Frustration statt Motivation – im Praktischen Jahr bieten nur sehr wenige Kliniken attraktive Ausbildungsmöglichkeiten

fzm – Eine Studie ergab, dass sich die praktische Ausbildung trotz massiver Kritik kaum verbessert hat. Annähernd die Hälfte aller befragten Studenten gab an, sich während ihres Praktischen Jahrs als billige Arbeitskraft ausgenutzt gefühlt zu haben. Jeder dritte Studierende schätzte den Lerneffekt seines PJs hinsichtlich seiner ärztlichen Fähigkeiten als gering oder sehr gering ein.

Das Praktische Jahr soll Medizinstudenten die Möglichkeit geben, Erfahrungen zu sammeln und sich auf das spätere Berufsleben vorzubereiten. Doch statt Motivation erleben viele Absolventen Frustration: Nur sehr wenige Krankenhäuser bieten ihnen attraktive Ausbildungsmöglichkeiten und verpassen damit die Chance, den knapper werdenden Ärztenachwuchs stärker an sich zu binden.

Diese Missstände bestehen seit Jahren. Trotzdem ändert sich daran nichts – wie einmal mehr die PJ-Umfrage der Fachzeitschrift Via medici belegt, die alle zwei Jahre als offene Online-Befragung durchgeführt wird. Insgesamt bewerteten die mehr als 700 Teilnehmer das Praktische Jahr ähnlich schlecht wie im Vorjahr: Die Gesamtnote war ein besseres "Befriedigend" (Note 2,7). Dabei kritisierten die Studenten vorrangig, dass sie während der Ausbildung mangelhaft betreut wurden. In vielen Kliniken gelten angehende Mediziner zudem nicht als gleichwertiges Mitglied im Team sondern als billige Arbeitskraft. "Nach vier Monaten wussten meine Kollegen noch immer nicht, wie ich heiße", berichtet einer der befragten Teilnehmer über seine Zeit als PJler.

Aufgrund der schlechten Ausbildungssituation zieht es immer mehr Absolventen ins Ausland: Inzwischen verbringt jeder Zweite sein Chirurgie-Tertial außerhalb Deutschlands. Dieser Trend setzt sich im Laufe der Karriere weiter fort: 20 Prozent aller Befragten gaben an, zumindest Teile ihrer Facharztweiterbildung im Ausland verbringen zu wollen, annähernd jeder Dritte zieht dies in Erwägung. Attraktiv wirkt auch die bessere Bezahlung in anderen Ländern: Zwar erhält hierzulande inzwischen jeder dritte PJler durchschnittlich 359 Euro pro Monat. Jedoch müssen etwa 72 Prozent auf Lohn verzichten. Im Ausland hingegen verdienen die Studenten in der Regel doppelt so viel.

Die Befragung gibt jedoch auch Anlass zur Hoffnung: Die Absolventen sind auch nach dem Praktischen Jahr noch sehr motiviert für den Arztberuf. Zudem gibt es inzwischen vereinzelt Kliniken, die ihrem Nachwuchs nachweislich eine gute Ausbildung ermöglichen. Deutlich wurde auch, dass die Kritik der vergangenen Jahre nicht ganz unerhört blieb: Die Befragung zeigt, dass sich die Chirurgen bei der Lehre im PJ inzwischen wesentlich mehr Mühe geben. Vorschläge, was man verbessern könnte, gaben die Umfrageteilnehmer zahlreich: So wünschen sie sich, mehrere Fachrichtungen kennen lernen zu können, eine freiere Wahl des PJ-Ortes und insbesondere verbindlich festgelegte Ausbildungsziele.

B. Link:
Jahr der Entscheidung: Via medici-PJ-Umfrage 2009.
Via medici 2009; 14 (5): S. 20-21

Link zur Umfrage:
http://www.thieme.de/viamedici/medizinstudium/pj/umfrage09.html

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