Noroviren und Krätzmilben in Kliniken: Häufig ebnet das Personal Erregern den Weg zum Patienten

fzm, Stuttgart, April 2016 – Noroviren, Darmbakterien, aber auch Krätzmilben können sich schnell in Krankenhäusern ausbreiten. Besonders problematisch ist es, wenn sich das Personal nicht an Hygieneregeln hält oder nach einer eigenen Erkrankung zu früh die Arbeit wieder aufnimmt. Das ergab die erste Auswertung von Daten des seit 2013 geführten Ausbruchsregisters des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene, die jetzt in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2016) veröffentlicht wurden.

Das Deutsche Beratungszentrum für Hygiene am Universitätsklinikum Freiburg hilft deutschlandweit Krankenhäusern bei der Bekämpfung von Krankheitserregern. Ein Hygieneteam besucht die betroffenen Kliniken und fahndet vor Ort nach dem Ausgangspunkt häufig auftretender Infektionen. Seit Ende 2013 trägt das Team um Privatdozent Sebastian Schulz-Stübner seine Erfahrungen in einem „Ausbruchregister“ zusammen. Die erste Auswertung umfasst die Daten von Beginn der Aufzeichnung bis Januar 2015.

Noroviren verursachen mit Abstand die meisten Krankheitsausbrüche, gefolgt von multiresistenten gramnegativen Erregern, darunter am häufigsten Enterobacter cloacae. Die Bakterien können Lungen-, Wund- oder Harnwegsinfektionen auslösen. Auch Grippe-Viren breiteten sich in Kliniken rasch aus. Problematisch sei, dass alle Klinikmitarbeiter, die an Influenza erkrankten, nicht geimpft waren. Die Impfquote liege bei medizinischem Personal international nur bei 30 Prozent, beklagt Dr. Schulz-Stübner.

Ausbrüche von Infektionen mit Noroviren kamen besonders häufig vor. Nach Erfahrung von Dr. Schulz-Stübner erscheinen Ärzte und Pfleger nach dem Ende der Durchfallerkrankung oft zu früh wieder am Arbeitsplatz. Die Freiburger Hygieneexperten empfehlen deshalb eine strikte Einhaltung der entsprechenden Karenzzeiten. Bei Ausbrüchen von Noroviren, die sich besonders lang hinzogen, wurden Hygienemängel gefunden: das Personal vergaß nach dem Ausziehen der Handschuhe häufig, sich die Hände zu desinfizieren. Viele verließen zudem die Patientenzimmer mit Schutzkleidung, um Material aus einem vor dem Zimmer abgestellten Wagen zu entnehmen.

Neben Viren und Bakterien gab es auch einen Ausbruch von Krätzmilben. Der Parasit gräbt kleine Tunnel in die Hautoberfläche – vorzugsweise an den Händen. In einem aufgezeichneten Fall erkrankten gleich acht Personen des Pflegepersonals. Diese taten sich laut den Experten mit der Behandlung – die bei allen Betroffenen gleichzeitig erfolgen muss – schwer. Auch bei Scabies-Ausbrüchen sind eine strikte Einhaltung der Therapie und die vorbeugende Behandlung von Betroffenen und Kontaktpersonen sowie eine längere Nachbeobachtungsphase wichtig, erläutert Dr. Schulz-Stübner.

S. Schulz-Stübner et al.:
Infektionen und Kolonisationen: Was können wir verbessern? – Erste Ergebnisse aus dem Ausbruchregister beim Deutschen Beratungszentrum für Hygiene
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2016; 141 (6); e47–e52