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    Herz-Judo ist eine Mischung aus Bewegungstherapie und Judo-Elementen. © williamrobson Fotolia

     

Kampfsport fürs Herz

fzm, Stuttgart, Mai 2016 – Fünfmal pro Woche Ausdauertraining und dreimal pro Woche Krafttraining, so lautet eine Reha-Empfehlung für Patienten mit Herzerkrankungen. „So viel sportliche Betätigung kann man nur leisten, wenn man wirklich sehr motiviert ist“, sagt Professor Dr. Dr. Dr. Wolfgang Mastnak, Präsident des Österreichischen Herzverbands. Seiner Erfahrung nach geben viele Patienten die konventionelle Bewegungstherapie daher rasch wieder auf. Als Alternative hat Mastnak deshalb das sogenannte Herz-Judo entwickelt. In der Fachzeitschrift „physiopraxis“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2016) stellt er das neue Trainingsprogramm vor.

„Herz-Judo ist eine Kombination aus Bewegungstherapie und Judo-Elementen“, erklärt Mastnak, der bei der Entwicklung des Programms mit verschiedenen Einrichtungen und Herzsportgruppen zusammengearbeitet hat. Damit spreche das Training vor allem Patienten an, die im Körperkontakt mit anderen trainieren möchten und gerne „zupacken“. Echte Kampfeslust dürfe während der Übungen allerdings nicht aufkommen, denn es gelte, Verletzungen und einen unkontrollierten Blutdruckanstieg zu vermeiden. Würfe werden daher nur angesetzt und nicht vollzogen, Krafteinsatz und Widerstand genau dosiert. Wie bei klassischen Herzsportgruppen auch, sollte für Notfälle ein Arzt anwesend oder gut erreichbar sein. Zusätzlich enthält das Trainingsprogramm auch einfache Übungen für zu Hause.

Im Laufe der Reha werden die Art der Übungen, der Kraftaufwand, mit dem sie durchgeführt werden, und die Zahl der Wiederholungen der Konstitution des Patienten angepasst. „Wer körperlich fit genug und motiviert ist, kann später zum klassischen Judo-Training wechseln“, sagt Wolfgang Mastnak. Je nach Voraussetzungen und Konstitution sei das nach etwa einem Jahr der Fall.

Beim Herz-Judo trainieren die Patienten sowohl ihre Kraft als auch ihre Ausdauer. „Durch die Komplexität der Sportart werden fast alle Muskelgruppen angesprochen“, schildert Mastnak die Vorzüge des Trainings. Die Judo-Elemente kräftigen unter anderem die schräge Bauchmuskulatur, die Rückenstrecker, die Muskulatur des Schultergürtels und den Oberschenkelstrecker.

Wie Mastnak beobachtet hat, finden vor allem Patienten Gefallen am Herz-Judo, die zuvor noch nie mit Judo zu tun hatten. Ein besonderer Reiz gehe wohl davon aus, etwas Neues zu lernen – das werde als jugendlich und zukunftsweisend empfunden. Diese positive Einstellung könne sich auch unter psychologischen Gesichtspunkten günstig auf den Reha-Verlauf auswirken, so Mastnak.
Die Grundidee der lebensbegleitenden Reha ist es, die Patienten nicht zum Sport zu überreden. Vielmehr sollten ihnen Sportarten angeboten werden, die sie von sich aus gerne ausüben. Herz-Judo motiviert die Patienten auch deshalb so gut, weil sie es nicht mit Klinik und Reha assoziieren, so Wolfgang Mastnaks Erfahrung. „Dem Judo-Training haftet einfach kein „Krankheits-Etikett“ an.“

W. Mastnak:
Schwarzer Gürtel für das Herz
physiopraxis 2016; 14 (4); S.54–56