Hausarzt: Traumberuf mit Image-Problemen

fzm – Die überwiegende Zahl an Hausärzten übt ihren Beruf gerne aus. Sie leiden jedoch unter den zunehmend schlechteren Rahmenbedingungen, vor allem aber bereitet ihnen das Negativ-Image in der Öffentlichkeit Sorgen. Hierin sieht eine Soziologin in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2010) einen wesentlichen Grund für die Nachwuchsprobleme in einem früheren Traumberuf.

Die meisten Allgemeinmediziner, welche die Diplomsoziologin Iris Natanzon vom Universitätsklinikum Heidelberg interviewte und deren Antworten sie mit einem Gesundheitswissenschaftler und einer Ärztin auswertete, waren mit ihrer Tätigkeit zufrieden. Sie hätten einen spannenden Beruf und insbesondere der Kontakt zu den Patienten sei für sie eine große Erfüllung, erzählten die sechzehn Mediziner den Forschern in den fast einstündigen Einzelgesprächen. Nur der viele Papierkram und die Angst vor einem sinkenden Einkommen machen ihnen zu schaffen.

Das allein würde aber nicht erklären, warum immer weniger Medizinstudenten den früheren Traumberuf Hausarzt anstreben. Vor allem in ländlichen Regionen ist die Versorgung heute gefährdet, schreibt Iris Natanzon. In einigen Gegenden würden geradezu verzweifelt Maßnahmen ergriffen, um diese Entwicklung aufzuhalten. Dabei steht der Hausarzt gerade in ländlichen Regionen und bei älteren Menschen in hohem Ansehen, so die Autorin. Bei jungen Menschen und in Städten überwiege dagegen ein Negativ-Image, an dem auch das Internet nicht ganz unschuldig ist. Viele jüngere Patienten würden sich dort über Krankheiten informieren und dann lieber gleich zum Facharzt gehen, beklagen die befragten Hausärzte.

Der Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung strahle auch auf die Medizinstudenten aus, die nicht nur vom hohen Arbeitsaufwand und dem niedrigen Einkommen zurückgeschreckt würden. Auch an der Universität wird der Allgemeinmedizin zu wenig Beachtung geschenkt, meinen die Hausärzte. Viele Hochschulprofessoren würden den Studierenden eine abwertende Meinung vermitteln. Ebenso werden den Befragten zufolge hausärztliche Fähigkeiten wie Einfühlungsvermögen und Kommunikation mit den Patienten an der Universität nicht gelehrt.

Für die Soziologin Natanzon reicht es deshalb nicht aus, Hausärzte von Bürokratie und Reglementierungen zu entlasten, damit sie wieder mehr Zeit für ihre Patienten haben. Auch ein gesteigerter Stellenwert der Allgemeinmedizin im Studium ist ihrer Ansicht nach erforderlich, um mehr Nachwuchsmediziner für den Hausarztberuf zu gewinnen. Die Studenten müssten an der Universität stärker als bisher auf eine patientennahe Tätigkeit wie die Allgemeinmedizin vorbereitet werden. Die Standesvertreter fordert sie auf, die Allgemeinmedizin gegenüber der Öffentlichkeit selbstbewusster und positiver als bisher darzustellen.

D. Natanzon et al.:
Berufsperspektive Allgemeinmedizin: Welche Faktoren beeinflussen die Nachwuchsgewinnung? Eine qualitative Befragung von Hausärzten.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2010; 135 (20):
S. 1011-1015

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