Produzent und Wirkungsort zugleich: Die Haut als größte Hormondrüse des Körpers

Gesundheit, Aussehen und Alterung der Haut werden maßgeblich durch Hormone beeinflusst. Die Haut ist jedoch nicht nur Empfänger von Signalen, sie produziert auch selbst Hormone. Ein Experte bezeichnet sie in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2013) deshalb als größte Hormondrüse des menschlichen Körpers. Die Wirkung der Hormone auf die Haut sind Gegenstand der Dermato-Endokrinologie, einem relativ neuen Zweig der wissenschaftlichen Medizin.

Das weltweite Interesse der Dermatologen an den komplexen hormonellen Eigenschaften der Haut wurde erst in jüngster Zeit erweckt, schreibt Professor Christos Zouboulis, Chefarzt am Städtischen Klinikum Dessau. Dabei ist lange bekannt, dass sich Hormone auf Haut und Haare auswirken. Östrogene halten bei Frauen die Haut vor den Wechseljahren straff und faltenfrei, zu viel Schilddrüsenhormon kann dagegen die Kopfhaut lichten. Androgene stimulieren die Produktion von Talgdrüsen, was in der Pubertät vereinzelte Pickel, aber auch eine schwere Akne verursachen kann. Zu viel Androgene können bei Frauen ein Bartwachstum stimulieren, weshalb Antiandrogene ein bewährtes Mittel gegen Akne und Hirsutismus sind. Die gute Wirkung hat lauf Professor Zouboulis die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) kürzlich bewogen, ein beliebtes Hormonpräparat nicht zu verbieten, obwohl es nachweislich das Risiko auf Thrombosen und Lungenembolie erhöht.

Die Abnahme von Hautdicke, Kollagengehalt, Feuchtigkeit und Talgproduktion, zu denen es im Alter kommt, sind ebenfalls Folge einer verminderten Hormonproduktion. Östrogene können die Haut verjüngen, werden jedoch wegen ihrer Risiken nur noch selten in Tablettenform verordnet. Und eine Anwendung auf der Haut ist nur bei sonnengeschützter Haut wirksam, so Professor Zouboulis

Die Haut reagiert aber nicht nur auf Hormone, sie kann sie auch herstellen. In der Haut entsteht nicht nur unter Einwirkung von UV-Licht das Knochenhormon Vitamin D. Professor Zouboulis zählt mehr als 30 verschiedene Hormone auf, die in den verschiedenen Zellen von Haut und Unterhautfettgewebe gebildet werden. Die Haut produziert unter anderem Beta-Endorphine, die den Schmerz lindern, das Melanozyten-stimulierende Hormon, das die Hautpigmentierung fördert, Adrenokortikotropes Hormon (ACTH), das unter anderem die Kortisonbildung in der Nebenniere steuert, sowie Geschlechtshormone, die über die Schweiß- und Talgdrüsen sexuelle Signale aussenden können.

Wie Haut und Hormone sich gegenseitig beeinflussen, ist noch längst nicht abschließend erforscht, meint Professor Zouboulis. Kaum ein Spezialgebiet der Medizin habe jedoch in den letzten Jahren eine solche positive Entwicklung erfahren wie die Dermato-Endokrinologie. Die neuen Erkenntnisse rechtfertigen seiner Ansicht nach die Einstufung der Haut als endokrines Organ. Mit einer Ausdehnung von zwei Quadratmetern und einem Gewicht von acht bis zehn Kilo sei die Haut die mit Abstand größte Hormondrüse des menschlichen Körpers.

C. C. Zouboulis und S. R. Bornstein:
Haut und Hormone: Aktuelles aus der Dermato-Endokrinologie. Deutsche Medizinische Wochenschrift 2013: 138 (31/32);
S. 1561-1563