Risiken von Fernreisen in der Schwangerschaft

Stuttgart, März 2009 – Kein Land ist zu weit, kein Ziel zu exotisch. Auch eine Schwangerschaft kann bei vielen Frauen die Reiselust nicht bremsen. Gerade bei Fernreisen sollten Schwangere jedoch einige Vorsichtsmaßnahmen beherzigen, raten Experten in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009).

An sich sei gegen Fernreisen während der Schwangerschaft nichts einzuwenden, meint Dr. Christophe Walentiny vom Institut für Tropenmedizin München. Auch wenn Ärzte bei Mehrlingen, vorhergehender Früh- oder Fehlgeburt oder anderen Risikoschwangerschaften eher von strapaziösen Reisen abraten. Die Bedenken betreffen weniger die Flugreise. Die Höhenluft im Flugzeug gefährde weder die Sauerstoffversorgung des Ungeborenen, dessen Blut Sauerstoff ohnehin besser bindet als das der Mutter. Noch sei eine nennenswerte Strahlenbelastung im Flugzeug nachweisbar, so Dr. Walentiny. Auch dem erhöhten Thromboserisiko der Mutter, das durch die hormonelle Umstellung und den Druck des Babys auf die Venen erhöht ist, könne durch Hochlegen der Beine und Bewegungsübungen bei Langzeitflügen begegnet werden. Schwangere mit erhöhtem Risiko könnten sich auch durch Thrombosestrümpfe schützen. Selbst Heparinspritzen wären unter Umständen möglich, weil der Wirkstoff den Blutkreislauf des Babys nicht oder kaum erreicht.

Dem Tropenmediziner macht eher das Infektionsrisiko am Urlaubsort und die dort nicht immer gewährleistete medizinische Hilfe Sorgen. Wenn beispielsweise eine vaginale Blutung auftritt, wie bei rund einem Drittel aller Frauen im ersten Schwangerschaftsdrittel, dann sei die Schwangere auf die dortigen Gesundheitsdienste angewiesen, die nicht unbedingt dem hiesigen Standard entsprechen. Dr. Walentiny erinnert daran, dass im Gegensatz zu Deutschland die Müttersterblichkeit in vielen tropischen Ländern sehr hoch ist. Er rät: Vor Beginn der Reise die medizinische Versorgung am Urlaubsort prüfen. Das erspare im Notfall viel wertvolle Zeit und Nerven.

Schwangere sind für Infektionen besonders anfällig. Selbst ein banaler Infekt kann bei ihnen Fieber, vorzeitige Wehen und eine Frühgeburt auslösen. Hinzu kommt, dass viele Krankheitserreger in den Tropen häufiger vorkommen als in Deutschland. Besonders gefährlich für Schwangere sind Toxoplasmose-Erreger, die in verunreinigtem Wasser oder auf Früchten zu finden sind, und das Zytomegalie-Virus, das durch “Tröpfchen”, z. B. beim Husten oder Niesen, übertragen wird. Beide Erreger können dem Baby schwere und dauerhafte Schäden zufügen. Die Schwangere sollte deshalb prüfen, ob sie für diese Erreger empfänglich ist, fordert Dr. Walentiny. Im Urlaub sollte sie keine ungekochten oder ungeschälten Nahrungsmittel verzehren und auf sauberes Wasser achten. Dr. Walentiny rät aber auch, größere Menschenansammlungen zu meiden.

Impfungen in der Schwangerschaft sind problematisch, im ersten Schwangerschaftsdrittel, einer entscheidenden Entwicklungsphase der Organe, sind sie verboten. Später müssen Nutzen und Risiken streng abgewogen werden. Bei Lebendimpfstoffen gegen Mumps, Masern oder Röteln raten die Ärzte von einer Impfung ab. Bei Gelbfieber machen sie manchmal eine Ausnahme, da diese Tropenerkrankung häufig tödlich endet. Auf Reisen in Regionen, in denen Gelbfieber grassiert, sollten Schwangere besser ganz verzichten, rät der Tropenmediziner. Das gelte auch für Malariagebiete. Der beste Schutz vor dieser Tropenkrankheit sei die wohlüberlegte Auswahl des Reiseziels. Eine Malariaprophylaxe, also die vorsorgliche Einnahme von Medikamenten ist problematisch, da bei keinem Mittel die Gewissheit bestehe, dass sie dem Ungeborenen nicht schaden.

Auch viele Mittel aus der Reiseapotheke dürfen Schwangere nicht einnehmen. Gemieden werden sollten beispielsweise Acetylsalicylsäure und einige Antibiotika. Der Gynäkologe Professor Peter Bung aus Bonn rät in einem Kommentar den Schwangeren, ihre Reisetauglichkeit von ihrem Gynäkologen prüfen zu lassen. Was auch deshalb wichtig ist, weil einige Fluggesellschaften Hochschwangere, wenn überhaupt, nur mit ärztlichem Attest an Bord lassen. Professor Bung und Dr. Walentiny raten, die Reise nach Möglichkeit im mittleren Schwangerschaftsdrittel zwischen der 18. und 24. Woche zu unternehmen. Dann sei die Entwicklung der Organe des Embryos abgeschlossen und es gebe noch keine “mechanischen” Probleme der Spätschwangerschaft. Es sei auch der Zeitraum, in dem sich die Schwangeren üblicherweise am wohlsten fühlen und das Risiko einer Fehlgeburt oder vorzeitiger Wehen am geringsten ist.

C. Walentiny:
Schwangerschaft und Reisen.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (12): S. 594-598

P. Bung:
Reisen in der Schwangerschaft – Risiko oder Selbstverständlichkeit?
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (12): S. 599

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