YORA und LORA: Wie Gelenkrheuma sich im Alter verändert

Stuttgart, September 2009 – Im Alter nimmt nicht nur die Zahl der Menschen mit Gelenkrheuma, der rheumatoiden Arthritis zu, auch die Erkrankung selbst verändert sich. Das Altersrheuma an den Gelenken wird oft erst spät erkannt, obwohl eine frühzeitige Therapie wie bei der Frühform die Zerstörung der Gelenke verhindern könnte, erläutern Rheumaexperten in der Fachzeitschrift "DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2009).

Ob LORA (für late onset rheumatoid arthritis), wie Mediziner die entzündlich-rheumatische Erkrankung nennen, die erst im höheren Lebensalter auftritt, tatsächlich eine eigene Krankheit ist und von der in jüngeren Lebensjahren auftretenden YORA (young onset rheumatoid arthritis) getrennt werden muss, ist nach Ansicht der Professorin Dr. med. Erika Gromnica-Ihle, Berlin und ihren Kollegen vom Deutschen Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ) nicht restlos geklärt. Fakt sei jedoch, dass das Gelenkrheuma einen anderen Verlauf nehme, wenn es erstmals im Seniorenalter auftritt. Statt vieler kleiner Handgelenke seien dann oft wenige oder einzelne große Gelenke betroffen, so die langjährige Chefärztin der Rheumaklinik Berlin-Buch, die jetzt eine eigene Praxis betreibt. Viele Patienten klagen gleichzeitig über Muskelbeschwerden, was die Ärzte häufig auf die falsche Fährte führt. Die Diagnose wird in der Regel erst spät gestellt, zumal auch der Rheumafaktor im Blut oft fehlt, erläutert die Ärztin. Viele Patienten werden zunächst wegen eines Muskelrheumas behandelt. Weitere Fehldiagnosen seien die Arteriitis temporalis – eine mit Kopfschmerzen einhergehende Schwellung der Schläfenarterie –, Gicht, Schuppenflechte mit Gelenkbeteiligung oder ein Gelenkverschleiß.

Die Schäden am Gelenkknorpel können bei der Spätform des Gelenkrheumas größer sein als bei der YORA, berichtet die Medizinerin. Eine rechtzeitige Diagnose ist wichtig, weil das Fortschreiten der Gelenkzerstörung durch eine Behandlung mit sogenannten Basistherapeutika oft aufgehalten oder verlangsamt werden kann. Prinzipiell können LORA-Patienten die gleichen Medikamente erhalten wie YORA-Patienten, erklärt Gromnica-Ihle. Die sogenannte Kerndokumentation, eine regelmäßige Erhebung unter deutschen Rheumazentren zeigt jedoch, dass ältere Patienten seltener eine Basistherapie erhalten. Die Ärzte verzichten auch öfter auf den Einsatz der modernen Biologika, die direkt in den Krankheitsprozess in den Gelenken eingreifen.

Dies könnte laut Frau Professor Gromnica-Ihle daran liegen, dass viele ältere Patienten wegen anderer Erkrankungen bereits Medikamente einnehmen und die Wechselwirkungen mit den Rheumamitteln schwer abzuschätzen sind. Außerdem muss die Dosis an das Alter der Patienten angepasst werden. Insgesamt sind die Möglichkeiten der Rheumatherapie im Alter zu wenig untersucht, kritisiert die Expertin: Wir benötigen Empfehlungen für die medikamentöse Therapie des Gelenkrheumas im Alter.

D. Huscher et al.:
Die Rheumatoide Arthritis im Alter.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2009; 134 (36): S. 1766-1770

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