Tetanus: Impflücke bei älteren Menschen

fzm - Viele ältere Menschen in Deutschland sind nicht ausreichend durch Antikörper gegen Tetanus geschützt. Sie könnten bei einer Infektion jederzeit an einem tödlichen Wundstarrkrampf erkranken. In der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2011) fordern Mediziner daher, den Impfstatus bei Älteren zu erfassen.

Verursacher des Wundstarrkrampfs sind Bakterien vom Stamm Clostridium tetani, die im Erdreich, aber auch im Straßenstaub vorhanden sind. Gelangen sie in eine Wunde, können sie unter Luftabschluss ein tödliches Gift, das Tetanustoxin, bilden. Im Fall einer Erkrankung sind die Ärzte oft machtlos. Der Wundstarrkrampf verläuft auch heute noch in jedem zweiten Fall tödlich, berichten Professor Herbert Hof und Dr. med. Jan Bartel vom Labor Limbach in Heidelberg. Zwar würden jedes Jahr nur etwa zehn Erkrankungen bekannt. Da es jedoch keine generelle Meldepflicht gebe, sei die Zahl der Erkrankungen in Wirklichkeit höher.

Gefährdet sind vor allem ältere Menschen, so die beiden Autoren. Sie haben aufgrund von Venenleiden häufig “offene Beine” oder sie leiden aufgrund eines Diabetes mellitus an Geschwüren, über die die Erreger leicht in den Körper eindringen können. Dort treffen die Bakterien auf ein Immunsystem, dem zur Abwehr die notwendigen Antikörper fehlen. Das Heidelberger Labor untersuchte im Zeitraum von einem Jahr etwa 3000 Blutproben auf Tetanus-Antikörper. Jüngere Erwachsene sind zu etwa 90 Prozent ausreichend geschützt, schreiben Hof und Bartel. Doch ab dem 50. Lebensjahr steigt die Zahl der gefährdeten Menschen. Im Alter über 80 Jahren sind 30 bis 50 Prozent ohne ausreichenden Antikörperschutz.

Eine Alterung des Immunsystems können die beiden Experten als Ursache ausschließen. Ihre Laboranalysen zeigen, dass alte Menschen sogar mehr Antikörper haben als junge Erwachsene. Es fehlen aber die Tetanus-Antikörper. Befragungen haben ergeben, dass vor allem im hohen Alter ein erheblicher Anteil der Personen nicht regelrecht gegen Tetanus geimpft ist, beklagen Hof und Bartel. Sie raten älteren Menschen deshalb die Tetanus-Impfung regelmäßig aufzufrischen. Ältere Menschen sollten sich sogar häufiger nachimpfen lassen als junge Menschen, da die Fähigkeit der Immunzellen neue Antikörper zu bilden nachlässt und die Konzentration deshalb schneller wieder abfalle.

H. Hof, J. Bartel:
Fehlende Immunität gegen Tetanus im Alter.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2011; 136 (4):
S. 148-150

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