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    Die Blutgefäße im menschlichen Körper. Bei krankhaften Veränderungen droht ein Riss. © psdesign1, Adobe Stock

     

Epigenetik spielt Schlüsselrolle bei Aortenaneurysma und Dissektion

fzm, Stuttgart, September 2018 – Aortenaneurysmen können zu Rissen – sogenannten Dissektionen – in den inneren Gefäßwänden der Hauptschlagader führen. Die Folge sind verheerende, oftmals tödlich verlaufende innere Blutungen. Ein kürzlich in der Fachzeitschrift AORTA (Thieme Publishers, New York. 2018) erschienener Übersichtsbeitrag macht deutlich, dass die Epigenetik eine entscheidende Rolle bei der Entstehung dieser Gefäßerkrankungen spielen kann. Mit diesem Wissen können neue Ansätze entwickelt werden, mit denen sich Aneurysmen und Dissektionen der Brustaorta besser diagnostizieren und behandeln lassen.

Die zunehmende Erweiterung der thorakalen Aorta ascendens wird als thorakales Aortenaneurysma (TAA) bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung. Es besteht das Risiko einer Ruptur oder einer akuten Aortendissektion (AAD) – ein Riss in den inneren Gefäßwänden der Hauptschlagader. Sowohl die Ruptur als auch die AAD haben starke innere Blutungen zur Folge. Die meisten Aneurysmen verursachen jedoch weder Schmerzen noch sonstige Symptome, sodass sich die Patienten der Gefahr nicht bewusst sind. Eine Diagnose erfolgt zumeist erst dann, wenn eine Aortendissektion eingetreten ist.

Es gibt mehrere genetische Störungen, die mit thorakalen Aortenaneurysmen und -dissektionen in Verbindung gebracht werden. In vielen Fällen jedoch ist keine genetische Ursache erkennbar. Epigenetische Veränderungen allerdings, die keine Mutation der DNA-Sequenz zur Folge haben, können ebenfalls Aneurysmen und Dissektionen begünstigen. Jährlich sterben mehrere tausend Patienten an den Folgen dieser Aneurysmen.

Adeline Boileau von der Cardiovascular Research Unit am Luxembourg Institute of Health und ihre Mitautoren sind überzeugt, dass ein besseres Verständnis der beteiligten epigenetischen Mechanismen dazu beitragen kann, thorakale Aneurysmen früher zu erkennen und Dissektionen zu verhindern. Den Forschern zufolge gibt es zunehmend Hinweise darauf, dass bestimmte epigenetische Änderungen der Genfunktion zu Aortenaneurysmen führen. Nicht-kodierende RNA aus der erkrankten Aorta-Wand könnte beispielsweise Informationen über ihre Stabilität und Rissanfälligkeit liefern. Da nicht-kodierende RNA im Blut nachweisbar ist, könnte sie als Biomarker genutzt werden. Auch neue Ansätze zur Behandlung sind denkbar, die die epigenetischen Änderungen der Genfunktion direkt beeinflussen.

Adeline Boileau et al.:
Epigenetics in Ascending Thoracic Aortic Aneurysm and Dissection
AORTA 2018;6; S. 1–12.

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