Dopamin: Schmieröl fürs motorische Lernen

Stuttgart, Oktober 2011 – Jeder, der schon einmal versucht hat, einen schwierigen Bewegungsablauf einzustudieren, weiß, dass das nicht unbedingt auf Anhieb gelingt. Sei es beim Sport, beim Musizieren oder bei Geschicklichkeitsspielen – bis eine neue Übung aus dem „Effeff“ beherrscht wird, kann es dauern. Was sich während dieser Übungsphase im Gehirn abspielt, erläutert der Neurowissenschaftler Frieder Beck in der Fachzeitschrift „physiopraxis“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2011).

„In den letzten Jahren wurden viele neue Einblicke in die Grundlagen des motorischen Lernens gewonnen“, sagt Beck, der sich an der Technischen Universität München unter anderem mit der Rolle der Überträgersubstanz Dopamin beschäftigt. Beim motorischen Lernen scheint diese Substanz, die hauptsächlich im Mittelhirn produziert wird, ein zentraler Akteur zu sein. Beck veranschaulicht die Lernvorgänge und die damit einhergehenden Veränderungen im Gehirn am Beispiel des so genannten Ollie-Kickflips – einem Skateboard-Trick, bei dem das Brett sich im Sprung einmal um seine Längsachse dreht.

Seine große Stunde hat das Dopamin vor allem in der Anfangsphase, wenn der Skateboarder seine ersten Ollies versucht und auch die ersten Erfolge erzielt. Das Dopamin sorgt zum einen für die nötige Motivation zum Üben. Zum anderen veranlasst es andere Gehirnbereiche dazu, nach einem gelungenen Versuch Opioide freizusetzen und so den überraschenden Bewegungserfolg mit einem Glücksgefühl zu belohnen.

In dieser ersten Lernphase spielt die bewusste Bewegungsplanung eine wichtige Rolle. Die ersten Ollie-Versuche werden hauptsächlich über den Präfrontalen Cortex gesteuert, die oberste Kontroll- und Entscheidungsinstanz des Gehirns. Mit zunehmender Automatisierung wandert die Bewegungsrepräsentation im Gehirn nach „hinten“. Hierfür müssen Synapsen in anderen Hirnbereichen – dem Motorischen Cortex und den Basalganglien – ihre Übertragungseigenschaften verändern. „Dieser Vorgang wird durch den anfänglichen Dopaminschub gefördert“, erklärt Frieder Beck, der auch mit der praktischen Seite des motorischen Lernens vertraut ist und die Deutsche Ski-Freestyle Nationalmannschaft trainiert.

Wird der Skateboarder schließlich zum Ollie-Kickflip-Profi, ist der Präfrontale Cortex an der Bewegungsplanung und -ausführung letztlich nicht mehr beteiligt. „Ist die Bewegung hoch automatisiert, dann schütten die Dopamin-Neurone im Mittelhirn nach einem erfolgreichen Ollie nur noch wenig Dopamin aus“, schildert Beck die Veränderungen. Um dann doch noch einen Dopamin-Kick zu erleben, müsse der Skateboarder schon neue Herausforderungen suchen und deutlich schwierigere Tricks meistern – etwa einen Ollie über ein besonders hohes Hindernis.

F. Beck:
Dopamin-Kick für Ollie.
physiopraxis 2011; 9 (7-8): S. 48-51

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