Feuerschlucker-Lunge: Wenn der Feuerschlucker versehentlich den Brennstoff einatmet

fzm - Eine "fettige" Lungenentzündung ist keine Gefahr, an die man beim Feuerschlucken zuerst denkt. Doch atmet ein Feuerschlucker aus Versehen Petroleumdämpfe ein, kann es zu dieser sogenannten Lipidpneumonie kommen. Auf ähnliche Weise können auch fetthaltige Salben oder Nasensprays die Lunge schädigen. Manchmal ist sogar ein hoher Cholesterinwert im Blut Auslöser der Störung, berichtet ein Experte in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2010).

Pflanzliche oder tierische Fette, aber auch Mineralöle verursachen in den Atemwegen nur einen geringen Hustenreiz. Sie können deshalb ungehindert bis in die Lungenbläschen fließen, wie Privatdozent Dr. med. Martin Schwaiblmair vom Klinikum Augsburg erläutert. Dort führen sie zu einer schweren und lang andauernden Schädigung. Denn dem Körper gelingt es nur sehr langsam die Fremdstoffe abzubauen. Spektakulär ist die Feuerschlucker-Lunge, wenn der "Brennstoff" versehentlich in großer Menge eingeatmet wird. Aber auch fetthaltige Mundsprays, Mundsalben und Nasentropfen können zum Ausgangspunkt der Lipidpneumonie werden, berichtet Dr. Schwaiblmair. Nicht selten stammen die Fette aus dem Magen, wo sie zuoberst in der Magenflüssigkeit schwimmen. Bei einem sauren Aufstoßen gelangen sie dann oft unbemerkt in die Luftwege.

Dr. Schwaiblmair: Über die Hälfte der Patienten haben keine Symptome und ihre Erkrankung wird oft zufällig anlässlich einer Röntgenuntersuchung entdeckt. Andere leiden unter Husten, leichtem Fieber, Kurzatmigkeit und Brustschmerzen. Die wenigsten bringen ihre Beschwerden mit dem auslösenden Ereignis in Verbindung.

Manchmal gelangt das Fett nicht von außen in die Lunge, sondern mit dem Blut. So bei einer 63-jährigen Frau, die Dr. Schwaiblmair betreute. Nachdem die Patientin über Monate unter unklaren Symptomen gelitten hatte, führten die Ärzte eine Spiegelung der Atemwege, eine sogenannte Bronchoskopie, durch. In der Gewebeprobe fanden sie Abwehrzellen, die mit Fetten überladen waren. Als Ursache kamen nur die erhöhten Cholesterinwerte der Patientin infrage, berichtet Dr. Schwaiblmair. Tatsächlich besserten sich die Symptome allmählich, nachdem die Frau Medikamente gegen ihren zu hohen Cholesterinspiegel einnahm.

In schweren Fällen können die Ärzte ihre Patienten nur beobachten und bei Bedarf die Atmung durch Sauerstoff stützen. Eine sichere Methode, die Fette und Öle aus der Lunge zu entfernen, gibt es laut Dr. Schwaiblmair nicht. Bei vielen Patienten bessert sich der Zustand aber mit der Zeit. So auch bei einem jungen Amateur-Feuerschlucker, der größere Mengen Petroleum eingeatmet hatte. Nachdem die Ärzte dem Mann dringend anrieten, nicht weiter als Feuerschlucker aufzutreten, erholten sich die Lungen langsam. Bei einer Kontrolluntersuchung nach zwei Jahren, hatten sich die Schäden komplett zurückgebildet.

M. Schwaiblmair et al.:
Lipidpneumonie – ein unterschätztes Krankheitsbild?
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2010; 135 (1/2): S.27-31

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