Hautkrebs als wissenschaftliche Herausforderung

Stuttgart, Februar 2009 – Eine höhere Lebenserwartung, mehr Freizeit und mehr Zeit, die im Freien und an der Sonne verbracht wird – diese an sich positiven Entwicklungen haben dazu geführt, dass die Häufigkeit vieler Hautkrebs-Varianten in den vergangenen Jahrzehnten drastisch zugenommen hat. Hinzu kommen der Klimawandel mit Zerstörung der Ozonschicht und Zunahme der UV-Intensität, sowie weitere Umwelt- und Verhaltensrisiken. "Die Dermato-Onkologie steht daher im Fokus vieler aktueller Entwicklungen", sagt Professor Constantin Orfanos. Einen Überblick darüber, wo die Erforschung und die Therapie des Hautkrebses derzeit stehen, gibt der emeritierte Berliner Dermatologe in der Fachzeitschrift "Aktuelle Dermatologie" (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2008).

"Den" Hautkrebs an sich gibt es nicht, wie Constantin Orfanos betont, denn die Tumoren können von ganz unterschiedlichen Zelltypen ausgehen. Um zwischen den verschiedenen Spielarten der epithelialen Krebse, der kutanen Lymphome und der Tumoren bindegewebigen, vaskulären oder neuralen Ursprungs unterscheiden zu können, benötigt ein Hautarzt viel Erfahrung. Zudem ist die Untersuchung von Gewebeproben durch einen Dermatohistopathologen nötig.

Dass es spezialisierte Dermato-Onkologen gibt, erscheint uns heute selbstverständlich. Noch vor etwas mehr als zwanzig Jahren war das ganz anders: "Als wir 1985 die Teilnehmerliste für das Symposium Malignes Melanom des Weltkongresses vorbereiteten, gab es Schwierigkeiten, prominente Sprecher aus Deutschland zu nominieren", erinnert sich Constantin Orfanos, der in Deutschland als Dermato-Onkologe der ersten Stunde gelten kann. Damals hatten Dermatologen gerade erst begonnen, die Erforschung und Behandlung von Hauttumoren als Domäne ihres Fachgebiets zu begreifen – unter anderem deshalb, weil die Zahl der Patienten mit dem UV-bedingten schwarzen Hautkrebs erst seit den Siebziger- und frühen Achtzigerjahren drastisch angestiegen war. "Das Gebiet der Dermato-Onkologie ist ein relativ junges Teilgebiet der Dermatologie", resümiert Constantin Orfanos, "aber heute spielt es bereits eine Schlüsselrolle innerhalb unseres Fachs."

Das liegt zum einen an den zunehmenden Patientenzahlen – Orfanos spricht von einer "globalen Hautkrebsepidemie", die in den letzten Jahrzehnten Gestalt angenommen hat. Gleichzeitig sind die Tumoren der Haut eine intellektuelle Herausforderung für die gesamte onkologische Forschung: Sie streuen sehr früh, sprechen kaum auf gängige Chemotherapeutika an und entwickeln schnell Resistenzen. Daher sind die meisten Hautkrebstypen auch heute noch nur unzureichend zu therapieren.

Hoffnung für die Zukunft liegt nach Orfanos´ Ansicht in neuen molekularen Methoden. Mithilfe spezieller Antikörper könnte man etwa versuchen, Signalwege in den Tumorzellen zu blockieren, das Streuen der Zellen in andere Gewebe zu unterbinden oder Zellgifte gezielt in die Tumorzellen einzuschleusen. "All diese Ansätze sind prinzipiell denkbar und zum Teil auch schon umgesetzt", sagt Orfanos. Den erhofften Durchbruch in der Hautkrebs-Therapie haben sie zwar noch nicht bewirkt. Dafür sei es aber auch noch zu früh, so der Experte: "Zunächst gilt es, die neuen Methoden zu sortieren und die Behandlungsstrategien genauer auszuarbeiten." Dabei könnte die moderne biologische Forschung helfen: Wenn es gelingt, bestimmte Tumormarker zu erfassen, lassen sich möglicherweise individuelle Behandlungsschemata und Verlaufsprognosen erstellen. Genetische Faktoren wiederum könnten bereits bei gesunden Probanden Aufschluss darüber geben, wie hoch deren individuelles Erkrankungsrisiko ist – ein Wissensvorsprung, den Onkologen aller Fachbereiche gut gebrauchen könnten.

C. E. Orfanos:
Dermatoonkologie: Heutiger Stand und Perspektiven.
Aktuelle Dermatologie 2008; 34 (12):
S. 453 - 464

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