Essen mit Verantwortung

Dr. oec. troph. Karl von Koerber, Ernährungswissenschaftler und langjähriger Nachhaltigkeits-Denker

Würden wir heutzutage noch so essen wie unsere Großeltern, würden die Tiere in der Landwirtschaft sicherlich artgerechter gehalten. Fleisch, Fisch und Eier wären keine tägliche Selbstverständlichkeit, sondern seltener Luxus. Damals kam nur sonntags ein Braten auf den Tisch. Kuchen mit viel Ei gab es nur am Wochenende. Gemüse und Obst wurde entweder im eigenen Garten angebaut oder stammte aus der Region.

Wissen wir, was wir essen?

Wir essen heutzutage Nahrungsmittel, deren Geschichte wir selten kennen: Häufig wissen wir wenig über ihre Erzeugung, Verarbeitung und Herkunft sowie über ihren Handel und ihre Transportmittel. Die enthaltenen Zutaten oder Zusatzstoffe sind uns kaum bekannt. Wir essen zu viele tierische Lebensmittel – und zu viele stark verarbeitete Produkte, bei denen teilweise wertvolle Inhaltsstoffe zerstört sind.

Unsere Speisen bereiten wir immer seltener selbst zu, und das Kochen wird immer mehr zur Nebentätigkeit. Was wir zu uns nehmen, ist oft vorgefertigt, aufwendig verpackt und teilweise tiefgefroren. Vielfach wird es in der Mikrowelle erhitzt oder kalt aus der Packung verzehrt. Wir greifen kaum mehr zu „Lebens-Mitteln“ im ursprünglichen Sinn des Wortes, also Mittel zum Leben, sondern wir wählen vermehrt Produkte, für die zum Beispiel mit Begriffen wie „Wellness“, „Anti-Aging“ oder „probiotisch“ geworben wird.

Die vier Dimensionen Nachhaltiger Ernährung

Art und Menge unserer Nahrung haben erhebliche Einflüsse auf unseren eigenen Körper, auf die Natur sowie auch auf andere Menschen und auf die wirtschaftliche Situation aller Beteiligten. Hierbei spricht man von den vier Dimensionen Gesundheit, Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft.

Diese Einflüsse wirken sowohl im engeren Umkreis (regional) als auch im weltweiten Maßstab (global). Die drei Dimensionen Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft werden unter dem politischen Leitbild der „Nachhaltigkeit“ zusammengefasst, das 1992 auf der UNO-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro von den 178 Teilnehmerstaaten vereinbart wurde. Bei der Ernährung kommt die Dimension Gesundheit noch hinzu.

Unter Nachhaltigkeit wird eine weltweite Entwicklung verstanden, die die Bedürfnisse heutiger Generationen befriedigen soll, ohne die Bedürfnisbefriedigung kommender Generationen zu gefährden – und dass eine Region nicht auf Kosten anderer Weltregionen leben soll. Ziel ist es, Chancengleichheit für alle gegenwärtig auf der Erde lebenden Menschen zu schaffen und auch für nachfolgende Generationen zu sichern.

Einfache Grundsätze für eine Nachhaltige Ernährung

Wenn wir bei unserer Ernährung einige, leicht nachvollziehbare Grundsätze beachten, können wir die Umwelt schonen, zur wirtschaftlichen Stabilität der Erzeuger beitragen, einen Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit leisten und auch für unsere Gesundheit etwas Gutes tun.

  • mehr pflanzliche, weniger tierische Lebensmittel essen (S. 126 ff.)
  • Bio-Lebensmittel verwenden (S. 130 ff.)
  • Lebensmittel aus der Region und der Saison wählen (S. 134 ff.)
  • natürliche, gering verarbeitete Lebensmittel bevorzugen (S. 137 ff.)
  • Erzeugnisse aus Fairem Handel kaufen (S. 142 ff.)
  • energiesparend kochen (S. 146)
  • Verpackungsmüll und Verderb von Lebensmitteln vermeiden (S. 145 f.)
  • Einkaufen am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad (S. 147 f.)

Die Hintergründe dazu finden Sie in unserem neuen Buch „Nachhaltig genießen. Rezeptbuch für unsere Zukunft“ (TRIAS Verlag, Stuttgart. 2012) auf den angegebenen Seiten. Ich wünsche Ihnen eine anregende und aufschlussreiche Lektüre.

Es gilt das gesprochene Wort.
München, März 2012

Buchtipp