• Ein Mann hält in der einen Hand viele Tabletten, in der anderen ein Wasserglas. © Printemps/ Adobe.Stock.com

    Senioren nehmen häufig mehrere Medikamente ein. Ein Medikationsplan hilft ihnen, den Überblick zu behalten. © Printemps/ Adobe.Stock.com

     

Wissen über verordnete Medikamente bei älteren Patienten häufig lückenhaft

Viele ältere Menschen kennen den Namen der Medikamente, die ihnen der Hausarzt verschrieben hat. Warum sie die Tabletten benötigen und in welcher Dosierung sie sie einnehmen sollen, wissen sie jedoch häufig nicht. Dies ergab eine Querschnittstudie in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2018). Ein weiteres Ergebnis: Ein Medikationsplan hilft Patienten – vorausgesetzt sie nutzen ihn auch.

Drei Viertel aller Patienten, die Forscher der Universitätsmedizin Greifswald an zehn Hausarztpraxen in Südniedersachsen und Thüringen befragen ließen, nahmen drei oder mehr Medikamente ein. Bei der Hälfte waren es sogar fünf oder mehr. Bei dieser Anzahl an verordneten Arzneimitteln stellt sich die Frage, inwieweit die im Durchschnitt 65 Jahre alten Patienten den Überblick behalten.

Tatsächlich stimmten die Angaben der Patienten zur Einnahme ihrer Medikamente nur zu 54 Prozent mit den Einträgen des Arztes in den Krankenakten überein. Das belegt die Arbeit der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Simone Kiel (M.Sc.) und Kollegen des Instituts für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald. Am häufigsten, nämlich zu 75 Prozent, konnten die Patienten die Namen ihrer Medikamente korrekt benennen. Für welche Erkrankung sie die Mittel benötigen, wussten dagegen nur 47 Prozent der 673 Studienteilnehmer.

Im Rahmen der Umfrage, die entweder persönlich in der Arztpraxis, schriftlich oder telefonisch erfolgte, haben die Wissenschaftler nach den Ursachen für die geringe Kenntnis der Patienten gesucht. Dabei zeigte sich, dass Senioren mit einer höheren Schulbildung die Namen der Medikamente und die Einnahmefrequenz vergleichsweise korrekt wiedergeben konnten. Als gute Gedächtnisstütze gilt auch der Medikationsplan, der im Oktober 2016 bundeseinheitlich eingeführt wurde und den die Hausärzte allen Patienten ausstellen sollen.

Die Umfrage fand jedoch vor der Einführung statt, sodass nur 65 Prozent der Patienten auf einen solchen Plan zurückgreifen konnten. Diejenigen, die ihn nutzten, waren bei der Befragung häufiger in der Lage, richtige Angaben zu ihren Medikamenten zu machen. Den Namen der Arzneimittel konnten sie 3,16-fach häufiger nennen als Patienten ohne Medikationsplan. Die Dosierung wurde 2,65-fach öfter korrekt genannt, und die Einnahmehäufigkeit stimmte 2,03-fach häufiger.

Kiel regt angesichts der Ergebnisse eine intensive und regelmäßige Aufklärung der Patienten durch den Allgemeinarzt und eine stärkere Einbindung von Apothekern an. Auch technische Lösungen seien vorstellbar. Kiel führt als Beispiel Schweden an, wo alle Krankenhäuser, Arztpraxen und psychiatrischen Einrichtungen die elektronische Gesundheitsakte zum Informationsaustausch nutzen. Dort könnten die Beteiligten jederzeit einsehen, welche Medikamente die Patienten erhalten.

Ein Papier-Medikationsplan sei dennoch wichtig, meint Kiel. Er sei für viele Patienten eine wichtige Erinnerungsstütze und könne beim Arztbesuch und in Notfällen vorgelegt werden – wenn die Patienten ihn denn bei sich führen.

S. Kiel et al. :
Auskunftsfähigkeit von Patienten über ihre ärztlich verordneten Medikamente – Eine Querschnittstudie in zehn Allgemeinarztpraxen.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2018; 143 (21); e188–e196

 

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