Jod und Folsäure ergänzen gesunde Ernährung in der Schwangerschaft

Stuttgart, Juli 2012 – Unter dem Motto: „Für zwei denken, aber nicht für zwei essen“ hat das Projekt „Gesund ins Leben - Netzwerk Junge Familie“ im Auftrag der Bundesregierung Ernährungsempfehlungen für Schwangere herausgegeben. Die wissenschaftlichen Grundlagen für die Kernaussagen wurden jetzt in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2012) veröffentlicht. Die Autoren betonen darin, dass der Mehrbedarf an Kalorien in der Schwangerschaft lediglich zehn Prozent beträgt. Im Gegensatz dazu benötigen Schwangere jedoch vergleichsweise mehr Nährstoffe und sollten etwa zusätzlich Jod und Folsäure einnehmen, um Schäden für Mutter und Kind zu vermeiden.

Etwa ein Drittel aller Frauen zwischen 20 und 39 Jahren in Deutschland sind übergewichtig oder fettleibig, berichten Professor Berthold Koletzko vom Dr. von Haunerschen Kinderspital an der Universität München und seine Kollegen. Unter der Schwangerschaft droht dann eine weitere dauerhafte Gewichtszunahme, da viele Schwangere den zusätzlichen Energiebedarf überschätzen. Gerade einmal zehn Prozent mehr Kalorien benötigen Schwangere, vor allem ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel. Als Beispiel nennt Professor Koletzko eine Scheibe Vollkornbrot mit Schnittkäse plus eine Tomate. Oder einen Becher fettarmen Jogurt mit einer Handvoll Beeren und drei Esslöffeln Müsli. Keinesfalls dürfen Frauen – nach einer häufigen Redensart – für zwei essen, sprich das Doppelte wie vor der Schwangerschaft.

Nur etwa zehn bis 16 kg sollte eine Frau während der Schwangerschaft an Gewicht zunehmen. Dass es nicht mehr werden, kann die Schwangere durch eine ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Bewegung verhindern, wobei die Autoren den Frauen bereits vor der Schwangerschaft zu einer Diät raten, nicht zuletzt im Hinblick auf den Kinderwunsch. Denn ein normales Körpergewicht erhöhe bei Frauen die Empfängnisbereitschaft, so Professor Koletzko, der Sprecher des wissenschaftlichen Beirats der neuen Empfehlungen ist. Während der Schwangerschaft könne eine ausgewogene Ernährung dann einen Schwangerendiabetes und einen Bluthochdruck verhindern. Übergewicht erhöht nach Auskunft der Experten zudem das Risiko auf eine Frühgeburt oder Geburtskomplikationen. Auch Spina bifida, Herzfehler und andere Fehlbildungen würden bei Kindern übergewichtiger Schwangerer häufiger beobachtet. Außerdem seien Kinder fettleibiger Mütter später häufiger selber dick und ihr Risiko an einem Typ-2-Diabetes mellitus zu erkranken sei erhöht.

Frauen, die während der Schwangerschaft bei der Ernährung Maß halten, müssen jedoch auf eine ausreichende Zufuhr von Mikronährstoffen achten. Bei Folsäure und Jod könne auch eine gesunde Ernährung den Bedarf nicht immer decken. Die Experten raten deshalb zur Einnahme von Tabletten, um die Kinder vor Schäden zu bewahren.

Die Gabe von Folsäure kann verhindern, dass ein Kind mit Neuralrohrdefekten wie Spina bifida zur Welt kommt. Sie entstehen in den ersten Wochen, wenn viele Frauen noch nichts von ihrer Schwangerschaft wissen. Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten täglich ein Folsäure-Supplement einnehmen, rät Professor Koletzko. Erhöht ist in der Schwangerschaft auch der Jodbedarf. Eine Unterversorgung könne sich negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken. Die Ernährungswissenschaftler empfehlen Schwangeren jodhaltiges Salz oder den Verzehr von Meeresfisch zweimal pro Woche. Dies deckt allerdings nicht immer den Tagesbedarf. Die Experten raten deshalb auch beim Jod zur Substitution – allerdings nur nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt, da Jodtabletten bei bestimmten Schilddrüsenerkrankungen zum Risiko werden.

Auch bei einer vegetarischen Ernährung sind bestimmte Vorsichtsmaßnahmen erforderlich. Eine ovo-lakto-vegetarische Kost – Eier und Milch sind erlaubt – deckt zwar den Bedarf an den meisten Nährstoffen. Eisen kann jedoch knapp werden. Nach entsprechender Blutuntersuchung und medizinischer Beratung sind manchmal Eisensupplemente erforderlich, berichtet der Experte. Vegetarier, die auch den Verzehr von Meeresfischen verzichten, benötigen zusätzlich Jod und eventuell auch Omega-3-Fettsäuren. Bei einer rein pflanzlichen Ernährung sind immer eine medizinische Beratung und Supplemente notwendig. Engpässe bestehen bei Energie, Eiweiß, Omega-3-Fettsäuren, Eisen, Kalzium, Jod, Zink und den Vitaminen B2, B12 und Vitamin D. Professor Koletzko: Die Gesundheitsrisiken für das Kind und die werdende Mutter sind bei veganer Ernährung hoch.

Koletzko, B. et al.:
Ernährung in der Schwangerschaft - Teil 1
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2012; 137(24): 1309-1314

Koletzko, B et al.:
Ernährung in der Schwangerschaft - Teil 2
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2012; 137(25/26): 1366-1372

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