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    Psychosomatische Reaktionen auf Stress können die Entwicklung einer Glaukom-Erkrankung negativ beeinflussen © Trueffelpix/stock.adobe.com

     

Diagnose Glaukom: Psychosomatische Aspekte in die Behandlung einbeziehen

fzm, Stuttgart, März 2021 - Das Glaukom, auch Grüner Star genannt, kann mitunter die Psyche der Betroffenen stark belasten: Die fortschreitende Schädigung des Sehnervs, die ohne adäquate Behandlung zur Erblindung führen kann, ängstigt sie. Viele fürchten sich vor einer möglichen Operation oder weiteren Einschränkungen beim Sehen. Psychosomatische Reaktionen auf Stress sowie eine individuelle psychische Überlastung können die Entwicklung einer Glaukom-Erkrankung negativ beeinflussen. Eine gute und umfassende Versorgung von Glaukompatienten muss deshalb auch psychosomatischen Aspekte mit einbeziehen, wie ein aktueller Beitrag in den „Klinischen Monatsblättern für Augenheilkunde“ darlegt (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2021).

Unter dem Begriff Glaukom fassen Augenärzte Erkrankungen zusammen, in deren Folge Fasern des Sehnervs absterben. Bei rund ein bis zwei Prozent der Menschen in Deutschland liegen solche Sehnervenschäden vor. Das Erkrankungsrisiko steigt dabei mit zunehmendem Lebensalter deutlich an und liegt bei den über 65-Jährigen bereits bei zwei bis vier Prozent. Rund jeder zehnte dieser Betroffenen hat schwere Sehstörungen, die bis zur Erblindung gehen können. „Glaukompatienten empfinden daher oft eine starke und anhaltende Krankheitslast“, sagt Gabriele Maria Emmerich, niedergelassene Augenärztin in Darmstadt und Autorin des Beitrags. Die Möglichkeit, das Augenlicht zu verlieren, ängstigt die Patienten. Infolge ihres schlechteren Sehvermögens geben sie oft ihre Hobbys auf, sind verunsichert und schränken ihre sozialen Kontakte ein. Raten Ärzte zu einer Operation, nehmen Unsicherheit und Ängste weiter zu.

Auch wenn jeder Patient anders mit der Krankheit umgeht, besteht doch bei allen die Gefahr, dass die fortwährenden Sorgen zu psychosomatischen Reaktionen führen, die sich wiederum negativ auf den Verlauf der Erkrankung auswirken. „Aus Studien ist bekannt, dass psychische Belastungen den Augeninnendruck beeinflussen und somit einen Bezug zum Glaukom haben“, erläutert Emmerich. Eine wichtige Rolle spielt hierbei der Hypothalamus im Zwischenhirn, der an der Regulation des Augeninnendrucks beteiligt ist. Diese Gehirnregion reagiert besonders empfindlich auf Stress und ist auch an der Steuerung anderer wichtiger Körperfunktionen wie der Kreislaufstabilität, der Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme oder des Schlafes beteiligt. „Es überrascht daher nicht, dass Glaukompatienten zudem oft unter Begleiterkrankungen leiden, die das Herz-Kreislauf-System betreffen. Häufig klagen sie auch über Schlafstörungen“, sagt Emmerich. Auch sei es plausibel anzunehmen, dass gestresste, überängstliche Patienten häufiger einen schlechteren Verlauf des Krankheitsbildes aufwiesen als Patienten, die bedacht reagieren und sich nicht in innerer Unruhe befinden.

Gerade die Betreuung ängstlicher Patienten kann sich schwierig gestalten. Häufig fehle den behandelnden Ärzten die notwendige Zeit für diese anspruchsvolle Betreuung der Glaukompatienten, die mit Ungeduld und in seltenen Fällen auch abwehrend reagieren können, so Emmerich. Damit kann das Verhältnis von Arzt und Patient rasch in einen Teufelskreis aus Angst, Hilflosigkeit und Verweigerung auf Seiten des Patienten und Nervosität und Anspannung auf Seiten des Arztes abgleiten. Um das zu vermeiden und zu verhindern, dass sich dies negativ auf den weiteren Verlauf der Erkrankung auswirkt, rät die Augenärztin dazu, bei besonders ängstlichen Patienten mit Bedacht zu kommunizieren und auf verbindliche Formulierungen zu achten.

„Die Besprechung von Befund und Diagnose erfordert in diesen Fällen ein besonderes Fingerspitzengefühl und eine emotional positive Kommunikation“, weiß die Medizinerin aus eigener Erfahrung. Nur wenn sensibel auf mögliche Ängste und Anspannungen des Patienten reagiert werde, könne Vertrauen entstehen – die Basis einer umfassenden und guten Behandlung. Kolleginnen und Kollegen rät sie: „Beziehen Sie sein soziales Umfeld, seine Lebenspartner oder Familien mit ein und lassen Sie psychologisch versierte Ärzte mitberaten.“ Das Spektrum der psychotherapeutischen ärztlichen Leistungen sei groß und sollte bei der Behandlung von Glaukompatienten mitbedacht werden.

G.M. Emmerich:
Psychosomatische Aspekte von operativen Eingriffen in Vorbereitung und Nachsorge und ihre besondere Bedeutung von Glaukompatienten
Klinische Monatsblätter für Augenheilkunde 2021;
238 (2); S. 146–152

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