Experten: Kein Krebsrisiko durch neuen Grippeimpfstoff

fzm – Von Grippeimpfstoffen, die auf Zellkulturen statt in Hühnerembryonen hergestellt werden, geht kein Krebsrisiko aus. Dies stellen Hersteller und ein unabhängiger Experte in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009) klar. Sie treten damit Gerüchten in den Medien entgegen.

Hintergrund: Im Jahr 2007 wurde von der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA erstmals ein Impfstoff zugelassen, der ohne Hühnereier produziert wird. Optaflu® schützt vor der "normalen" saisonalen Grippe. Vor wenigen Tagen ist in Deutschland mit Celtura® ein Impfstoff gegen die Neue Influenza, die so genannte Schweinegrippe, hinzugekommen. Die Impfstoffe werden nicht in Hühnerembryonen vermehrt, sondern auf Zellkulturen. Infektionsmediziner wie Professor Helmut Fickenscher vom Universitätsklinikum in Kiel begrüßen die neuen Impfstoffe. Sie seien nicht nur die Abkehr von einem "in der Frühzeit der Virologie entwickelten, archaischen Herstellungsweg", der große Mengen Hühnereier verbraucht. Für die Patienten entfalle auch das seltene Risiko auf allergische Reaktionen, die bei einer Hühnereiweiß-Allergie möglich sind. "Aus beiden Gründen war die Umstellung der Produktion auf Zellkultursysteme längst überfällig", schreibt Professor Fickenscher.

Zu Irritationen hat nun geführt, dass es sich bei den Zellkulturen um Nierenkrebszellen von Hunden handelt (Madin-Darby-Zelllinie, MDCK). Daraus hat sich das Gerücht entwickelt, dass der Impfstoff beim Menschen Krebs auslösen könnte. Für diese Annahme gibt es, wie der Mediziner betont, keinerlei wissenschaftliche Grundlage: "Die bedauerliche Diskussion basiert auf Unkenntnis und Missverständnissen".

Professor Heinz-Josef Schmitt von Novartis Vaccines & Diagnostics in Marburg versichert, dass die Impfstoffe darauf überprüft würden, dass keine intakten Krebs-Zellen in ihnen enthalten sind. In Tierversuchen sei bei dem über 2800-fachen der Impfstoffdosis kein Krebs ausgelöst worden. Außerdem würden bei der Herstellung Gene, die Auslöser einer Krebserkrankung sein könnten, weitgehend entfernt. Professor Schmitt: "Am Ende der Produktion ist selbst mit hoch empfindlichen PCR-Verfahren keine Hunde-DNA in dem Impfstoff mehr nachweisbar". Außerdem werde streng darauf geachtet, dass die MDCK-Zellen nicht mit Erregern infiziert sind, die, wenn sie über den Impfstoff in den Menschen gelangen, Krebs auslösen könnten. Hundezellen seien weniger anfällig für menschliche Viren als Hühnerembryonen, "die gemeinhin als Virusfilter gelten", berichtet Professor Schmitt, der schließlich darauf hinweist, dass im Rahmen klinischer Studien mehr als 12000 Personen mit Optaflu® geimpft worden sind, darunter 6900 Erwachsene zwischen 18 und 60 Jahren sowie 4000 Kinder. Hinweise auf ein Krebsrisiko seien niemals aufgetreten.

H.-J. Schmitt et al.:
Zur Sicherheit von Influenza-Impfstoffen, deren Herstellungsprozess auf Zelllinien beruht.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (48): S. 2472

H. Fickenscher:
Kommentar
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (48): S. 2471

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