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    Patienten mit Vorhofflimmern erhalten häufig gerinnungshemmende Medikamente, um das bei ihnen erhöhte Schlaganfallrisiko zu senken. © psdesign1/ adobe.stock.com

     

Starke internationale Unterschiede bei der Schlaganfallprävention

fzm, Stuttgart, Dezember 2017 – Viele Patienten mit Vorhofflimmern erhalten eine Antithrombosebehandlung, um das Risiko für Schlaganfälle zu reduzieren. Wissenschaftler haben Patientendaten aus der ganzen Welt analysiert und starke regionale Unterschiede in der Therapie festgestellt. Ihre Ergebnisse stellen Professor Gregory Y. H. Lip und seine Kollegen in der Dezemberausgabe von „Thrombosis and Haemostasis“ (Schattauer Verlag, Stuttgart. 2017) vor. Die Experten fordern eine bessere Umsetzung der Leitlinien.

Vorhofflimmern erhöht das Schlaganfallrisiko. Leitlinien empfehlen eine Antithrombosetherapie (ATT), um das Risiko zu reduzieren. Dabei werden sogenannte Orale Antikoagulanzien (OAKs) verabreicht: Die Einnahme von Vitamin-K-Antagonisten (VKA) kann das Risiko für einen Schlaganfall um 64 Prozent und die Mortalität um 26 Prozent gegenüber einem Placebo senken. Immer häufiger werden auch Nicht-Vitamin-K-Antagonisten (NOAKs) eingesetzt, die sicherer und ebenso wirksam sein können.

Wissenschaftler um Professor Lip von der University of Birmingham haben jetzt 15.092 internationale Patientendaten der Phase-II-Studie „Gloria-AF“ analysiert. Das weltweite Patientenregister gibt Auskunft zur Sicherheit, Wirksamkeit und zu den Anwendungsmustern in der antithrombotischen Therapie. „Wir fanden starke regionale Unterschiede“, erklären Lip und seine Kollegen im Namen der gesamten Forschergruppe. In Europa werden 90,1 Prozent der Patienten mit oralen Antikoagulanzien behandelt. Es folgen Afrika und der Mittlere Osten, Lateinamerika und Nordamerika. Das Schlusslicht bildet Asien mit nur 55,2 Prozent.

Der allgemeine Trend – der Ersatz von Vitamin-K-Antagonisten durch Nicht-Vitamin-K-Antagonisten – zeigt sich mit 66,5 Prozent in Nordamerika am deutlichsten und mit 50,2 Prozent in Asien am geringsten. Doch das Bild ist auch in Asien selbst sehr heterogen: Der Gebrauch von OAKs allgemein liegt bei 21,0 Prozent in China und bei 89,7 Prozent in Japan, der von NOAKs bei nur 5,8 Prozent in China und bei 83,3 Prozent in Japan.

Ärzte wägen bei der Behandlung der Patienten zwischen Nutzen und Risiko ab. Die Empfehlung für eine orale Antikoagulation ist abhängig von Geschlecht, Alter und weiteren Erkrankungen. Patienten, die abgesehen von dem Vorhofflimmern ein geringes Risiko für einen Schlaganfall aufweisen, benötigen keine antithrombotische Therapie. Wie die Autoren jedoch festgestellt haben, bekommen auch Patienten mit geringem Risiko zu 76,5 Prozent orale Antikoagulanzien verordnet. 17,7 Prozent der Hochrisikopatienten erhalten dagegen keine gerinnungshemmende Behandlung. In Europa handelt es sich um 8,8 Prozent der Patienten mit Vorhofflimmern, in Asien sind es hingegen 42,4 Prozent.

„Da im Moment noch fast die Hälfte der Niedrigrisikopatienten übertherapiert ist, während jeder sechste Hochrisikopatient untertherapiert ist, sollten die Leitlinien in Zukunft besser umgesetzt werden“, fordern die Experten um Professor Lip.

M. Mazurek, M. V. Huisman, K. J. Rothman, M. Paquette, C. Teutsch, H.-C. Diener, S. J. Dubner, J. L. Halperin, C. Sheng Ma, K. Zint, A. Elsaesser, S. Lu, G. Y. H. Lip on behalf of the GLORIA-AF Investigators:
Regional Differences in Antithrombotic Treatment for Atrial Fibrillation: Insights from the GLORIA-AF Phase II Registry
Thrombosis and Haemostasis 2017;117 (12); S. 2376–2388, eFirst publiziert am 6.12.2017

 

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