Mehr Engagement für lokale Gesundheitsangebote wagen

fzm – Gesundheitsförderung und Prävention sind Themen, an denen Politik, Wirtschaft und Sozialwesen derzeit ein hohes Interesse haben. Dennoch lässt das Gesundheitsangebot in vielen Gemeinden zu wünschen übrig. Oft braucht es jedoch nur jemanden, der bereit ist, gesundheitsfördernde Projekte zu initiieren und federführend zu begleiten. Dafür, eine solche Initiative zu ergreifen, sei ihr Berufsstand geradezu prädestiniert, sagt die Heilbronner Ergotherapeutin und Gesundheitsmanagerin Annika Grote. Sie selbst hat in der Gemeinde Flein das "Gesundheitsjahr 2010" angeregt und umgesetzt. Über ihre Erfahrungen bei der Vorbereitung dieses umfangreichen Projekts berichtet sie in der Fachzeitschrift "ergopraxis" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2010).

Oft bestehen in den Gemeinden bereits vielfältige Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen oder seiner Gesundheit auf andere Weise etwas Gutes zu tun, so Grotes Erfahrung. Auch in Flein war das so. "Wenn man nach etwas sucht, dann findet man es auch", stellte ein Bürger bei einem vorbereitenden Forum fest. Warum die Angebote nicht besser genutzt werden, hat unterschiedliche Gründe: Die einen sind nicht gut genug auf die Zielgruppe abgestimmt, andere finden zu ungünstigen Zeiten statt, oder aber sie sind einfach nicht bekannt genug. Annika Grotes erster Schritt bestand daher darin, in vielen Gesprächen die Wünsche der Fleiner Bürger zu erfragen und die bereits bestehenden Gesundheitsangebote daraufhin zu analysieren, zu optimieren und bekannter zu machen. "Damit der Wille, etwas für sich zu tun, nicht am eigenen Antrieb scheitert, muss man die Bürger stärker abholen", sagt die Ergotherapeutin.

Auf bestehende Strukturen aufzubauen, ist einer der Schlüssel zu einem gelungenen Projekt. "Das Projekt muss sich als transparentes Netz über die Gemeindestrukturen legen", veranschaulicht Annika Grote einen ihrer Grundsätze. Dazu zählt es auch, von Anfang an Schlüsselpersonen mit ins Boot zu holen, die Teilbereiche des Projekts koordinieren, als Multiplikatoren und Ansprechpartner wirken und so das Thema ins Ortgeschehen hineintragen.

Um den gesamten Ort mit dem Projekt zu erfassen, entschied Annika Grote sich für vier Handlungsfelder: Gesund aufwachsen, gesund wohnen, gesund arbeiten und gesund altern. Leiter des Bereichs "Gesund altern" ist zum Beispiel der Sprecher des Fleiner Arbeitskreises Senioren, dem Arbeitskreis "Gesund aufwachsen" steht der Grund- und Hauptschulleiter vor.

Letztlich besteht selbst ein großes Projekt wie das Gesundheitsjahr 2010 aus vielen kleinen Schritten und Aktionen, betont Annika Grote – auch um Nachahmern Mut zu machen. Die Fleiner Schule etwa organisiert eine Gesundheitswoche, ein Sportverein wird künftig auf ein gesünderes Cateringangebot während Sportveranstaltungen achten, eine Krankenkasse unterstützt die Jugendarbeit zur Suchtprävention. All diese Initiativen dürfen jedoch nicht ohne Zusammenhang nebeneinander her bestehen. Die Projektkoordinatorin ist permanent gefordert, um bei der Planung und Abstimmung der Aktionen zu helfen, zwischen Akteuren zu vermitteln, die Öffentlichkeitsarbeit zu koordinieren und bei der Entwicklung nachhaltiger Strukturen mitzuarbeiten – um nur einige Punkte zu nennen. Außerdem beruft Annika Grote regelmäßige Sitzungen ein, in denen sich die Beteiligten austauschen und ihre Aktionen koordinieren können.

Als "Projekt im Projekt" und Auftakt in das Gesundheitsjahr veranstaltete Annika Grote bereits im Januar einen Gesundheitstag. Auf diesem – einer Art Mini-Gesundheitsmesse – stellten Fleiner Bürger oder Betriebe Gesundheitsthemen oder Produkte vor, gaben Fachwissen weiter und bekamen die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. So berichtete etwa ein örtliches Bettengeschäft über gesundes Schlafen, ein Zahnarzt über Prophylaxe, andere Vorträge beschäftigten sich mit gesundem Reisen oder mit der Pflegeversicherung. Bei den Fleiner Bürgern stieß der Tag auf große Resonanz. "Rund 1000 Einwohner haben die Veranstaltung besucht", sagt Annika Grote. Und auch von den Ausstellern habe sie sehr positive Rückmeldungen bekommen.

Die Projektkoordinatorin ist nun selbst gespannt, wie die von ihr direkt oder indirekt angestoßenen Aktionen funktionieren und wie dauerhaft sich neue Strukturen etablieren können. Bereits jetzt wünscht sie sich jedoch Nachahmer – gerade unter Ergotherapeuten. Denn deren Ausbildung befähigt sie in besonderem Maße dazu, organisatorische Aufgaben in der Gesundheitspolitik zu übernehmen. Und nach Annika Grotes Erfahrung ist selbst die Betreuung großer Projekte leichter als man zunächst annehmen möchte.

A. Grote:
Eine Idee nimmt Gestalt an.
ergopraxis 2010; 3 (1): S .8-10

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