• Eierstöcke der Frau, © blueringmedia/Adobe.Stock.com

    Pro Jahr erkranken rund 4500 Frauen neu an Gebärmutterhalskrebs, dem sogenannten Zervixkarzinom. © blueringmedia/Adobe.Stock.com

     

Gebärmutterhalskrebs: Vielversprechende Kombination aus Antikörper und Zytostatika lässt Tumore schrumpfen

fzm, Stuttgart, August 2018 – Der Antikörper Bevacizumab, der die Blutversorgung von Krebstumoren behindert, kann bei Frauen mit fortgeschrittenem Gebärmutterhalskrebs den Tumor so weit verkleinern, dass eine Operation möglich wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine klinische Studie, die aktuell in der Fachzeitschrift „Geburtshilfe und Frauenheilkunde“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2018) erschienen ist. Teilweise war der Tumor in der bildgebenden Diagnostik mittels Magnetresonanztomographie nicht mehr nachweisbar.

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 4500 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. In der Regel versuchen Mediziner das sogenannte Zervixkarzinom operativ zu entfernen. Das ist jedoch nicht mehr möglich, wenn der Tumor sich bereits weiter ausgebreitet hat. Ist das der Fall, setzen Onkologen in der Regel auf eine Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie, die sogenannte Radiochemotherapie. Alternativ kann auch eine primäre Chemotherapie gefolgt von einer Operation durchgeführt werden. Ziel dieser neoadjuvanten Therapie ist es, den Tumor am Gebärmutterhals so weit zu verkleinern, dass er operativ entfernt werden kann. Des Weiteren soll so die Prognose der Patientinnen verbessert werden.

An der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde der Universität Köln haben Mediziner jetzt untersucht, ob die Ergebnisse der neoadjuvanten Chemotherapie durch die zusätzliche Infusion des Antikörpers Bevacizumab verbessert werden können. Bevacizumab tötet die Tumorzellen nicht direkt ab, kann aber die Bildung neuer Blutgefäßen verhindern, welche die Tumore für ein weiteres Wachstum benötigen. Wenn sich Krebszellen vermehren, setzen sie den speziellen Wachstumsfaktor VEGF (vascular endothelial growth factor) frei. Bevacizumab bindet VEGF und verhindert so die Bildung neuer Blutgefäße.

Bevacizumab hat in den letzten Jahren bei verschiedenen Krebserkrankungen gute Ergebnisse erzielt, berichten die Erstautoren Dr. Julian Puppe und Philip Junker. Auch zur Behandlung des Zervixkarzinoms ist Bevacizumab seit einigen Jahren zugelassen. Es wird derzeit jedoch nur im metastasierten Stadium der Erkrankung eingesetzt. In Köln erhielten die Patientinnen den Antikörper jetzt erstmals in einer klinischen Studie als neoadjuvante Therapie zur Vorbereitung auf eine Operation.

An der Studie nahmen 30 Patientinnen teil. Alle erhielten, wie dies derzeit der Standard ist, zwei Zytostatika (Cisplatin plus Docetaxel/Topotecan). 14 Patientinnen behandelten die Mediziner zusätzlich mit Bevacizumab. Bei sechs von ihnen konnten die Ärzte den Tumor vor der OP nicht mehr der bildgebenden Diagnostiknachweisen. In der Gruppe der Patientinnen, die ausschließlich Zystostatika erhielten, konnte nur bei zwei Patientinnen eine sogenannte klinische Komplettremission erreicht werden.

Zudem reduzierte sich die Tumorgröße in der Bevacizumab-Gruppe insgesamt besser als in der Vergleichsgruppe. So wurde hier der längste Durchmesser mit 2,5 Zentimetern gegenüber 3,7 Zentimetern in der Vergleichsgruppe gemessen. Bei allen Patientinnen der Bevacizumab-Gruppe, aber nur bei 12 von 16 Patientinnen der Vergleichsgruppe, wiesen die Wissenschaftler im Tumorgewebe weniger bösartige Zellen nach als vor der Behandlung. Bei vier Patientinnen der Bevacizumab-Gruppe und sechs Patientinnen der Vergleichsgruppe konnten in der pathologischen Untersuchung keine Krebszellen mehr festgestellt werden.

Die Ergebnisse sind für die Kölner Ärzte vielversprechend, zumal die meisten Patientinnen Bevacizumab gut vertragen haben. Keine musste die Therapie wegen Nebenwirkungen vorzeitig abbrechen. Nach Einschätzung der Krebsexperten sollte deshalb die Wirksamkeit der neoadjuvanten Bevacizumab-Kombinationstherapie in weiteren Studien untersucht werden.

P. Junker et al.:
Neoadjuvante Therapie des Zervixkarzinoms mit dem Angiogeneseinhibitor Bevacizumab: eine monozentrische Auswertung.
Geburtshilfe und Frauenheilkunde 2018; 78 (8); 768–775