Helicobacter pylori: Wie man sich eines lästigen Magenkeims entledigt

Stuttgart, Juli 2011 – Der 1983 entdeckte Magenkeim Helicobacter pylori ist seit Urzeiten ein ständiger Begleiter des Menschen. Eine Therapie ist nur in den seltenen Fällen notwendig, in denen der Keim eine Krankheit verursacht. Seine Beseitigung, die Eradikation, erwies sich lange Zeit als schwierig. Neue Antibiotikastrategien sind jedoch meistens erfolgreich, erläutert ein Experte in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2011).

Mensch und Magenkeim blicken auf eine lange und zumeist friedliche Ko-Existenz zurück. Genetische Untersuchungen haben ergeben, dass Helicobacter pylori seit mindestens 58.000 Jahren den menschlichen Magen besiedelt, berichtet Dr. med. Benjamin Misselwitz vom Universitäts-Spital Zürich. Über lange Zeiträume war die Mehrheit der Menschen infiziert. Heute sind es in den Industrieländern dank der verbesserten Hygiene nur noch 20 bis 30 Prozent. Die Ansteckung, die während der Kindheit erfolgt, bleibt meistens folgenlos. Helicobacter pylori kann aber Magengeschwüre und Magenkrebs auslösen. Bei entsprechenden Beschwerden raten die Ärzte deshalb frühzeitig zu einem Eradikationsversuch.

Häufig wird die Infektion bei einer Magenspiegelung wegen einer Entzündung der Magenschleimhaut festgestellt. Der Nachweis des Erregers in einer Gewebeprobe gelingt laut Dr. Misselwitz mit beinahe hundertprozentiger Sicherheit. Gute Ergebnisse würden heute aber auch ohne Entnahme einer Gewebeprobe mit einem Harnstoff-Atemtest und dem Helicobacter-Stuhltest erreicht.

Zur Behandlung müssen die Infizierten über ein bis zwei Wochen zwei Antibiotika einnehmen. Am häufigsten werden heute Amoxicillin und Clarithromycin eingesetzt, berichtet Dr. Misselwitz. Beide Antibiotika wirken auf Bakterien in Zellteilung. Sie findet im Magen nur in einem nicht zu sauren Milieu statt. Deshalb müssen die Patienten als drittes Medikament einen starken Magensäureblocker aus der Gruppe der Protonenpumpeninhibitoren einnehmen.

Diese sogenannte Tripletherapie ist nur bei etwa 80 Prozent der Patienten erfolgreich. Für ein Therapieversagen gibt es laut Dr. Misselwitz mehrere Gründe. Einige Patienten nehmen die Tabletten wegen der Nebenwirkungen nicht zuverlässig ein. In anderen Fällen sprechen die Antibiotika nicht an, weil die Bakterien resistent sind. Die Ursache kann eine frühere Antibiotikatherapie wegen anderer Infektionen sein. Ein dritter Grund ist eine genetisch bedingte verminderte Wirkung des Protonenpumpeninhibitors. Bei einer neuen Behandlungsstrategie führen die Ärzte vor Therapiebeginn einen Gentest und eine Resistenzprüfung durch. So können sie das geeignete Antibiotikum auswählen und die Dosis des Protonenpumpeninhibitors an den Bedarf anpassen. Diese allerdings kostspielige individualisierte Therapie erreicht eine Ausheilung von bis zu 96 Prozent, schreibt Dr. Misselwitz. Bei einer anderen Strategie, der sequenziellen Therapie, nimmt der Patient die Antibiotika nicht gleichzeitig, sondern nacheinander ein. Diesen Doppelschlag übersteht Helicobacter pylori häufig nicht. Auch die Gabe eines dritten Antibiotikums oder die zusätzliche Behandlung mit einem Bismuthsalz kann nach Einschätzung von Dr. Misselwitz die Chancen auf eine vollständige Keimbeseitigung verbessern.

B. Misselwitz et al.:
Neue Möglichkeiten der Helicobacter-pylori-Behandlung mit Antibiotika.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2011; 136 (28/29): S. 1479-1484

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