Darmkrebs: Männer sollten früher zur Vorsorge

Stuttgart, März 2012 – Männer erkranken früher an Darmkrebs als Frauen und die Erkrankung verläuft bei ihnen intensiver. Sie sollten deshalb ihr Recht auf Vorsorgeuntersuchungen rechtzeitig in Anspruch nehmen, raten Experten in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2012).

Seit 2002 haben alle Bundesbürger in Deutschland ab 50 Jahren den Anspruch auf ein kostenloses Beratungsgespräch beim Arzt und einen Stuhltest. Mit 55 Jahren können sie eine Darmspiegelung durchführen lassen. Leider nehmen Männer seltener an der Krebsvorsorge teil als Frauen, berichtet Professor Jürgen Riemann, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung LebensBlicke, die sich seit 1998 für die Darmkrebsfrüherkennung einsetzt. Männer fühlen sich gegenüber Erkrankungen besonders stark, und sie überschätzen sich in Bezug auf körperliche Beeinträchtigungen, schreiben Professor Riemann und Dr. Webendörfer. Dabei tritt nach der aktuellen Datenlage der Darmkrebs bei Männern um Jahre früher auf als bei Frauen. Eigentlich, so die Experten, müssten Männer fünf Jahre früher zur Darmkrebsvorsorge. Die Autoren fordern deshalb eine spezielle gesetzliche Regelung für Männer.

Solange Männer bei der Darmkrebsvorsorge keine Sonderrechte haben, sollten sie die Untersuchungen so früh wie möglich in Anspruch nehmen, raten die Experten. Eine Möglichkeit, Männer zu motivieren sei eine betriebliche Darmkrebsvorsorge. Die bisherigen Untersuchungen, beispielsweise bei der BASF in Ludwigshafen, würden die Effektivität eines solchen Darmkrebsscreenings belegen, so Riemann und Webendörfer. Die Experten sprechen sich auch für ein Einladungsverfahren wie beim Brustkrebs-Screening aus. Polen und Österreich hätten damit gute Erfahrungen gemacht. Die Zahl der Teilnehmer könne dadurch fast verdoppelt werden.

„Männer und Darmkrebs“ ist das Motto des diesjährigen Darmkrebsmonat März 2012, in dem Stiftung LebensBlicke gemeinsam mit der Felix Burda Stiftung umfassend über die Möglichkeiten der Darmkrebsfrüherkennung informieren. Die Kampagne richtet sich auch an die Frauen und Partnerinnen, die ihre Männer und Partner zur Inanspruchnahme von Vorsorgeleistungen motivieren sollen.

J. F. Riemann, S. Webendörfer:
Darmkrebsmonat März 2012: Männer im Fokus.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2012: 137 (08): S. 361

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