Schaufensterkrankheit: Katheterbehandlung kann die Durchblutung der Beine wieder herstellen

Stuttgart, Oktober 2011 – Bei der Behandlung der sogenannten Schaufensterkrankheit wagen sich Mediziner mit ihren Kathetern immer weiter in kleinere Arterien der Beine vor. Davon profitieren auch Patienten mit Diabetes, wie Experten in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2011) berichten. Deren Blutfluss konnte demnach in über 85 Prozent wieder hergestellt und somit in vielen Fällen das Bein erhalten bleiben.

Zwischen vier bis sieben Prozent der Erwachsenen leiden unter einer Verkalkung der Arterien in den Beinen. Bei Diabetikern beträgt der Anteil sogar bis zu 20 Prozent, erläutert Professor Norbert Weiss vom GefäßCentrum an der Technischen Universität Dresden. Ein häufiges Symptom ist die Schaufensterkrankheit: Die prekäre Sauerstoffversorgung in den Beinen führt nach kurzer Aktivität zu heftigen Schmerzen. Sie zwingen die Betroffenen beim Einkaufsbummel zu regelmäßigen Pausen.

Anfänglich helfen bei einer Claudicatio intermittens, wie Ärzte das Symptom nennen, noch ein Gehtraining und Medikamente. Professor Weiss: Im fortgeschrittenen Stadium kam bisher oft nur eine Operation durch den Gefäßchirurgen infrage. Heute können viele Arterien auch ohne Operation behandelt werden. Bei der Katheterbehandlung schieben die Mediziner von der Leiste aus einen Katheter in die Beinarterien, mit dem sie Engstellen dehnen und Blockaden beseitigen. Zukünftigen Verengungen kann durch Einlage einer Gefäßprothese, eines Stents, vorgebeugt werden.

Lange Zeit war die Behandlung nur in den großen Arterien im Becken- und Oberschenkelbereich erfolgversprechend. Hier sind Katheter und Stents heute international die bevorzugte Therapie, berichtet der Gefäßexperte: Eine Operation komme erst infrage, wenn eine Kathetertherapie nicht möglich ist oder erfolglos war.

Neuerdings können die Mediziner mit den Kathetern auch in die kleineren Arterien unterhalb des Kniegelenks gelangen. Hier kommt es bei Diabetikern häufig zu längeren Verschlüssen. Da bei den Diabetikern gleichzeitig Nervenschäden und Wundheilungsstörungen vorliegen, ist die Minderdurchblutung des Beines häufig kritisch: Unbehandelt führt diese Konstellation, in der Fachsprache Critical limb ischemia genannt, oft zur Amputation. Auch in dieser Situation sind Katheterbehandlungen heute erfolgreich, berichtet Professor Weiss: Der Blutfluss könne in über 85 Prozent wieder hergestellt werden. Die Chance, eine Amputation zu vermeiden, betrage in den ersten drei Jahren 77 bis 94 Prozent.

Inzwischen gibt es Stents, die mit Medikamenten beschichtet sind (drug eluting stents, DES). Sie sollen verhindern, dass die Stents in den ersten Monaten nach der Katheterbehandlung wieder zuwachsen. Die ersten Erfahrungen deuten auf einen messbaren Vorteil hin. Professor Weiss: Die Offenheitsrate ist nach drei Jahren fast fünffach höher als nach Einlage eines unbeschichteten Stents. Erneute Katheterbehandlungen lassen sich häufig vermeiden. Ob die DES auch die Amputationsrate vermindern, sei derzeit Gegenstand von Studien.

S. Werth, K. Halbritter, A. Mahlmann, N. Weiss:
Katheterinterventionelle Therapie bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit und diabetischer Angiopathie.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2011; 136 (40): S.1994-1997

Call to Action Icon
FZMedNews Bestellen Sie hier!