mit zunehmenden Lebensjahren, den viele über die Nahrung nicht decken können. Aber auch mangelnde Bewegung trägt dazu bei, dass Senioren unsicher gehen, häufiger stürzen und sich verletzen. Für den Heilungsverlauf von beispielsweise Hüftfrakturen spielt der Ernährungszustand der Patienten deshalb eine wichtige Rolle. Mediziner aus Wien und Innsbruck haben im Rahmen einer Studie belegt, dass eine eiweißreiche Kost und ein moderates Krafttraining die Genesung unterstützen. Für ihre Arbeit „Effekte einer proteinoptimierten Ernährung in Kombination mit moderatem Krafttraining auf den postoperativen Verlauf bei älteren Patienten mit Hüftfraktur“ haben die Autoren jetzt den Wissenschaftspreis der Fachzeitschrift „Aktuelle Ernährungsmedizin“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart) erhalten. Die Preisverleihung fand am Donnerstag, den 21. Juni 2018, im Rahmen des Kongresses ERNÄHRUNG 2018 in Kassel statt.

Der Ernährungszustand der Patienten spielt für den Heilungsprozess nach einer Operation eine wichtige Rolle. So kann eine mangelhafte Eiweiß- und Energieversorgung dazu beitragen, dass sich das Risiko für Infektionen und Druckgeschwüre erhöht. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e.V. (DGEM) ist jeder vierte Patient bei seiner Einweisung mangelernährt, darunter viele Senioren. „Trotz Empfehlungen zum Einsatz von Zusatztrinknahrung für ältere Patienten, bleibt die Effektivität von nahrungsunterstützenden Programmen in der klinischen Praxis oft umstritten“, erklären die Autorinnen Universitätsdozentin Dr. Dr. Barbara Strasser und Maria Hermanky. Deshalb haben sie die Wirksamkeit solcher Maßnahmen selbst untersucht.

Ihre Studie führten die Wissenschaftler im Unfallkrankenhaus Lorenz Böhler in Wien durch. Rund 40 Patienten nahmen daran teil. Im Durchschnitt waren sie 79,5 Jahre alt und hatten sich eine hüftnahe Fraktur zugezogen. Zufällig wurden sie in die Interventionsgruppe (IG) oder die Kontrollgruppe (KG) eingeteilt. Während die Patienten der KG lediglich Standardkost erhielten, wurden die Teilnehmer der IG während ihres Aufenthalts intensiv ernährungsmedizinisch betreut. Sie bekamen nach den Empfehlungen der European Society for Clinical Nutrition and Metabolism (ESPEN) eine eiweißoptimierte Kost und absolvierten ein moderates Krafttraining. Den Ernährungszustand aller Patienten überprüften die Wissenschaftler zum Zeitpunkt der Aufnahme, der Entlassung und einen Monat danach. Für die Interventionsgruppe zogen sie abschließend eine positive Bilanz. Im Gegensatz zur KG erreichten die IG-Patienten beiden Geschlechts die als optimal definierten 80 Prozent ihres Eiweißbedarfs. Bei den Frauen konnte auch der Energiebedarf in dieser Höhe gedeckt werden. „Patienten der KG näherten sich der 80-Prozent-Marke hingegen nicht“, fassen die Preisträgerinnen zusammen. Auch büßten sie im Verlauf der Studie mehr an Muskelkraft ein als die Teilnehmer der IG. Im Rahmen der Blutuntersuchung stellten die Wissenschaftler zudem fest, dass die Entzündungsreaktionen weniger stark ausgeprägt waren als in der KG.

Professor Dr. Stephan Bischoff, Herausgeber der „Aktuellen Ernährungsmedizin“, bescheinigt der ausgezeichneten Arbeit eine hohe klinische und gesellschaftliche Relevanz: „Strategien zu einer effektiven Rehabilitation nach einer Hüftfraktur werden in Zukunft immer wichtiger werden, denn angesichts immer älter werdender Patienten werden auch die zu behandelnden Frakturen zunehmen“, erklärt er. „Zumal ein verzögerter Heilungsprozess die Mobilität und die Muskelkraft der Betroffenen insgesamt verschlechtern und weitere Stürze zur Folge haben kann.“

Die Aktuelle Ernährungsmedizin erscheint seit 1975 im Georg Thieme Verlag. Die Fachzeitschrift ist unter anderem das offizielle Publikationsorgan der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin e. V. (DGEM) und informiert über aktuelle Entwicklungen in der Ernährungsmedizin, wissenschaftliche Grundlagen der Ernährungstherapie, deren derzeitige Möglichkeiten und die Umsetzung in der Praxis. Der Wissenschaftspreis der „Aktuellen Ernährungsmedizin“ wird in diesem Jahr erstmals vergeben und zeichnet Autoren aus, deren Forschungsarbeit im Vorjahr in der Fachzeitschrift publiziert wurde und deren Ergebnisse wegweisend für die Ernährungsmedizin sind. Die Auszeichnung ist mit 2000 Euro dotiert.

M. Hermanky, C. Korninger, D. Fuchs, B. Strasser:
Effekte einer proteinoptimierten Ernährung in Kombination mit moderatem Krafttraining auf den postoperativen Verlauf bei älteren Patienten mit Hüftfraktur.
Aktuelle Ernährungsmedizin 2017; 42 (3); S. 180–187