Besser und gesünder laufen: Neuer Schuh minimiert Fehlbelastungen

fzm, Stuttgart, November 2014 – Wir bewegen uns zu wenig. Dadurch verändert sich nicht zuletzt auch die Art wie wir gehen. Leider zum Nachteil: In vielen Fällen verschlechtert sich die Körperhaltung, Muskeln werden gering oder falsch beansprucht, Gelenke früher abgenutzt. Dabei soll Gehen eine angenehme Bewegung sein, findet Jan Swager van Dok. Der aus den Niederlanden stammende Physiotherapeut hat deshalb zusammen mit dem Schweizer Biomechaniker Tobias Schumacher einen neuartigen Schuh entwickelt: Der X10D, sprich „extend“, soll den Bewegungsablauf beim Gehen sanft optimieren und so dafür sorgen, dass seine Träger auch weite Strecken gerne und gut laufen. Welche physiotherapeutischen Überlegungen dahinter stehen, schildert er in der Fachzeitschrift „physiopraxis“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2014).

Schon für seine Masterarbeit am Thim van der Laan University College in Landquart in der Schweiz beschäftigte sich Jan Swager van Dok mit Details der Gangmotorik. „Diese Bewegungen werden vom Rückenmark aus gesteuert“, erklärt der Physiotherapeut, der seit 26 Jahren in der Schweiz lebt. Er arbeitet in einer Gemeinschaftspraxis in Grenchen und ist für Forschung und Entwicklung in der von ihm mitgegründeten GVB Shoetech AG zuständig. Für Swager van Dok steht fest, dass man sein Geh- und Laufmuster nicht bewusst ändern sollte - auch nicht durch Schuhe, die Muskeln aktivieren, die ursprünglich nicht für das Gehen vorgesehen sind.

Der X10D verfolgt daher ein andere Strategie: Er soll das Gehen wieder ökonomischer, also angenehmer, effizienter und weniger ermüdend machen. „Wir bewegen uns immer weniger, und unser Gang wird immer passiver und langsamer“, sagt Swager van Dok. Bewegungsmuffel neigen dazu, kürzere Schritte zu machen, die Spurbreite zu vergrößern, sowie Beine und Füße nach außen zu drehen. Die daraus resultierende Fehlbelastung wirkt sich nachteilig auf Haltung, Muskulatur und Gelenke aus.

Der neuartige Schuh soll es nun ermöglichen, dieses langsame, breite und passive Gangbild zu korrigieren. Erreicht wird dies durch zwei Führungselemente, die der Sohle oben und unten angelagert sind und härter sind als die Mittelsohle. Der Träger bekommt durch diese Elemente eine optimale Drucklinie vorgegeben, der sein Körperschwerpunkt automatisch folgt. Im Idealfall erreicht er so wieder ein physiologisches Gangmuster: Beim Abrollen landet der Fuß zunächst im Fersenbereich, anschließend wird der Körperschwerpunkt leicht nach außen verlagert. Beim Abrollen des Fußes verläuft der Druck zunächst an der Außenkante, schwingt dann jedoch im Bereich des Vorfußes zurück in die Mitte, und die Bewegung wird über die Spitze der Großzehe beendet.

Nachdem einige Prototypen erprobt worden waren und verschiedene wissenschaftliche Studien die positive Wirkung des X10D belegten, ist die Produktion 2013 angelaufen. Seit etwas mehr als einem Jahr ist der Schuh nun im Schweizer Handel erhältlich. Der X10D ist als Trainingsschuh konzipiert, lässt sich aber nach Swager van Doks Angaben nach einer kurzen Eingewöhnungszeit auch angenehm im Alltag tragen. Derzeit wird die therapeutische Wirkung des Schuhs in weiteren Studien untersucht - denn das Projekt soll sich nicht nur wirtschaftlich rentieren. „Das Hauptziel ist ein gesunder, leichter und effizienter Gang, damit der Mensch wieder gerne weite Strecken läuft. Wenn wir das schaffen, dann bin ich auch als Physiotherapeut zufrieden“, sagt Jan Swager van Dok.

J. Swager van Dok:
Gut gelaufen
Die Geschichte des X10D-Schuhs
physiopraxis 2014; 12 (10); S.35-37