Diabetes Typ 2: Mit Motivationstraining die Blutzuckerwerte verbessern

Stuttgart, März 2012 – Ein Mental-Training kann Menschen mit der Zuckerkrankheit Typ-2-Diabetes mellitus den notwendigen Motivationsschub verleihen, ihren Lebensstil zu ändern und dadurch ihren Stoffwechsel zu verbessern. In einer Studie, die Ärzte jetzt in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2012) veröffentlicht haben, erzielten die Teilnehmer eine Verbesserung der Blutzuckerwerte, die mit einer medikamentösen Therapie vergleichbar sind.

Die meisten Typ-2-Diabetiker wissen, dass Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung wesentliche Ursachen ihrer Erkrankung sind. Sie sind darüber informiert, dass eine Änderung des Lebensstils den Blutzucker senken und manchmal auch gänzlich normalisieren kann. Viele Betroffene sind auch grundsätzlich bereit, eine Umstellung ihres Lebensstils in Angriff zu nehmen, berichtet Professor Stephan Martin vom Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrum, Düsseldorf: Doch häufig schaffen sie es nicht aus eigener Kraft, sich zu motivieren und auch längerfristig den geänderten Lebensstil beizubehalten.

Ein spezielles „Mentness-Training“, das die Deutsche Fachgesellschaft für Neuromentale Medizin, Stresstherapie und Gesundheitscoaching e.V. in Essen entwickelt hat, soll den Diabetikern helfen ihr Leben zu ändern. Im ersten Schritt analysiert eine Mentaltrainerin –eine zu diesem Zweck ausgebildete Diabetesberaterin – in welchem Bereich der Lebensgewohnheiten das höchste Gesundheitsrisiko besteht. Dann wird bestimmt, wie hoch das Gesundheitsbewusstsein und die generelle Veränderungsbereitschaft sind.

Daraus stricken die Mentaltrainerinnen dann ein individuelles Trainingsprogramm, das die Teilnehmer täglich für zehn bis 15 Minuten am Computer absolvieren. Bei dem Mentness-Training geht es ausschließlich um die persönliche Einstellung zur Erkrankung, erläutert Professor Martin: Das Ziel ist, negative Haltungen gegenüber „lästigen gesunden“ Verhaltensweisen in positive umzuwandeln. So könne beispielsweise die innere Einstellung „Ich kann mich nicht aufraffen. Ich bin zu bequem.“ durch persönlich angepasste Motivationssätze wie „Ich kann mich jederzeit aufraffen, es liegt nur an mir.“ ins Positive verändert werden. Am Ende sind die Patienten stolz auf sich, wenn sie anstelle des Fahrstuhls die Treppen benutzen. Je nach Risikoscore des Teilnehmers betreffen die Motivationssätze verstärkt einen der Bereiche Bewegung, Ernährung oder auch die Stressbelastung.

Vor drei Jahren hatten Professor Martin und Mitarbeiter bereits in einer kleineren Pilotstudie zeigen können, dass das Mentness-Training Menschen mit Typ-2-Diabetes dabei unterstützt, ihren ungesunden Lebensstil auf Dauer zu ändern. Jetzt konnten die Ärzte die Ergebnisse in einer größeren Gruppe von 61 Typ-2-Diabetikern an insgesamt zehn deutschen Diabeteszentren bestätigen. Professor Martin: Nach drei Monaten Mentness-Training hatten die Patienten im Durchschnitt 4,6 kg Gewicht abgenommen, der Body-Mass-Index wurde um 1,1 Einheiten gesenkt, der Taillenumfang um 3,5 cm vermindert. Viele hatten diese Werte auch bei einer Nachkontrolle nach drei und sechs Monaten halten können. Für Professor Martin hat das Mentness-Training deshalb das Potenzial, den Lebensstil nachhaltig zu ändern.

Auch die Blutzuckerwerte, die Blutfette und der bei vielen Typ-2-Diabetikern erhöhte Blutdruck besserten sich. Einige Patienten konnten am Studienende nach drei Monaten ihre Blutzuckertabletten reduzieren oder sogar absetzen, freut sich der Diabetologe. Die beste Wirkung wurde bei Patienten mit den ungünstigsten Ausgangswerten erzielt. Bei einem Blutzuckerlangzeitwert HbA1c von sieben Prozent oder höher kam es zu einem Rückgang um durchschnittlich 0,8 Prozentpunkte. Dies sind Ergebnisse, die laut Professor Martin durchaus mit der medikamentösen Therapie vergleichbar sind. Für den Experten ist das Mentness-Training deshalb eine sinnvolle Ergänzung zu der Diabetikerschulung, in der die Patienten lernen, ihren Blutzucker zu kontrollieren und ihre Therapie an den Blutzucker anzupassen.

K. Kempf, M. Dirk, H. Kolb, A. Hebestreit, G. Bittner, S. Martin:
Medizinisch-mentales Motivationstraining Da Vinci zur Unterstützung einer Lebensstilumstellung bei Typ-2-Diabetes.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2012: 137 (8): S. 362-367.

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