Umfrage: Mehrheit der Allgemeinmediziner bereit, auf dem Land zu arbeiten

Stuttgart, August 2011 – Bereits heute leben mehr Rentner in der Bundesrepublik als Kinder und Jugendliche. In dieser alternden Gesellschaft steigt der Bedarf an ärztlicher Versorgung zunehmend. Doch in ländlichen Gebieten besteht schon jetzt ein Ärztemangel, insbesondere in der hausärztlichen Versorgung. Um die Erwartungen der nachrückenden Fachärzte an ihre Tätigkeit zu kennen und sie künftig mit gezielten Angeboten für eine Niederlassung auf dem Land motivieren zu können, starteten Experten von April bis Oktober 2010 eine Online-Umfrage bei Ärzten in Weiterbildung – mit überraschendem Ergebnis: 77 Prozent sind bereit, sich auf dem Land niederzulassen. Die Studie präsentieren sie in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2011).

An der Umfrage des Universitätsklinikums Heidelberg und des Kompetenzzentrums Allgemeinmedizin Baden-Württemberg nahmen 492 Ärzte in Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin teil. In 25 Fragen mussten sie Auskunft über ihre Vorstellungen zur künftigen Tätigkeit, Kriterien hinsichtlich späterer Niederlassung auf dem Land und gewünschten Rahmenbedingungen zum dortigen Alltagsleben geben. Über die Hälfte der Befragten war weiblich und 43 Prozent über 35 Jahre.

Das Ergebnis der Studie ist vielversprechend: 89 Prozent der Teilnehmer können sich eine Niederlassung als Allgemeinmediziner vorstellen, über zwei Drittel grundsätzlich sogar auf dem Land. Jeweils die Mehrheit war bereit, bis zu 30 Minuten für den Weg zur Arbeit und zum Hausbesuch aufzuwenden sowie 60 Minuten zu kulturellen Angeboten oder Fortbildung zu investieren.

Für diese Bereitschaft fordern die künftigen Fachärzte jedoch, dass ihnen ein familienfreundliches Umfeld zur Verfügung steht, der Ort und dessen Infrastruktur ihren Ansprüchen gerecht wird und die Möglichkeit besteht, mit mehreren Kollegen zusammenzuarbeiten. 70 Prozent der Befragten glauben außerdem, dass der Lebenspartner auf dem Land ggf. keine passende Beschäftigung finden würde. Auch Geld spielt für zwei Drittel der Befragten eine Rolle: So sehen über 40 Prozent ein Nettoeinkommen von 8 000 Euro als angemessen an.

Wenn die von Ärztemangel betroffenen Kommunen geeignete Rahmenbedingungen für künftige Ärzte und ihre Familien schaffen, sei die Bereitschaft der Allgemeinmediziner auf dem Land zu arbeiten durchaus gegeben, resümieren die Experten ihre Studie. Hierauf gelte es nun, mit Hilfe dieser Erkenntnisse geeignete Strategien zu entwickeln, um junge Mediziner für das Landleben zu begeistern und weiterhin eine medizinische Versorgung der dortigen Bevölkerung zu gewährleisten.

J. Steinhäuser et al.:
Lösungsansätze gegen den Allgemeinarztmangel auf dem Land – Ergebnisse einer Online-Befragung unter Ärzten in Weiterbildung.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2011; 136:

S. 1715–1719

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