Europäische Impfwoche: Reisevorbereitungen für Impfauffrischung nutzen

Düsseldorf, April 2014 – Malaria, Gelbfieber, Japanische Enzephalitis – die Planung einer Fernreise nehmen Reisende oft zum Anlass, sich über tropische Infektionsgefahren zu informieren und durch Reiseimpfungen vorzusorgen. Manche Länder schreiben Impfungen – etwa die gegen Gelbfieber – für die Einreise sogar verpflichtend vor. Bei den für Deutschland empfohlenen Impfungen sind viele dagegen sorgloser: Umfragen zeigen, dass etwa die Hälfte der Deutschen den eigenen Impfstatus nicht kennt. Die reisemedizinische Vorsorge sollte deshalb immer auch zum Anlass genommen werden, den Standardimpfschutz zu prüfen und nachzuholen. Darauf weist das CRM Centrum für Reisemedizin im Vorfeld der Europäischen Impfwoche der WHO hin.

„Weil viele Menschen nicht vollständig geimpft sind oder Impfungen nicht aufgefrischt werden, können sich Erkrankungen, die durch Impfungen vermeidbar wären, wieder zunehmend ausbreiten“, warnt Professor Dr. med. Tomas Jelinek, Wissenschaftlicher Leiter des CRM Centrum für Reisemedizin. So ist die Zahl der Masernerkrankungen in diesem Jahr in Deutschland massiv angestiegen, ein Kind verstarb an der Infektion. Bis Mitte März registrierte das Robert Koch Institut 1252 Fälle, im vergangenen Jahr waren es im gleichen Zeitraum nur 78. Für Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (STIKO), die Schutzimpfung gegen Masern im Kindesalter durchzuführen. Außerdem empfiehlt sie die Impfung für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen, die nur einmal oder noch gar nicht gegen Masern geimpft sind. Denn insbesondere in dieser Gruppe gibt es deutliche Impflücken. „Doch auch bei anderen Infektionskrankheiten gibt es zu geringe Impfquoten, etwa bei der Influenza und Pneumokokken-Impfung“, so Jelinek. Beide Impfungen werden chronisch Kranken und Menschen ab 60 Jahren empfohlen.

Längst nicht alle Ungeimpften sind Impfgegner. „Oftmals ist die Tatsache, dass manche Standardimpfungen im Erwachsenenalter aufgefrischt werden sollten, gar nicht bekannt oder Termine zur Nachimpfung oder Impfauffrischung werden versäumt“, erläutert Jelinek. In einer Umfrage der Krankenkasse BKK Mobil Oil im Jahr 2013 gaben nur 39 Prozent der 995 Befragten an, ihren Impfstatus zu kennen. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam 2008 eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach: Hier gaben 47 Prozent der Befragten an, nicht genau zu wissen, ob und wogegen sie zurzeit geimpft sind. Und 53 Prozent achten nicht darauf, Impfungen regelmäßig auffrischen zu lassen.

„Wir empfehlen, den Status der für Deutschland empfohlenen Standardimpfungen beim Hausarzt zu prüfen und sich beraten zu lassen, welche der Impfungen nachgeholt oder aufgefrischt werden sollten“, sagt Jelinek. Aber auch die reisemedizinische Beratung sei hierfür eine gute Gelegenheit. „Das Wissen um gesundheitliche Risiken im Ausland, die sich aus den oft niedrigen hygienischen Standards oder durch tropische Infektionserreger ergeben, führt dazu, dass sich viele Menschen vor Reisen eher mit dem Thema Impfen beschäftigen. Deshalb sollten Ärzte im Rahmen der reisemedizinischen Beratung immer auch auf die Bedeutung der Standardimpfungen aufmerksam machen.“

Ist der Impfausweis nicht auffindbar oder verloren gegangen, sollte man versuchen, die Informationen zu bereits bestehenden Impfungen bei den Ärzten zu erfragen und dokumentieren zu lassen, bei denen man in den letzten Jahren geimpft wurde. Praxen sind verpflichtet, Unterlagen zehn Jahre lang aufzubewahren. Für manche Impfungen, etwa Masern, lässt sich auch per Blutuntersuchung feststellen, ob eine Immunisierung besteht. Im Zweifel gilt man als ungeimpft. Empfohlene Impfungen sollten dann nachgeholt und ein neuer Impfpass ausgestellt werden.

Die zehnte Europäische Impfwoche der WHO findet vom 20. bis zum 25. April 2015 statt. Ziel der WHO ist es, über die Bedeutung von Impfungen zu informieren und die Impfraten in der Bevölkerung zu erhöhen.

Quellen:

http://www.presseportal.de/pm/53836/2563321/aktuelle-umfrage-nicht-mal-jeder-zweite-kennt-eigenen-impfstatus

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/epid_bull_form.html;jsessionid=B4511B724FD479E018577966E4A66308.2_cid372

http://www.ifd-allensbach.de/uploads/tx_reportsndocs/prd_0809.pdf