Hitzschlag, Insektenstich oder Badeunfall: Tipps für die Tücken des Sommers

Stuttgart, Juli 2012 – Insektenstiche, Hitzschlag, Ertrinken – in der warmen Jahreszeit lauern zum Teil ganz andere Gesundheitsgefahren als im übrigen Jahresverlauf. Gut, wenn man auch als zufällig anwesender Ersthelfer auf die entsprechenden Situationen vorbereitet ist und angemessen reagieren kann. In der Fachzeitschrift „ergopraxis“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2012) hat die Autorin Mona Herz gemeinsam mit dem Notfallmediziner Peter Sefrin Tipps für die Akutversorgung einiger typischer Sommerverletzungen zusammengestellt.

Wie leicht man bei der Notfallbehandlung aus Versehen zu falschen Mitteln greifen kann, zeigt sich am Beispiel von Überhitzungen. Üblicherweise bekommen die Betroffenen einen roten Kopf, ihnen wird schwindlig und übel. „In diesen Fällen ist es ratsam, den Kopf zu kühlen und den Oberkörper hochzulagern“, sagen Herz und Sefrin. Das entlaste das Herz und senke den Hirndruck. Auch trinken tut den Betroffenen gut. Ganz anders ist die Lage, wenn der Betroffene bereits durch starken Flüssigkeitsverlust einen Schock erlitten hat: Er ist dann blass und hat einen schwachen Puls. In diesem Zustand sollte er flach gelagert werden, damit mehr Blut ins Gehirn gelangt. Entgegen den Erwartungen ist trinken dann zunächst tabu, denn im Schock wird die Flüssigkeit nicht aus dem Verdauungstrakt resorbiert, und der Patient erbricht sich möglicherweise.

Auch in anderen Situationen gibt es gut gemeinte Hilfsmaßnahmen, die man besser unterlassen sollte, wie die Autoren betonen. So sollte man etwa dem Impuls widerstehen, einem untergegangenen Menschen nach der Bergung rasch das Wasser aus der Lunge zu entfernen. „Durch heftige Bewegungen vermischt sich das warme Blut aus der Körpermitte mit dem kalten Blut aus der Peripherie“, erläutern Herz und Sefrin. Dadurch könne es zum Kreislaufstillstand und zum so genannten Bergungstod kommen.

Auch wenn sich jemand eine Scherbe in die Fußsohle getreten hat, kann man intuitiv leicht falsch reagieren. Während man kleinere, nur oberflächlich eingetretene Scherben entfernen sollte, gilt dies für große, tief sitzende Scherben nicht. Denn hier kann das Herausziehen zusätzliche Schäden verursachen, es können starke Blutungen auftreten und vermehrt Keime in die Wunde eindringen. Die Behandlung sollten Betroffene in diesen Fällen besser einem Arzt überlassen.

Herz und Sefrin gehen auch auf manche Hausmittel ein, die landläufig für die Behandlung von typischen Sommerverletzungen empfohlen werden. Der Verwendung von Zwiebeln und Zucker auf Insektenstichen etwa oder dem Aussaugen derselben erteilen die beiden Autoren eine klare Absage. Auch Stichsalben seien nicht immer effektiv. „Wenn es dem Betroffenen gut tut, sollte man einen Stich am besten einfach kühlen“, raten die Experten – bei Stichen im Mundraum auch von innen mit Speiseeis. Stiche im Mund- und Rachenraum und auf der Zunge seien aber durchaus auch ein Grund, den Notarzt zu rufen, denn die Schleimhäute können stark anschwellen und die Atemwege einengen.

Bei der Behandlung einer Quallenvernesselung liegt man mit den üblichen Hausmitteln dagegen durchaus richtig. „Es ist sinnvoll, die betroffenen Bereiche mit Sand abzureiben“, sagen Herz und Sefrin. Dadurch würden noch intakte Nesselkapseln entfernt. Auch die Behandlung mit Essig sei hilfreich, da die darin enthaltene Säure das Nesselgift neutralisiere. Der Kontakt mit Süßwasser sollte dagegen vermieden werden, da dieses die noch unversehrten Nesselkapseln zum Platzen bringt. Bei den meisten Sommerverletzungen gilt den Autoren zufolge: Im Zweifel lieber einmal zuviel als einmal zu wenig den Notarzt rufen!

M. Herz:
Wenn's brenzlig wird
ergopraxis 2012; 5 (6): S. 34-36

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