• Röntgen-Aufnahme eines Beckens © Sebastian Kaulitzki, Fotolia

    Bei Veränderungen des Oberschenkelknochens kommt es zu Schmerzen in der Hüfte © Sebastian Kaulitzki, Fotolia

     

Zement oder nicht Zement? Fixierung von Hüftimplantaten bei Paget-Krankheit

fzm, Stuttgart, September 2017 – Über 100.000 Menschen im Alter über 50 Jahre sind Schätzungen zufolge in Deutschland an Morbus Paget erkrankt. Dabei bilden sich stellenweise verdickte oder verformte Knochen. Die Mehrheit der Betroffenen zeigt zunächst keine Symptome. Treten Schmerzen auf, ist die Erkrankung in der Regel weit fortgeschritten. Ist der Oberschenkelknochen betroffen, benötigen die Patienten ein Hüftimplantat. In diesen Fällen muss der Orthopäde entscheiden, wie er das Kunstgelenk fixiert. Eoghan Hurley vom Royal College of Surgeons in Irland hat in der Fachzeitschrift „Journal of Hip Surgery“ (Thieme Publishers, New York. 2017) erstmals Studien zu zementierten und zementfreien Endoprothesen verglichen.

Bei der Paget-Krankheit kommt es zu einem Umbau des Knochens: Anfangs wird Knochenmasse abgebaut, später kommt es zu einer überschießenden Neubildung von untermineralisiertem Faserknochen. Dadurch entstehen schmerzhafte Verdickungen und Verbiegungen. Die normale Knochenarchitektur verliert an Stabilität, wodurch sie anfälliger für Knochenbrüche wird und Nerven und Gefäße eingeengt werden. Ist der Oberschenkelknochen betroffen, benötigen Patienten ein Kunstgelenk.

Die Operation ist die gleiche wie bei Patienten mit anderen Krankheitsbildern. Allerdings kann durch die veränderte Knochenstruktur das Einheilen der Endoprothese erschwert sein. Hüftchirurgen diskutieren daher, ob sie eine zementierte oder eine zementfreie Endoprothese bevorzugen sollen. Zementierte Prothesen versprechen anfänglich einen besseren Halt, da sie direkt fixiert werden. Die bei der Paget-Krankheit stark erhöhte Durchblutung des Knochens kann allerdings verhindern, dass der Zement im Knochen bindet. Bei zementfreien Verankerungen muss der Knochen an der Prothesenoberfläche anwachsen.

Hurley und seine Mitarbeiter haben für ihre Übersicht 13 Studien ausgewertet, in denen entweder zementierte oder zementfreie Hüftprothesen bei insgesamt 444 Patienten mit Paget-Krankheit implantiert wurden. Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei über 70 Jahren. Bei Eingriffen mit zementfreier Verankerung lockerte sich die Prothese seltener (1,8 Prozent) als bei solchen mit zementierten Implantaten, (26,4 Prozent) ohne dass eine Infektion vorlag. Die Lockerung trat durchschnittlich nach 4,5 beziehungsweise 5,4 Jahren auf. Die Forscher leiten daraus ein geringeres Risiko der aseptischen Lockerung beim zementfreien Implantieren eines Kunstgelenks ab.

Bei der Betrachtung aller Revisionsoperationen konnten sie jedoch keinen signifikanten Unterschied feststellen: 5,4 Prozent der zementfreien und 9,4 Prozent der zementierten Endoprothesen mussten wenige Jahre nach der Operation ersetzt werden. Nach Hüftgelenkersatz kann es außerdem zu Knochenneubildung in den Weichteilen im Operationsbereich kommen. Nach Implantation einer zementfreien Prothese waren davon 45,0 Prozent der Patienten betroffen, nach einer zementierten Prothese waren es 38,9 Prozent. Auch diese Differenz war statistisch nicht signifikant. Eine Varus-Stellung der Hüfte, bei der der Winkel zwischen Oberschenkelschaft und -hals vermindert ist, trat in beiden Gruppen ebenfalls gleich häufig auf.

Die Forscher kommen daher zu dem Schluss, dass es sowohl bezüglich der Funktionalität als auch der Haltbarkeit keine belegbaren Unterschiede zwischen zementierten und nicht zementierten Verankerungen der Hüftendoprothesen bei Patienten mit Morbus Paget gibt. Die Frage sollte jedoch in weiteren Studien untersucht werden.

Eoghan T. Hurley, James Cashman, Keith A. Synnott, John M. O'Byrne, Frank G. Lyons. Cemented versus Cementless Total Hip Arthroplasty in Paget's Disease of Bone: A Systematic Review. Journal of Hip Surgery 2017; 01(02): 087-092