• Motorradfahrer © Scott Griessel-Creatista – Fotolia.com

    Nicht in allen US-Bundesstaaten müssen Motorradfahrer einen Helm tragen. © Scott Griessel-Creatista – Fotolia.com

     

Studie belegt: Helme schützen Motorrad- und Fahrradfahrer gleichermaßen vor Schädel- und Gesichtsverletzungen

fzm, Stuttgart Juli 2017 – Motorrad- und Fahrradfahrer, die bei einem Unfall einen Helm tragen, erleiden seltener schwere Schädel- und Gesichtsverletzungen. Dazu zählen Platzwunden, Blutergüsse, Schädelbrüche oder Frakturen im Gesichtsbereich. Daher verkürzt sich ihr Krankenhausaufenthalt um bis zu zwei Tage gegenüber Patienten, die ohne Helm unterwegs sind. Zu diesem Ergebnis kommen Dr. Basel Sharaf und seine Kollegen nach Auswertung von Krankenakten der Mayo Clinic in Rochester, USA in der Fachzeitschrift „Craniomaxillofacial Trauma and Reconstruction“ (Thieme Publishers, New York. 2017).

Helme sind auch in den USA bei vielen Motorrad- und Fahrradfahrern unbeliebt. Im Bundesstaat Minnesota, wo sich die Mayo Clinic befindet, wurde im Jahr 1977 eine gesetzliche Helmpflicht weitgehend aufgehoben. Dort müssen Motorradfahrer nur dann einen Helm tragen, wenn sie jünger als 18 Jahre sind oder einen vorläufigen Führerschein haben. Eine gesetzliche Regelung für Fahrradfahrer gibt es nicht. Eine Folge ist, dass jeder zweite Motorrad- und Fahrradfahrer, der in der Notaufnahme der Mayo Clinic aufgenommen wird, beim Unfall keinen Helm trug. Ein Team um Kieferchirurg Dr. Basel Sharaf hat die Daten von 417 Patienten ausgewertet, die in den Jahren 1999 bis 2015 behandelt wurden und bei denen das Tragen oder Nichttragen eines Helms in den Krankenakten vermerkt wurde. Darunter waren 367 Patienten, die mit einem Motorrad oder Fahrrad in einen Unfall verwickelt waren.

Egal ob Motorrad oder Fahrrad – bei beiden Verkehrsmitteln schützt der Helm vor Verletzungen: Keiner der Helmträger erlitt einen Schädelbruch. Von den Patienten mit Platzwunden, die zum Teil chirurgisch versorgt werden mussten, trugen über 85 Prozent keinen Helm. Gesichtsfrakturen im Bereich der Augenhöhle, des Jochbeins, des Ober- und Unterkiefers und des Nasenbeins traten bei Patienten ohne Helm dreimal häufiger auf als bei Helmträgern. Jede vierte Gesichtsfraktur erforderte laut Sharaf darüber hinaus eine Operation. Bei Patienten mit Verletzungen der Halswirbelsäule machte es hingegen keinen Unterschied ob sie einen Helm trugen. Auch der Schweregrad der sonstigen Unfallverletzungen war gleich. Gleichwohl mussten Fahrer ohne Helm häufiger stationär aufgenommen werden: Sie verbrachten im Durchschnitt zwei Tage länger in der Klinik und benötigten im Anschluss häufiger eine Reha-Behandlung.

Dr. Basal Sharaf und seine Kollegen belegen so, dass Helme neben dem Schädel auch die Gesichtsknochen von Motorrad- und Fahrradfahrern schützen können. Sie sprechen sich daher für eine landesweite Helmpflicht in den USA aus. Aus ihrer Sicht, können die Auswirkungen einer Kopfverletzung auf die Lebensqualität der Verletzten und die daraus entstehenden gesellschaftlichen Kosten nicht genug betont werden. Tatsächlich gibt die National Highway Traffic Safety Administration, die US-Bundesbehörde für Straßen- und Fahrzeugsicherheit, an, dass im Jahr 2013 schätzungsweise 1.630 Motorradfahrern durch einen Helm das Leben gerettet wurde und dadurch 2,8 Milliarden US-Dollar weniger Folgekosten entstanden.

J. Anne Harvey, W. Gibreel, A. Charafeddine, B. Sharaf:
Helmet Wear and Craniofacial Trauma Burden: A Plea for Regulations Mandating Protective Helmet Wear.
Cranial Maxillofac Trauma Reconstruction 2017
Doi: 10.1055/s-0037-1601430

 

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