Studie: Fitness-Programm nützt Demenzkranken

Stuttgart, Oktober 2012 – Körperliche Aktivität hält nicht nur gesunde Senioren fit. Auch Menschen mit leichter bis mittelgradiger Demenz sollten in Bewegung bleiben. Sport, so die Überzeugung von Altersmedizinern der Universität Heidelberg, kann den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen und damit die Selbständigkeit länger erhalten. In der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2012) stellen sie ihr Trainingsprogramm für Demenzkranke vor, das sie in einer klinischen Studie erfolgreich erprobt haben. Ein Internetportal vermittelt die Übungen auch zum Nachmachen für zuhause.

Dass Sportprogramme auch bei gebrechlichen älteren Menschen sicher und effektiv sind, ist durch zahlreiche Studien belegt, schreibt Dr. Tania Zieschang vom Bethanien-Krankenhaus, einem Geriatrischen Zentrum mit Akutkrankenhaus und Rehabilitationsklinik in Heidelberg. Für Demenzpatienten konnte ein Nutzen bisher nicht nachgewiesen werden. Die Klinik entwickelte deshalb ein eigenes Trainingsprogramm, das auf die Besonderheiten der Demenzpatienten Rücksicht nimmt. Vor Beginn des Trainings werden die Defizite und Möglichkeiten jedes Patienten analysiert, erläutert Dr. Zieschang. Ein Ziel besteht darin, die Muskeln, die die Demenzkranken für Alltagshandlungen und die Gleichgewichtskontrolle benötigen, zu stärken. Dafür trainieren die Kranken an Fitnessgeräten. Ein weiterer Bestandteil ist ein Dual-Task-Training. Dabei müssen die Demenzkranken bei einer Bewegungsübung, etwa dem Gehen oder Zuspielen eines Luftballons, eine Denkaufgabe, etwa das Zählen in 2-er-Schritten, lösen. Diese doppelte Beanspruchung überfordert viele Demenzkranke. Im Alltag sind sie laut Dr. Zieschang ein häufiger Grund für Stürze.  

Die Effektivität des Trainings konnten die Heidelberger Altersforscher in einer der weltweit größten Studien für Demenzkranke belegen. Im Anschluss an eine Reha-Behandlung trainierten 62 Senioren mit leichter bis mittelgradiger Demenz über zwölf Wochen, zweimal pro Woche jeweils eine Stunde unter der Aufsicht eines speziell geschulten Trainers. In einer Vergleichsgruppe absolvierten weitere 62 Demenzpatienten ein Hockertraining, wie es in vielen Heimen für Demenzkranke üblich ist. Am Ende hatte das Sportprogramm nicht nur die Kraft in den trainierten Muskeln gestärkt. Die Demenzpatienten hatten auch ihre Leistung im „5-sit-to-stand“-Test verbessert. Er misst die Zeit, die Senioren benötigen, um 5-mal hintereinander vom Sitzen in den Stand zu kommen.  

Der Erfolg des Trainings war nachhaltig. Selbst neun Monate nach dem Ende des Trainingsprogramms erzielten die Teilnehmer noch deutlich bessere Ergebnisse im Gleichgewichthalten oder der Gehfähigkeit als in der Kontrollgruppe mit den Hockerübungen, berichtet Dr. Zieschang, die das Programm deshalb allen Rehakliniken nahe legt. Wichtig sei, dass einfache Übungen mit klarer Struktur verwendet würden und der Schwierigkeitsgrad behutsam gesteigert werde. Dabei sollte im Umgang mit Demenzkranken geschultes Personal einsetzt werden, das empathisch und motivierend mit den Patienten umgeht.  

Auch für Menschen, die zuhause leben, hat das Team ein Trainingsprogramm entwickelt und auf dem Webportal www.bewegung-bei-demenz.de veröffentlicht. Erste Ergebnisse einer Pilotuntersuchung zeigen laut Dr. Zieschang, dass die Übungen von Patienten mit beginnender bis mittelschwerer Demenz erfolgreich durchgeführt werden können.  

Quelle: T. Zieschang, K. Hauer, M. Schwenk:
Körperliches Training bei Menschen mit Demenz
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2012: 137 (31/32): S. 1552–1555
  
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