Arbeitsplatz Krankenhaus frustriert (nicht nur) Ärzte und Pflegekräfte

Stuttgart, August 2011 – Die Betreuung kranker Menschen ist nicht einfach. Beschäftigte sind im Krankenhaus besonderen Belastungen ausgesetzt. In einer Umfrage, die jetzt in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2011) veröffentlicht wurde, klagten Pflegepersonal und Ärzte jedoch nicht nur über körperliche Beschwerden. Auch der psychische Stress ist höher als in anderen Berufen. Der Frust am Arbeitsplatz war selbst in der Verwaltung spürbar.

Die Arbeit im Krankenhaus hat viel von ihrem früheren Reiz verloren. Während die Leitung der privatisierten Kliniken versucht, die Effizienz zu steigern, empfinden viele Beschäftige ein steigendes Missverhältnis zwischen den beruflichen Anforderungen und der erhaltenen Anerkennung, berichtet Privatdozent Klaus Schmid vom Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin an der Universität Erlangen-Nürnberg. Der große Unmut habe sich auch bei den Ärztestreiks im Jahre 2006 gezeigt.

Um zu untersuchen, ob die Arbeit im Krankenhaus tatsächlich mit vermehrten Belastungen verbunden ist, haben Dr. Schmid und Mitarbeiter in den Jahren 2005 bis 2007 dreimal Fragebögen an Pflegepersonal, Ärzte und Verwaltungsangestellte einer Universitätsklinik geschickt. Zum Vergleich wurden Beschäftigte zweier nicht im Gesundheitswesen tätiger Firmen befragt. In einer Firma waren Akademiker mit einem vergleichbaren Ausbildungsstand wie approbierte Ärzte beschäftigt. Die andere Firma war ein Finanzdienstleister, dessen Angestellte ohne Leitungsaufgaben den Beschäftigten der Klinikverwaltung vergleichbar waren.

Die Antworten bestätigten die bekannte hohe körperliche Belastung. Mehr als die Hälfte der Pflegekräfte klagte über Rückenschmerzen. Hautprobleme, eine Folge der häufigen Verwendung von Desinfektionsmitteln, wurden auch von Ärzten häufig genannt. Für die Mediziner überwog allerdings der psychische Stress: Über 70 Prozent gaben an, häufig unter Zeitdruck arbeiten zu müssen, was allerdings auch den Akademikern der Vergleichsfirma nicht unbekannt war. Auch eine erhöhte nervliche Anspannung war in den Führungspositionen der anderen Firma verbreitet.

Im Unterschied zu ihren Akademikerkollegen gaben Ärzte im Krankenhaus aber häufiger an, bei der Arbeit “erschöpft” zu sein. Dieses Problem nannte 2005 fast die Hälfte aller Ärzte (47,4 Prozent), während es unter den anderen Akademikern nur jeder fünfte (19,7 Prozent) war. Für Dr. Schmid ist dieser Befund eine mögliche Erklärung für das vermehrte Auftreten von Burn-out bei Ärztinnen und Ärzten. Einen möglichen Grund fand der Arbeitsmediziner in den Antworten der Ärzte zu ihrer Arbeitssituation: In der Befragung 2005 beklagten sich 84 Prozent der Mediziner darüber, bei der Arbeit häufig gestört und unterbrochen zu werden. Auch das Gefühl “übergangen” oder “nicht ernst genommen” zu werden, kannten Ärzte, aber auch Pflegepersonal häufiger als die Beschäftigten der beiden Vergleichsfirmen. Dr. Schmid fordert deshalb Konsequenzen bei der Arbeitsorganisation, der Arbeitszeitgestaltung und der Pausenregelung. Vor allem die Ärzte hatten hierzu in den Fragebögen einige Anregungen gegeben.

Dass das Betriebsklima in Krankenhäusern grundsätzlich verbessert werden muss, zeigt sich für Dr. Schmid auch in den Antworten der Verwaltungsangestellten aus der Klinik. Sie klagten wie das Pflegepersonal häufig über Rückenschmerzen. Frustration und Demotivation wurden deutlich häufiger angegeben als von den Angestellten des Finanzdienstleisters, obwohl beide von der Aufgabenstellung her den gleichen Büro-Job haben. Auch in der Klinikverwaltung besteht für Dr. Schmid deshalb ein Handlungsbedarf zur Verbesserung des Betriebsklimas und der Wertschätzung der Arbeit.

K. Schmid et al.:
Welche Berufsgruppen an einem Klinikum sind besonders beansprucht? Ein Vergleich mit anderen Branchen.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2011; 136 (30/31): S. 1517-1522

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